FAZ plus ArtikelCorona-Krise weltweit

Zu wenig Impfstoff für Ärmere

Von Claudia Bröll, Christoph Hein und Johannes Pennekamp
22.10.2021
, 07:38
Eine Frau in Dakar wird geimpft
Während die Zahl der Neuinfektionen in vielen ärmeren Staaten wieder steigt, bleibt die Hilfe aus den reicheren Nationen weit hinter den Imfpstoff-Versprechungen zurück. Auch Deutschland hinkt deutlich hinterher.
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An vollmundigen Ankündigungen hat es in der Corona-Krise bislang nicht gefehlt: Niemand sei sicher, bis alle sicher seien, heißt es auf internationaler Ebene immer wieder, Staaten überbieten sich mit Ankündigungen, wie viele Impfdosen sie an ärmere Länder weitergeben werden. Doch während die Zahl der Neuinfektionen auch in vielen ärmeren Staaten wieder steigt, bleibt die Hilfe aus den reicheren Nationen weit hinter den Versprechungen zurück.

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Laut einer Auswertung im Auftrag der Entwicklungsorganisation Oxfam, die am Donnerstag veröffentlicht wurde, sind derzeit lediglich 14 Prozent, oder 261 Millionen Dosen, der 1,8 Milliarden Dosen angekommen, die Europa und andere G-7-Staaten versprochen haben. „Wenn es uns nicht gelingt, den größten Teil der Weltbevölkerung zu impfen, breitet sich das Virus aus und mutiert in immer gefährlichere Form“, heißt es in der Auswertung.

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Ungeimpfte verursachen enorme Gesundheitskosten

Erwachsene Menschen, die sich noch immer nicht gegen das Coronavirus geimpft haben, gefährden nicht nur ihre eigene Gesundheit, sondern verursachen auch hohe Kosten für das Gesundheitssystem. Forscher des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) haben nun eine ungefähre Summe ermittelt: „Mit den durchschnittlichen Behandlungsausgaben, die von der AOK-Krankenkasse mit 10.200 Euro beziffert werden, ergeben sich allein für die Monate August und September 2021 bereits Ausgaben von mehr als 160 Millionen Euro für die stationäre Behandlung ungeimpfter Erwachsener“, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Berechnung. Laut der offiziellen Statistik des Robert-Koch-Instituts sind in Deutschland 66 Prozent der Deutschen vollständig geimpft.

Die IfW-Forscher befürchten, dass die durch die Ungeimpften entstehenden Kosten im Winter sprunghaft auf 180 Millionen Euro je Woche steigen werden. „Denn sollte die Impfquote auf ihrem aktuellen Stand verharren und sich die Prognose des RKI von einer 7-Tage-Inzidenz von 400 pro 100.000 Einwohnern bewahrheiten, dürften auch die Krankenhauseinweisungen drastisch zunehmen“, schreiben die Autoren.

Quelle: F.A.Z.
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Claudia Bröll
Freie Afrika-Korrespondentin mit Sitz in Kapstadt.
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Christoph Hein
Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
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Autorenporträt / Pennekamp, Johannes
Johannes Pennekamp
Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.
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