Gastland auf der Cebit

Polens nächste Revolution

Von Sven Astheimer
04.03.2013
, 10:00
Premier Donald Tusk eröffnet die Hightech-Messe am Montagabend zusammen mit Kanzlerin Angela Merkel
Der polnische Premierminister Tusk kommt persönlich zur Eröffnung der Cebit. Das zeigt, welch hohen Wert Polen der Branche und seiner Rolle als Gastland zumisst.
ANZEIGE

Um große Worte ist Cezary Augustynowicz nicht verlegen: „Die IT-Branche steht mit der Cloud-Technologie vor einem Umbruch, der vergleichbar ist mit der politischen Wende in Polen vor zwanzig Jahren.“ Das Ende des Ostblocks und den Aufbruch in die Marktwirtschaft hat der 46 Jahre alte Pole gut überstanden. Heute ist er Geschäftsführer von more7. Das Unternehmen hat er nach dem Studium gegründet, nahe Düsseldorf und in Posen liegen die beiden Standorte.

Augustynowicz will nun von der Cloud-Revolution profitieren. Im Auftrag des Internetunternehmens Google führt er in Europa dessen Firmen-Software in Unternehmen mit mehr als 750 Mitarbeitern ein. „Viele Administratoren haben die Chancen der Cloud noch nicht verstanden“, sagt er. Um die Vorzüge der neuen IT-Infrastruktur anzupreisen, ist er pausenlos unterwegs: Krakau, München, Warschau, Düsseldorf - er sehe in der neuen IT-Welt keine Grenzen mehr.

Bild: F.A.Z.

So wie Augustynowicz denken in der IT-Branche viele Polen. „Auf diesem Gebiet sind wir Weltspitze“, sagt etwa der Wirtschaftsminister Janusz Piechociński im Gespräch und verweist vor allem auf die gute Ausbildung in seiner Heimat. Mehr als 10.000 Informatiker absolvieren dort jedes Jahr die Hochschulen und kommen auf den Arbeitsmarkt. Neben den Ausbildungszentren in Krakau, Warschau und Breslau verstärken auch viele Hochschulen aus dem ländlicheren Raum ihre Angebote. Welch hohen Wert Polen der Branche und seiner Rolle als Gastland der Cebit zumisst, wird auch darin deutlich, dass zur Eröffnung sowohl Premierminister Donald Tusk als auch sein Stellvertreter und Wirtschaftsminister Piechociński anreisen werden. Polen will die große Bühne nutzen, um dem Rest der Welt zu zeigen, dass das größte der mittelosteuropäischen EU-Länder dabei ist, den Wandel vom Agrarstaat zum (Post-)Industrieland zu vollziehen.

ANZEIGE

Dafür wurde im Vorfeld schon kräftig die Werbetrommel gerührt. Auf umgerechnet 20 Milliarden Euro Umsatz im Jahr beläuft sich der gesamte polnische ITK-Markt nach Angaben von Dariusz Bogdan, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Das sei zwar weniger als ein Siebtel des deutschen (150 Milliarden Euro). „Aber unsere Dynamik ist höher“, wirbt der Politiker. Die Zahl der polnischen Aussteller auf der Cebit hat sich in diesem Jahr auf mehr als 200 verdreifacht, und Staatssekretär Bogdan vergisst nicht, darauf hinzuweisen, dass die Zahl damit über jener der deutschen Stände liegt. Der Mann aus Warschau hebt zudem hervor, dass Polen auf Platz 10 der beliebtesten Outsourcing-Länder liegt. Krakau liegt einer Studie zufolge sogar vor Peking an der Spitze der aufstrebenden Standorte. Derzeit beschäftigt die Outsourcingbranche rund 85000 Mitarbeiter. In ein paar Jahren sollen mehr als 100000 sein - mehr als im Bergbau.

Auch Michael Kern sieht auf dem polnischen IT-Markt noch großes Wachstumspotential. Vor allem IT-Dienstleistungen werden aus Sicht des Geschäftsführers der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer in Warschau stark nachgefragt werden. Zudem stehe Polen vor einem Umbau seines Energiesektors, für den IT-Technologie etwa beim Einsatz von intelligenten Stromnetzen eine Schlüsselrolle spiele. Die Polen seien ohnehin technologiefreundlich, zwei Drittel der Bevölkerung verfügten über einen Internetzugang.

ANZEIGE

Nicht zufällig habe die Telekom Polen als Startland für „My Wallet“, das bargeldlose Bezahlprogramm via Handy, gewählt. Welch hohe Bedeutung die polnische Politik dem Thema IT beimisst, zeigt sich für Kern schon an der Einrichtung eines Ministeriums für „Digitalisierung und Administration“, das in diesem Jahr rund 800 Millionen Euro aus EU-Fördermitteln in Projekte des E-Government stecken will. Damit sollen bald auch in Polen die elektronische Steuererklärung und Patientenkarte Wirklichkeit werden.

ANZEIGE
Quelle: F.A.Z.
Sven Astheimer - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Sven Astheimer
Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Kapitalanalge
Pflegeimmobilien als Kapitalanlage der Zukunft
Sprachkurse
Lernen Sie Englisch
Immobilienbewertung
Verkaufen Sie zum Höchstpreis
Zertifikate
Ihre Weiterbildung im Projektmanagement
SUV
Premium-SUVs zum Gebrauchtwagenpreis
Baufinanzierung
Erhalten Sie Ihren Bauzins in 3 Minuten
ANZEIGE