Bankgeheimnis

Kirch verklagt Deutsche Bank auch in Amerika

15.01.2004
, 11:45
Leo Kirch holt zum weiteren Schlag aus
Der Medienunternehmer Leo Kirch klagt in New York gegen die Deutsche Bank und den Kabelfernsehkonzern Liberty Media. Eine Verschwörung beider Unternehmen habe die Insolvenz seines Imperiums verursacht, lautet der Vorwurf.
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Der gescheiterte Medienunternehmer Leo Kirch hat in den Vereinigten Staaten Klage gegen die Deutsche Bank und den Kabelfernsehkonzern Liberty Media eingereicht. Darin wirft Kirch den beiden Unternehmen vor, den Zusammenbruch seines Medien-Imperiums in einer Verschwörung geplant zu haben.

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Die Klage sei am 14. Januar vor dem obersten New Yorker Gericht eingereicht worden, teilte die New Yorker Anwaltskanzlei Lowenstein Sandler PC am Donnerstag mit. Kirch beschuldige darin den damaligen Vorstandschef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, und Investmentbanker des Hauses sowie den Chef von Liberty Media, John Malone, gemeinsam darauf hingearbeitet zu haben, das Kirch-Medienimperium zu zerschlagen und zu verwerten. Die Deutsche Bank wollte dazu zunächst keine Stellungnahme abgeben.

Kirch sieht Bankgeheimnis als verletzt

In dem Fall geht es um die Frage, ob Breuer in einem Fernseh-Interview im Februar 2002 das Bankgeheimnis verletzt und so die Insolvenz des Firmenimperiums mit ausgelöst hat. Das Oberlandesgericht München hatte jüngst entschieden, daß die Deutsche Bank für das Interview Breuers haften muß, in dem er sich vor rund zwei Jahren fahrlässig zur Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe kurz vor der Insolvenz geäußert habe.

Der Zusammenbruch der Kirch-Gruppe hätte Malone und seiner Firma die Kontrolle auf dem lukrativen Kabelfernsehenmarkt in Deutschland beschert, hieß es in der Mitteilung der Anwälte. weiter. Liberty Media hätte der Deutschen Bank über eine Milliarde Euro an Einnahmen unter anderem für Beratung im Investmentbanking eingebracht. In der Klage behaupte Kirch, daß der Plan im Februar in die finale Phase ging, als Breuer das umstrittene Interview gab.

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Breuer weist Vorwürfe zurück

Breuer hatte in dem Interview - angesprochen auf die Geschäftslage beim Medienkonzern Kirch und die Bereitschaft der Gläubigerbanken zu neuen Krediten - gesagt: „Was man alles lesen und hören kann, ist ja, daß der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder sogar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen.“ Nur zwei Monate danach brach das Medienimperium des öffentlichkeitsscheuen Kirch Zug um Zug in sich zusammen.

Breuer, der inzwischen Aufsichtsratschef der Bank ist und den Vorstandsvorsitz im Frühjahr 2002 an Ackermann abgegeben hatte, wies die Vorwürfe gegen ihn zurück. Er habe allgemein erhältliche Informationen widergegeben.

Quelle: Reuters
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