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Bürgerversicherung

Hammer im Gesundheitswesen

EIN KOMMENTAR Von Christian Geinitz, Berlin
Aktualisiert am 17.02.2020
 - 21:49
Privat oder Kasse? Bei der Sprechstundenhilfe macht das einen größeren Unterschied.
Alle Jahre wieder meldet sich die Bertelsmann Stiftung mit Empfehlungen für einen Umbau der Gesundheitsfinanzierung. Ihre Rezepte sind bekannt, die Methoden ihrer Studie fragwürdig. Mit Neiddebatten kommt man in der Diskussion nicht weiter.

Ladenhüter werden nicht dadurch attraktiver, dass man sie immer wieder ins Schaufenster stellt. Eine im Auftrag der Bertelsmann Stiftung entstandene Studie zum Krankenversicherungsmarkt kommt zu dem Schluss, dass sich Milliarden sparen ließen, wenn alle Privatversicherten in die gesetzlichen Krankenkassen wechselten. Das Ergebnis ist keinesfalls neu, klingt aber solidarisch und gegen die angebliche „Zwei-Klassen-Medizin“ gerichtet. Deshalb stößt es auf den Beifall der Befürworter einer Bürgerversicherung, also der SPD, der Grünen und der Linken.

Doch die Studie hat große Mängel, schon methodisch. Die Autoren geben selbst zu, dass ihr Szenario unrealistisch ist. In der Tat: Der Zwangswechsel ist verfassungswidrig, weil er die Grundrechte der Berufs- und der Vertragsfreiheit missachtet. Er würde die Privatversicherungen als besonders freigebige Zahler im Gesundheitswesen und als wichtige Innovationstreiber ausschalten; von dieser Vorreiterrolle haben auch die Kassenpatienten in der Vergangenheit stark profitiert. Völlig unberücksichtigt lässt die Studie die Frage, was mit den riesigen privaten Rückstellungen passieren soll, welche dazu da sind, die Versorgung der Versicherten im Alter sicherzustellen.

Große Zweifel sind auch an jenen Teil der Untersuchung zu richten, der nahelegt, dass sich Ärzte in bestimmten Gegenden niederlassen, weil dort besonders viele Privatversicherte wohnen. Da mag es eine Korrelation geben, weil sich Mediziner und andere (privatversicherte) Freiberufler und Akademiker in ähnlichen Milieus bewegen. Eine wissenschaftlich überprüfbare Kausalität lässt sich aber nicht belegen.

Besser als alte Neiddebatten wiederzubeleben, wäre es gewesen, wenn die Studie die jüngsten Empfehlungen der Wissenschaftlichen Kommission für ein modernes Vergütungssystem aufgegriffen hätte. Daraus wird klar, dass sich die privaten und gesetzlichen Systeme zumindest teilweise harmonisieren lassen, dass die Preise aber weiterhin getrennt vereinbart werden sollten. Das deutsche Gesundheitswesen braucht Justierungen an verschiedenen Stellschrauben. Der Vorschlaghammer der Bertelsmann Stiftung ist aber nicht das geeignete Werkzeug dafür.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Geinitz, Christian
Christian Geinitz
Wirtschaftskorrespondent in Berlin
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