Corporate Raider

„Aufteilung“ statt „Zerschlagung“ - die Strategie von WCM

20.06.2002
, 19:56
WCM-Vorstandschef Roland Flach
FAZ.NET sprach mit dem WCM-Chef Flach über Corporate Raider und die Strategie von WCM bei der Suche nach lukrativen Beteiligungen.

Die WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG ist das Investmentvehikel des Hamburger Milliardärs Karl Ehlerding. Das Unternehmen kauft unterbewertete Unternehmen und verkauft ihre Einzelteile gewinnbringend weiter. Während sich Großaktionär Ehlerding im Hintergrund aufhält, ist Vorstandschef Roland Flach für das Tagesgeschäft zuständig. FAZ.NET sprach mit dem Manager über Corporate Raider und die Strategie von WCM bei der Suche nach lukrativen Beteiligungen.

Herr Flach, noch vor einigen Jahren ging man davon aus, dass amerikanische Finanzinvestoren kräftig an der Entflechtung der Deutschland AG mitarbeiten würden. Wo bleiben die „Corporate Raider“? Sind die Bedingungen für Amerikaner so unattraktiv?

Das würde ich nicht sagen, es gibt schließlich eine ganz Reihe von amerikanischen Investoren in Deutschland. Aber natürlich ist die Mitbestimmung etwas, dass die Amerikaner nur schwerlich verstehen können. Als solches ist es eher ein Mittel zur Abschottung als zur Förderung von internationalen Besitzverhältnissen. Hinzu kommt, dass viele Amerikaner sehr stark in ihrem eigenen Land verwurzelt sind. Es sind eher die Firmen, die sich aus strategischen Gründen, also zur Expansion, an ausländischen Unternehmen beteiligen.

Ist WCM ein Corporate Raider?

Dritte werden uns so bezeichnen. Wir selbst betrachten uns nicht als Raider. Im Beteiligungssektor haben wir reine Finanzbeteiligungen und unternehmerische Beteiligungen - also Beteiligungen bei denen wir unternehmerischen Einfluss ausüben.

In Deutschland ist der Begriff hingegen eher stigmatisiert, weil man gleich an das Zerschlagen von Konzernen und Massenentlassungen denkt.

Eindeutig. Wobei ich ja schon den Begriff des „Zerschlagens“ ablehne. Das ist eher was aus Filmen wie „Pretty Woman“, wo Richard Gere einen Finanzhai spielt, der ein Unternehmen zerschlägt, ganz viele Leute entlässt und am Ende als Einziger viel Geld verdient hat. Das habe ich noch nie so erlebt. Wenn man ein Unternehmen aufteilt, dann hat man auch einen guten Grund dafür. In der Regel entstehen dabei auch neue Arbeitsplätze, weil viele neue Kreativität bei den Managern frei gesetzt wird, die froh sind, in einem neuen Unternehmen arbeiten zu können. Wir haben bislang keinen einzigen Betrieb zugemacht und meistens waren nach einer Aufteilung mehr Arbeitsplätze vorhanden als zuvor.

Im übrigen halte ich es für positiv, wenn Konglomerate aufgeteilt werden und neue Unternehmen entstehen. Es steht nirgendwo geschrieben, dass Unternehmen alle in der gleichen Form möglichst über mehrere Jahrhundert erhalten bleiben müssen.

Sie halten generell nicht viel von Mischkonzernen.

Bestimmte Konfigurationen von Mischkonzernen mögen ihren Sinn haben - etwa in der Risikoverminderung. Hinsichtlich der Fokussierung von Unternehmen hat es aber keinen Sinn. Wenn ein Unternehmen strategisch auf eine Branche ausgerichtet ist, dann sollte es sich in dieser Branche richtig auskennen und sich nicht mit vielen anderen befassen.

Wie würden Sie Ihre Strategie bei Beteiligungen charakterisieren?

Wir investieren grundsätzlich nur in börsennotierte Unternehmen, die bundesweit bekannt und unterbewertet sind. Dabei sind wir völlig branchenunabhängig, wir legen uns da bewusst nicht fest. Wenn Sie zu sehr auf eine Branche fixiert sind, können sie nicht mehr nach links oder rechts schauen. Wir machen uns Gedanken, wie man aus einem Unternehmen mehr machen kann, wenn wir es erworben haben. Das bedeutet, das eine Aufteilung stattfinden kann, wenn es sich um ein Konglomerat handelt. Wenn bestimmte Dinge nicht dazu passen, dann müssen sie eben auch verkauft werden.

Warum müssen es bekannte Namen sein?

Wenn Sie über die Kurse etwas bewegen wollen, dann müssen Dritte die Unternehmen kennen. Wenn es sich um unbekannte Namen handelt, dann können Sie das nicht voraussetzen, und es passiert gar nichts an der Börse.

Am Neuen Markt gibt es auch einige bekanntere Namen. Haben Sie dort jemals eine Beteiligung erwogen?

Ich würde die eher anders als bekannt bezeichnen. Wir wollen ja keine Turnarounds durchführen, sondern sind an Unternehmen interessiert, die Gewinne vorweisen können. Da kenne ich am Neuen Markt nur wenige.

Wie sieht das Verhältnis zu ihrem Mehrheitsaktionär Karl Ehlerding aus?

Sein Einfluss auf das Tagesgeschäft ist gleich null. Er war nie im Tagesgeschäft tätig und will es auch nicht sein. Herr Ehlerding ist sicherlich ein erstklassiger Fachmann des gesamten Börsenmarktes. Bei unseren Transaktionen trifft er mit uns gemeinsam die letztendlichen Entscheidungen.

Wenn er so ein gutes Händchen hat, dann wäre es doch naheliegend, auch mal über die Grenzen Deutschlands hinaus nach Gelegenheiten zu suchen.

Wir kennen den deutschen Aktienmarkt, die anderen Märkte kennen wir nicht. Allerdings sind die Firmen, an denen wir beteiligt sind, auch jenseits der deutschen Grenzen tätig. Es ist natürlich auch eine Frage des Kapitals, das ihnen zur Verfügung steht. Unsere Möglichkeiten sind nicht unbegrenzt.

Das Gespräch führte Jens Meyer

Quelle: @mey
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