FAZ plus ArtikelAngst vor Coronavirus

Warum Panik Leben rettet

Von Winand von Petersdorff, Washington
Aktualisiert am 08.03.2020
 - 21:59
Medizinisches Personal in Schutzanzügen ruht sich vor einer Testklinik in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul aus.
Das Coronavirus zwingt zu außergewöhnlicher Entschlossenheit. Längst ist nicht klar, ob die Anstrengungen der westlichen Länder ausreichen. Zwar wird Panik als Reaktion schlecht geredet – doch sie wird geradezu zur Bürgerpflicht. Eine Analyse.

Im Jahr 2017 twitterte der Reality-TV-Superstar Kim Kardashian eine berühmt gewordene Statistik. Der zufolge werden im Jahresschnitt zwei Amerikaner Opfer eingewanderter islamistischer Terroristen. Gleichzeitig werden jedes Jahr 69 Menschen von ihrem Rasenmäher umgebracht. Die Terrorgefahr sollte nicht übertrieben werden, war die politische Stoßrichtung des Tweets. Er wurde von der britischen Royal Statistical Society 2017 als „Internationale Statistik des Jahres“ gekürt, weil er ein erhellendes Licht auf die wahren Lebensrisiken und die damit verbundenen Missverständnisse werfe. Er passte gut in die Zeit: Die Trump-Regierung hatte ein Einreiseverbot für Menschen aus überwiegend islamischen Ländern verhängt.

Leider unterlag die Statistik-Gesellschaft einem fundamentalen Missverständnis, den der Londoner Professor für Computer-Wissenschaft Norman Fenton aufspießte. Er zeigte: Die Risiken sind schlicht nicht vergleichbar. Jedes Jahr kommen zwar Menschen durch Rasenmäher um, aber es gibt keinen Mechanismus, der diese Anzahl plötzlich in die Höhe schießen lässt, wenn man nicht groteske Annahmen macht. Der Rasenmäher will den Menschen nicht umbringen.

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Quelle: F.A.Z.
Winand von Petersdorff-Campen - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitun
Winand von Petersdorff-Campen
Wirtschaftskorrespondent in Washington.
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