Deutsche Wirtschaft

Regierung erwartet nur noch einen Mini-Aufschwung

Von Julia Löhr, Niklas Záboji
22.01.2021
, 16:35
Wirtschaftsminister Altmaier hat seine Wachstumsprognose für 2021 merklich gestutzt. Auch mehr und mehr Ökonomen rudern zurück.

Als Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) Ende Oktober seine Herbstprognose vorstellte, war der Einstieg in einen abermaligen Lockdown zwar schon beschlossene Sache, die Regierung aber trotzdem noch verhalten optimistisch. 4,4 Prozent Wirtschaftswachstum für dieses Jahr stellte Altmaier damals in Aussicht. Doch nach bald drei Monaten mit einem weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben und der kürzlich beschlossenen Verlängerung des Lockdowns hält die Realität den Hoffnungen nicht mehr stand.

Wie am Freitag aus Regierungskreisen verlautete, wird Altmaier die Prognose deutlich senken, wenn er am kommenden Mittwoch den neuen Jahreswirtschaftsbericht vorstellt. Von voraussichtlich nur noch 3,0 Prozent Wachstum ist die Rede. Eine Sprecherin des Ministeriums wollte dies nicht bestätigen. Die Zahlen würden aktuell „finalisiert“. Üblicherweise weicht die endgültige Prognose aber allenfalls geringfügig von den vorher kolportierten Zahlen ab.

Auch Konjunkturforscher ruderten jüngst zurück. „Die Lockdowns verzögern das Wiederanspringen der kontaktintensiven Wirtschaftsbereiche, so dass die jährliche Wirtschaftsleistung für 2021 insgesamt geringer ausfällt“, sagt Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. Mehr und mehr Prognosen tendieren nun in Richtung jener 3 Prozent, mit denen die Bundesbank und die Kieler Ökonomen vor Weihnachten als Pessimisten galten. Das zeigt eine Umfrage der F.A.Z. unter den großen Forschungsinstituten.

Mehr als 4 Prozent immer noch „möglich und wahrscheinlich“

Das Essener RWI etwa hatte Mitte Dezember mit Blick auf die Erholung des Welthandels 4,9 Prozent Wachstum in Aussicht gestellt. „Nach heutigem Kenntnisstand“ sei dies aber „schwierig zu erreichen“, sagt RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt. Neue Zahlen wolle er Mitte März vorlegen. Das DIW aus Berlin ging diesen Schritt schon und senkte seine Prognose von 5,1 auf 3,2 Prozent. „Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung erscheint unsere Prognose von Ende November/Anfang Dezember als optimistisch“, meint auch Michael Grömling vom arbeitgebernahen IW in Köln. Mit dem nun wahrscheinlich nochmals schwächeren Jahresstart würden die damals formulierten 4 Prozent „kaum zu erreichen sein“.

Doch nicht alle haben die Zuversicht verloren. „Ich halte an den 4,2 Prozent für dieses Jahr fest“, sagt Timo Wollmershäuser vom Münchner Ifo-Institut. Auf 3 Prozent komme man nur, wenn man mit einem kräftigen Minus während des Lockdowns im ersten Quartal und/oder einer langsamen Erholung im Frühjahr und Sommer rechne. Gegen Ersteres spreche die zu erwartende Stagnation, gegen Letzteres die Erfahrung aus dem vorigen Jahr, so Wollmershäuser. „Man kann natürlich auch andere Annahmen treffen“, sagt er. Dann wäre es nur schön, wenn diese Annahmen offengelegt würden.

Oliver Holtemöller vom IWH in Halle ergänzt, ohnehin davon ausgegangen zu sein, dass es erst vom zweiten Quartal an „richtig besser“ werde. Das erste Quartal dürfte zwar schlechter ausfallen, doch halte man an den zuletzt prognostizierten 4,4 Prozent vorerst fest. Mehr als 4 Prozent seien immer noch „möglich und wahrscheinlich, zumindest, wenn die Kontaktbeschränkungen nicht über Mitte Februar ausgedehnt werden“, sagt auch Sebastian Dullien vom gewerkschaftsnahen IMK in Düsseldorf.

Frühindikatoren wie der Markit-Index dämpfen die Stimmung indes. Das auf der monatlichen Befragung von 1000 Einkaufsmanagern beruhende Barometer sank im Januar von 52,0 auf 50,8 Punkte, wie das Markit-Institut aus London am Freitag mitteilte. Der Index für den Euroraum sank von 49,1 auf 47,5 Zähler und entfernte sich somit gar deutlich von der sogenannten Wachstumsschwelle von 50 Punkten.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Löhr, Julia
Julia Löhr
Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.
Autorenporträt / Zaboji, Niklas
Niklas Záboji
Redakteur in der Wirtschaft.
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