Lebensmittel

Bauernverband rechnet mit weiter steigenden Preisen

23.05.2022
, 15:11
Teurer Weizen verteuert auch Brötchen.
Teures Getreide, teure Energie: Der Bauernverband stimmt die Verbraucher darauf ein, dass Lebensmittel im Laufe des Jahres noch mehr kosten werden und fordert Unterstützung von der Politik.
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Der Deutsche Bauernverband (DBV) rechnet damit, dass die Lebensmittelpreise noch deutlich stärker steigen werden. „Wir erwarten im Herbst ganz klar zweistellige Erhöhungsraten im Vergleich zum Vorjahr“ sagte Udo Hemmerling, stellvertretender Generalsekretär des DBV, am Montag in einem Pressegespräch. Die höheren Kosten für Rohstoffe und Energie in der Landwirtschaft und der Lebensmittelherstellung würden zeitversetzt, aber sukzessive durch die Lieferkette gereicht. Im April waren Nahrungsmittel und Getränke schon um 8,6 Prozent teurer als noch vor einem Jahr.

Der Bauernverband sieht keine Zeichen der Entspannung der „kritischen Versorgungssituation“ auf den Agrarmärkten, die noch bis weit in das Jahr 2023 hineinreichen werde. Entlastung brächte nur eine Öffnung der Schwarzmeerhäfen und eine funktionierende ukrainische Landwirtschaft. Hemmerling warnte vor dem „Drohpotenzial“, das Russland als international größter Weizenexporteur nun ausnutzen könnte, um stark von Agrarimporten abhängige Entwicklungsländer „gefügig“ zu machen.

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Um die Kosten der Landwirte und Verbraucher zu dämpfen und die Nahrungsmittelversorgung zu sichern, fordert der DBV von der Politik unter anderem die Gasversorgung der Ernährungs- und Landwirtschaft als systemrelevant einzustufen sowie ein Liquiditäts-Förderprogramm für zinsfreie Kredite für Düngemittel, Futtermittel und Treibstoff. Die Landwirte bräuchten angesichts „exorbitant“ gestiegener Preise für Betriebsmittel Planungssicherheit, sagte Hemmerling. Die Forderung nach einer staatlichen Düngemittelreserve weicht der Verband damit auf, nachdem das Bundeslandwirtschaftsministerium dieser unlängst eine Absage erteilt hatte.

WWF: EU ist teurer Supermarkt, nicht Kornkammer

Der DBV hofft zudem, dass die EU-Kommission den Vorschlag von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) umsetzt, die ab kommendem Jahr geltenden Vorgaben für die Fruchtfolge auszusetzen. Dadurch könnte auf 500.000 Hektar zusätzlich Weizen angebaut und die Ernte um vier Millionen Tonnen gesteigert werden. Hemmerling gab jedoch zu, dass die deutsche Landwirtschaft nur einen geringen zusätzlichen Beitrag zur globalen Ernährungssicherung leisten kann: „Es geht eher um eine Stabilisierung und nicht um eine originäre Mehrproduktion.“ Es sei aber wichtig, dass die EU in der jetzigen Krise nicht noch für einen zusätzlichen Importsog bei Nahrungsmitteln sorge und der Exportbeitrag der vergangenen Jahre aufrecht erhalten werde.

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Laut einem am Montag veröffentlichten Bericht der Umweltorganisation WWF trägt die Landwirtschaft in der EU nur bedingt zur weltweiten Lebensmittelversorgung bei. „Derzeit sind wir der teure Supermarkt, nicht die Kornkammer der Welt“, kritisiert WWF-Ernährungsexpertin Tanja Dräger. Hintergrund sei unter anderem, dass die EU vor allem hochwertige Lebensmittel wie Schokolade oder Fleisch exportiere, günstige Produkte wie Kakao oder Futtermittel aber importiere.

Der unter dem Titel „Europe eats the world“ (etwa: „Europa isst die Welt“) veröffentlichte Bericht betont, die Länder der EU führten mehr Kalorien und Proteine – unter anderem in Form von Tierfutter – ein, als sie in andere Regionen verkauften. So entzögen sie anderen Märkten 11 Prozent der Kalorien und 26 Prozent der Proteine.

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Die Umweltschützer fordern ein deutliches Umdenken der EU-Landwirtschaft. Nur ein nachhaltigeres Lebensmittelsystem sei in der Lage, künftig die Ernährungssicherheit im In- und Ausland zu gewährleisten. Derzeit etwa ende mindestens die Hälfte der Getreideproduktion in der EU als Futter im Trog.

Quelle: jvb./dpa_AFX
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