Gegen die hohe Inflation

Biden zapft nationale Ölreserve an

Von Winand von Petersdorff, Washington
23.11.2021
, 14:41
Hohe Sprit- und Heizölpreise erzürnen die Bevölkerung.
Die Sprit- und Heizölpreis sind stark gestiegen in Amerika, das führt zu Unmut in der Bevölkerung. Präsident Biden reagiert nun und findet auch international Verbündete. Beteiligt sich selbst China?
ANZEIGE

Der amerikanische Präsident Joe Biden hat das Energieministerium angewiesen, 50 Millionen Fass (je 159 Liter) Öl aus der Strategischen Petroleum Reserve freizugeben. Er reagiert damit auf hohe Benzin- und Heizölpreise, die zu wachsendem Unmut in der Bevölkerung geführt haben. Der Preis von Benzin hat sich binnen eines Jahres auf 3,40 Dollar je Gallone oder 90 Dollarcent je Liter erhöht.

ANZEIGE

Demokratische Politiker hatten Biden zuvor in einem Brief aufgefordert, nicht nur die Nationale Reserve anzuzapfen, sondern auch Rohölexporte zu unterbinden. Dazu konnte sich das Weiße Haus aber nicht durchringen. Biden hatte vorher vergeblich versucht die OPEC und Russland zu drängen, ihre Förderung nach oben zu fahren, um Preissenkungen zu ermöglichen. Gleichzeitig hatte er die Kartellbehörde FTC aufgefordert, die Preispolitik großer Ölkonzerne auf Wucher zu überprüfen.

Japan und Indien machen mit

Die hohen Preise befeuern die hohe Inflation von mehr als 6 Prozent, die viele Amerikaner inzwischen auf Bidens Politik zurückführen. Dessen Vorstoß kurz vor dem amerikanischen Thanksgiving-Fest ist mit anderen Ländern abgestimmt. Medienberichten zufolge hat der Präsident China, Japan, Indien und Südkorea gebeten, eine Freigabe nationaler Ölreserven zu prüfen. Japan und Indien sind offenbar dazu bereit, China erwägt offenbar ebenfalls, den Vorstoß aus Amerika zu unterstützen.

Die amerikanischen Reserven werden in den nächsten Monaten nach und nach in den Markt gegeben werden und in den Folgejahren ersetzt werden. Der Verkauf von 18 Millionen der 50 Millionen Fass waren bereits vom Kongress genehmigt worden.

Die Preiswirkung der Maßnahme ist unklar. Amerikanische Produzenten fördern aktuell nach Schätzungen der Energy Information Administration rund 11 Millionen Fass am Tag. Die Freigabe-Menge entspricht damit annähernd der Produktion, die innerhalb von fünf Tagen erreicht wird.

Das amerikanische Exportvolumen bei Rohöl und Petroleumprodukten beträgt rund 8,5 Millionen Fass am Tag, während die Importmenge knapp darunter liegt mit 7,8 Millionen Fass. Zu den wichtigsten Kunden der Amerikaner gehören außer Kanada und Mexiko auch China, Japan und Indien.

ANZEIGE
Quelle: FAZ.NET
Winand von Petersdorff-Campen - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitun
Winand von Petersdorff-Campen
Wirtschaftskorrespondent in Washington.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE