FAZ plus ArtikelUnsichere Anlage

Nicht vom Bitcoin narren lassen!

Von Ulrich Bindseil und Jürgen Schaaf
18.09.2021
, 10:33
„Komplette Ablehnung von Bitcoin in El Salvador“: Demonstration gegen den Bitcoin in San Salvador
Die Verheißungen der populärsten Krypto-Anlage sind unerfüllbar, seine Makel werden unterschätzt. Warum der Bitcoin mehr Spuk als Spielerei ist und auch in der Nachhaltigkeit versagt. Ein Gastbeitrag.

Der Bitcoin-Boom hält trotz wiederholter Rückschläge an. Der bisherigen Erfolgsgeschichte des populärsten Krypto-Assets mit einer Marktbewertung von fast einer Billion Dollar liegen drei Versprechen zugrunde: erstens, eine globale effiziente Währung zu schaffen, die zweitens inflationssicher ist und sogar kräftige Kapitalgewinne ermöglicht und drittens das „souveräne Individuum“ vom Staat befreit und ermächtigt. Die Verheißungen dieser digitalen Dreifaltigkeit werden aber nicht erfüllt. Und da die kollektive Selbsttäuschung inzwischen eine Dimension erreicht, die erheblichen gesellschaftlichen Schaden anrichten kann, werden Interventionen von Gesetzgebern immer wahrscheinlicher – und spätestens dann droht das Kartenhaus einzustürzen.

Aber eins nach dem anderen: Bitcoin war zunächst nur eine Spielerei, deren ökonomische Begründung vorgeschoben wirkte. 2007 hat eine nach wie vor nebulöse Gruppe von Softwareentwicklern ein völlig dezentral organisiertes Buchungskonzept erfunden, das elektronische Zahlungen über Verschlüsselung weitgehend anonymisiert und unumkehrbar – das heißt ohne nachträgliches Settlement – ermöglicht. Unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto wurden ein Weißpapier und der Quellcode zu diesem „digitalen Bargeld“ veröffentlicht; im Januar 2009 wurden die ersten fünfzig Bitcoins erzeugt. Ohne zentrale Instanz steuert, überwacht und speichert ein globales Netzwerk gleichwertiger Rechner das System und setzt die ökonomischen Anreize aller Beteiligten, das System am Laufen zu halten. Alle paar Minuten werden neue Datenpakete in die „Blockchain“, ein digitales Zahlungsbuch, gepackt.

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Die Autoren

Ulrich Bindseil ist Generaldirektor für Marktinfrastrukturen bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Vorher war der Ökonom sieben Jahre lang Generaldirektor für Marktgeschäfte, drei Jahre stellvertretender Generaldirektor im selben Geschäftsbereich und vier Jahre lang Leiter des Risikomanagements. Er begann seine Laufbahn 1994 bei der Deutschen Bundesbank nach Studium der Volkswirtschaftslehre und Promotion in Saarbrücken. Seit 2010 ist er Honorarprofessor an der TU Berlin. Er hat mehrere Fachbücher und Studien über Geldpolitik veröffentlicht, dar- unter: Monetary Policy Operations and the Financial System (Oxford University Press, 2014).

Jürgen Schaaf ist Berater im selben Geschäftsbereich der EZB wie Bindseil. Der Ökonom konzentriert sich auf digitale Zentralbankwährungen und moderne Massenzahlungsstrategien. Bevor er zur EZB kam, war er persönlicher Berater des Gouverneurs der Zentralbank von Luxemburg. Früher arbeitete er als EZB-Beobachter bei der Börsen-Zeitung und Senior Economist bei der Deutschen Bank. Er hat Volkswirtschaftslehre in Marburg und Canterbury/Kent studiert und promovierte in Volkswirtschaftslehre an der Philipps-Universität Marburg.

Die Autoren vertreten hier ihre persönliche Meinung, die nicht notwendigerweise der der EZB entspricht.

Quelle: F.A.Z.
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