Corona-Krise in Deutschland

Bundesregierung rechnet mit BIP-Minus von 6,3 Prozent

29.04.2020
, 09:37
Die Folgen der Corona-Pandemie sind verheerend. Nun haben Forscher erfragt, wie lange die Firmen den aktuellen Zustand aushalten können. Die Ergebnisse sind von Branche zu Branche unterschiedlich. Die Reaktionen auch.

Die Bundesregierung rechnet infolge der Corona-Krise mit einer schweren Rezession in Deutschland. Sie erwartet, dass die deutsche Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt) in diesem Jahr um 6,3 Prozent sinkt, verlautete aus Koalitionskreisen. Dies wäre ein stärkerer Wirtschaftseinbruch als in der weltweiten Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren. Erst im Jahr 2022 werde nach der neusten offiziellen Prognose das Bruttoinlandsprodukt wieder das Niveau von vor der Corona-Krise erreichen.

Wie verheerend sich die Pandemie auswirkt, zeigt sich schon jetzt. Viele deutsche Unternehmen fürchten um ihre Existenz. Nach einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts können 29,2 Prozent der befragten Firmen maximal drei Monate überleben, sollten die infolge der Pandemie beschlossenen Einschränkungen noch für längere Zeit bleiben.

Bis zu sechs Monate könnten hingegen etwas mehr als die Hälfte von ihnen durchhalten dieser Erhebung zufolge, nämlich 52,7 Prozent. „Das sind beunruhigende Zahlen, die auf eine kommende Pleitewelle hindeuten“, erklärte Ifo-Forscher Klaus Wohlrabe.

„Etwas stabiler ist die deutsche Industrie“

Besonders kritisch ist die Lage im Einzelhandel: Hier gehen 44,9 Prozent davon aus, maximal drei Monate durchhalten zu können. 63,2 Prozent sehen sich dazu für höchstens ein halbes Jahr in der Lage.

„Etwas stabiler ist die deutsche Industrie“, erläuterte Wohlrabe. Jede vierte Firma hat Kraft für ein Vierteljahr. Nach einem halben Jahr müsste fast jedes zweite Industrieunternehmen aufgeben.

„Der Bau zeigt sich derzeit am robustesten“, betonte Wohlrabe. 20,4 Prozent der Unternehmen halten ein Vierteljahr oder weniger durch, 45,4 Prozent ein halbes Jahr. Bei den Dienstleistern haben 31,3 Prozent ein Vierteljahr oder weniger bis zum Aus, 56 Prozent ein halbes Jahr.

Angesichts der dramatischen Situation haben mehrere Wirtschaftsverbände ein klares Signal für ein zügiges Wiederanfahren der Wirtschaft gefordert. In einem Schreiben an Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) heißt es: „Jede Woche, die der Lockdown weiter andauert, kostet die deutsche Volkswirtschaft einen mittleren zweistelligen Milliardenbetrag an Wertschöpfung.“ Keine Volkswirtschaft der Welt könne dies über Monate aushalten, ohne nachhaltigen Schaden und auch erhebliche Wohlstandsverluste hinzunehmen. „Die Unternehmen erwirtschaften gemeinsam mit ihren Mitarbeitern die notwendige finanzielle Grundlage, ohne die unser Staat nicht überlebensfähig ist.“

Das Schreiben der Verbände – darunter der Hotel- und Gaststättenverband, der Handelsverband, der Gesamtverband der Textil- und Modeindustrie und der Außenhandelsverband, liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Sie wenden sich darin „in tiefer Sorge“ um das Fortbestehen der Unternehmen an Bund und Länder. „Seit Mitte März befindet sich die deutsche Wirtschaft in einer katastrophalen Ausnahmesituation.“ Die Verbände warnen vor einer Verschiebung von Entscheidungen über weitere Lockerungen auf kommende Woche.

„Die Angst in den Unternehmen vor dem Untergang schlägt in tiefe Verzweiflung und mitunter auch in Fassungslosigkeit um, wenn existenzielle Entscheidungen im Wochentakt vertagt werden“, heißt es. „Für viele mittelständische Unternehmen schlägt die Stunde der Entscheidung, ob sie noch hoffen können oder die Reißleine ziehen müssen. Die derzeitige Perspektivlosigkeit und das völlige Fehlen jeglicher Planbarkeit ersticken unternehmerische Kreativität und Zuversicht. So kann und darf es nicht weitergehen.“

Quelle: FAZ.NET/Reuters
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