Branchen und Märkte (185): Hotel

Das Ende der Beschaulichkeit

Von Ulrich Friese, Frankfurt
05.03.2009
, 20:09
Die Krise hat die Hotelbranche erreicht
Die Wirtschaftskrise ist im Hotelgeschäft spürbar. Knappe Reisebudgets in Unternehmen und sparwillige Touristen verschärfen die Auslese. Im Trend liegen die Markenartikler der Billigherbergen. Ein harter Kampf wirbelt die Branche kräftig durcheinander.
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Die Zeichen stehen auf Sturm im internationalen Hotelgeschäft. Dabei hat sich nach Ansicht von Andrew Cosslett die Krise in der Branche gerade in jüngster Zeit verschärft: „Wir registrieren seit November eine stark rückläufige Nachfrage, und beim Blick auf die aktuelle Buchungslage spricht wenig dafür, dass sich das im laufenden Geschäftsjahr ändert“, gab der Vorstandsvorsitzende der Intercontinental Hotel Group im Februar zu Protokoll.

Um sich für weitere Rückgänge von Umsatz und Gewinn zu wappnen, steuert der größte Hotelbetreiber der Welt mit Sparprogrammen gegen. In der Chefetage des vom englischen Windsor aus gesteuerten Konzerns, zu dem neben den gleichnamigen Luxusherbergen auch die internationalen Hotelketten Holiday Inn und Crowne Plaza gehören, müssen 120 Führungskräfte gehen. Für die übrigen Teile der Belegschaft gilt ein zeitlich unbefristeter Gehaltsstopp. Auch bei den Investitionen will Cosslett etliche Korrekturen vornehmen. Statt der 693 Stützpunkte, die die Intercontinental Gruppe im vergangenen Jahr eröffnete, werden es bis Ende 2009 wohl nur 400 neue Häuser sein.

Vom Trend profitieren

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Profitieren werden davon wohl die Tochtergesellschaften Holiday Inn und Crowne Plaza. Die beiden Markenartikler der Branche sind im mittelpreisigen Hotelsegment aktiv und versuchen, Geschäftsreisende als Stammkunden zu locken. „Wenn jetzt internationale Konzerne ihre Reisebudgets kürzen und deren Manager auf preiswerte Angebote umschwenken, wollen wir von diesem Trend profitieren“, erklärt Cosslet sein Kalkül. Ähnlich wie jetzt Intercontinental bekommt auch der französische Rivale Accor die Folgen des weltweiten Wirtschaftsabschwungs zu spüren.

Nach Angaben des führenden Hotelbetreibers in Europa machen sich die Abstriche in den Reiseetats der Unternehmen jetzt vor allem in Nordamerika, Großbritannien und Spanien bemerkbar. In diesen Märkten gingen seit Jahresbeginn die auf die verfügbaren Hotelzimmer bezogenen Umsätze - eine wichtige Kennziffer der Hotelbranche - jeweils zweistellig zurück. Im Gegensatz dazu zeigten sich die Schlüsselregionen Frankreich und Deutschland, wo Accor seit Jahren mit Billighotelketten wie Ibis oder Etap vertreten ist, vergleichsweise krisenresistent.

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Themenschwerpunkt auf der Internationalen Tourismus Börse

Vom Kostenbewusstsein der Geschäftskunden will Accor durch den Zukauf von Hotelobjekten im In- und Ausland profitieren. Die dafür nötigen Mittel sollen bis Ende 2009 durch Schnitte im Marketing und im Vertrieb in Höhe von insgesamt 100 Millionen Euro zufließen. Allein im vergangenen Geschäftsjahr erweiterte der Konzern seine Zimmerkapazitäten um 28.000 neue Einheiten. Davon entfiel mit rund 90 Prozent der Löwenanteil auf das preissensible „Economy“- und „Mittelklasse“-Segment.

Die Branchenführer Intercontinental und Accor reagieren auf einen Trend, der nach Ansicht von Fachleuten nicht nur den Hotelsektor, sondern längst auch Fluggesellschaften oder Reiseveranstalter erfasst: Denn in sämtlichen Bereichen der Tourismusindustrie führen der Interneteinsatz sowie die Spardisziplin von Verbrauchern und Unternehmen zu erratischen Schwankungen beim Geschäftsverlauf und Buchungsverhalten.

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Während für Touristen Kurzurlaube oder preiswerte „Last-Minute“-Reisen hoch im Kurs stehen, schwenken immer mehr Geschäftsreisende von „Business-Class“-Angeboten auf „Economy“-Tickets oder die preisgünstigen „Budget-Hotels“ um. Nicht von ungefähr stellen die brisanten Entwicklungen, die den Kostendruck und womöglich die Auslese in der Branche verschärfen, einen Themenschwerpunkt auf der Internationalen Tourismus Börse (ITB) in Berlin dar. Das weltgrößte Branchentreffen, auf der rund 11.000 Aussteller in 26 Hallen verteilt sind, ist ab 14. März für Besucher geöffnet.

Gestärkt aus der Krise

„Luxus hat bei Geschäftsreisenden keine Priorität mehr“, heißt es in einer aktuellen Studie des britischen „Economist“- Verlages über das Buchungsverhalten bei Hotels. Stattdessen sei bei den Reiseplanern in Unternehmen große Nüchternheit eingekehrt. Trotz des Verzichts auf Übernachtungen in 4- oder 5-Sterne-Hotels rangiere jetzt in der Gunst der Manager die „Markenbekanntheit“ des Anbieters sowie das Angebot von (kostenfreien) Basisdienstleistungen wie schneller Internetzugang oder reibungslose Anmeldung ganz oben, heißt es weiter.

Von der veränderten Nachfrage will die amerikanische Hotelkette Best Western in Deutschland profitieren: „Wir gehen gestärkt aus der Krise hervor, weil wir künftig Gäste gewinnen können, die bislang in höherpreisigen Kategorien gebucht haben“, sagt Geschäftsführer Markus Smola. Im Gegensatz zur Konkurrenz setzt die Hotelkette, die in der Hitliste der international größten Anbieter auf Platz 7 rangiert, auf mehr Werbung und stärkeren Vertrieb, um hierzulande ihre Markenbekanntheit zu erhöhen und bei der Expansion aufs Tempo zu drücken. Bis 2010 soll sich die Zahl der 168 Häuser in Deutschland, die über eine aktuelle Auslastung von 67,5 Prozent verfügen, auf bis zu 200 erhöhen. In der Branche gilt als Faustregel, dass Hotels bei einer Quote von mehr als 60 Prozent wirtschaftlich arbeiten.

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Budget-Hotellerie unterentwickelt

Der Zulauf für Billiganbieter spielt auch „Motel One“ in die Hände. Der 1999 gegründete Betreiber ist in Deutschland mit 21 Objekten präsent, deren 3100 Zimmer heute über eine Auslastungsquote von 70 Prozent verfügen. Die Zahl der schlicht, aber pfiffig gestalteten Häuser soll binnen Kürze auf 35 mit 7000 Zimmern wachsen. Zur Stammkundschaft zählen Städtetouristen ebenso wie Freiberufler oder kostenbewusste Manager.

Der Markt für die sogenannte Budget-Hotellerie ist im Vergleich zu den Vereinigten Staaten, wo die Billigketten rund 70 Prozent des nationalen Marktes bestreiten, unterentwickelt, heißt es seitens der Beratungsgesellschaft Treugast, eines führenden Spezialisten der Branche.

Verringertes Investitionsvolumen

Dabei löst der Umbruch im Hotelgeschäft Wachstumsphantasien aus, die branchenfremde Investoren auf den Plan rufen. Im vergangenen Jahr erreichten die Transaktionen ein Volumen von rund 23 Milliarden Dollar, nachdem dieser Wert 2007 noch bei 113 Milliarden Dollar gipfelte. Der Einbruch von rund 80 Prozent ist nach Angaben des Immobilienspezialisten Jones Lang Lasalle auf die gescheiterten Finanzierungen großer Vorhaben in den Vereinigten Staaten (minus 82 Prozent) und Asien (minus 80 Prozent) zurückzuführen.

Aufgrund fehlender Kredite halbierte sich das Volumen der Transaktionen auch in Europa auf 12 Milliarden Dollar. Am Abwärtstrend werde sich vorerst nichts ändern: Im laufenden Geschäftsjahr könnte sich der Gesamtwert abermals auf 19 Milliarden Dollar verringern, lautet die Prognose von Jones Lang Lasalle.

Quelle: F.A.Z.
Ulrich Friese - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Ulrich Friese
Redakteur in der Wirtschaft.
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