FAZ plus ArtikelWeizenknappheit

Bitterer Beigeschmack

EIN KOMMENTAR Von Jessica von Blazekovic
13.05.2022
, 20:19
Es ist ein wichtiges Zeichen der sieben führenden Industrienationen, dass sie sich geschlossen gegen Putins Strategie stellen, Hunger als Kriegswaffe einzusetzen.
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Die „widerlichste Art der Kriegsführung“ nannte der grüne Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir die gezielten Attacken Russlands gegen die ukrainische Landwirtschaft auf dem Treffen der G-7-Agrarminister. Er bezieht sich auf Berichte über Erpressung, Diebstahl und Raub, die sich auf Bauernhöfen in der Ostukraine zugetragen haben sollen. Präsident Putin vergreife sich am Eigentum der ukrainischen Landwirte und verkaufe deren Weizen dann auch noch als seinen. Sollte sich das bewahrheiten, ist dieses Handeln mehr als perfide.

Erst am Donnerstag hatte Putin eine Rekordweizenernte angekündigt. Was in anderen Jahren angesichts von Dürren in vielen Weltregionen eine gute Nachricht gewesen wäre, trägt nach dem Angriff auf die Ukraine einen bitteren Beigeschmack. Eigentlich braucht die Welt das Getreide, das auf russischem Boden wächst, dringend. Ende 2020 litten den Zahlen der Welthungerhilfe zufolge bis zu 811 Millionen Menschen unter chronischem Hunger, weitere 155 Millionen Menschen waren von einer akuten Ernährungskrise betroffen. Der dramatische Anstieg der Weizenpreise wird die Nöte noch verschärfen.

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Quelle: F.A.Z
Autorenporträt / Sadeler, Jessica
Jessica von Blazekovic
Redakteurin in der Wirtschaft.
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