Corporate Raider

Die Finanzhaie fangen an zu beißen

17.06.2002
, 10:00
Inbegriff des Finanzhais - Gordon Gekko (Michael Douglas)
Die Entflechtung der Deutschland AG soll auch ausländische Finanzinvestoren anziehen. Doch noch halten sich die Corporate Raider zurück.
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Ihren unbestreitbaren Höhepunkt erlebten die amerikanischen Großinvestoren Mitte der 80er Jahre, als selbst die Traumfabrik Hollywood die Finanzgenies der Wall Street ehrte. Als Gordon Gekko verkörperte Michael Douglas in „Wall Street“ den Paradetypen der damaligen Finanzhais - glatt wie ein Aal, eisenhart und jeden Kontakt ausnutzend, um sein eigenes Bankkonto um mehrere Millionen Dollar zu bereichern.

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Der Investor kaufte sich so zu sagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit in ein unterbewertetes Unternehmen ein. Kontinuierlich erhöhte er sein Aktienengagement, so dass er am Ende ein solches Gewicht inne hat, um Entscheidungen des Vorstandes bezüglich der Firmenpolitik zu seinen Gunsten beeinflussen zu können. Hierbei zeigte sich, dass der Investor vor allem eins im Auge hatte: wie kann der Wert des Unternehmens erhöht werden, um mit einem größtmöglichen Gewinn wieder aussteigen zu können.

Finanzinvestoren bringen frischen Wind

Unpopuläre Maßnahmen wie der Verkauf unrentabler Geschäftsfelder beziehungsweise die Filetierung eines Konzerns waren hierbei mehr die Regel als die Ausnahme. Nach getaner Arbeit verkaufte der Investor sein Anteilspaket zumeist zu einem wesentlich höheren Preis, denn in der Regel wurde und wird das Engagement eines großen Investors von steigenden Aktienkursen begleitet. Ein Gewinn von mehreren Millionen Euro ist dabei keine Seltenheit.

Mit Spannung und Hochachtung beobachtete man in Deutschland das Treiben jener Finanzgenies, die als Grenzen nur ihren eigenen Willen kannten. In den Augen von „good, old Germany“ war das jedoch Amerika und somit auch Ausdruck eines sehr freien, liberalen und gleichzeitig vollkommen anderen Wirtschaftssystems. Doch 20 Jahre nach dem Erfolg von „Wall Street“ drehen sich die Räder auch in Deutschland anders. „Das Engagement eines großen, namhaften Investors wird in fast allen Fällen positiv honoriert. Frischer Wind in den Vorstandetagen und die damit verbunden neue Fantasie treiben die Kurse in die Höhe“, bestätigt ein Finanzmarktexperte.

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Die neue Generation

Doch Finanzinvestoren im Stile eines Gordon Gekko haben ausgedient. Nur wenige wie Guy Wyser-Pratte oder Kirk Kerkorian haben sich halten können. Anders als im Amerika der achtziger Jahre, in dem so genannte Asset Stripper wie Kirk Kerkorian oder Carl Icahn Unternehmen durch feindlichen Übernahmen beherrschten und auf Kosten tausender Arbeitsplätze „gesund sanierten“, gehen die deutschen Beteiligungsgesellschaften auf Schmusekurs mit den Objekten ihrer Begierde. Das Ende der feindlichen Firmenjäger kam, als die gejagten Vorstände die Arbeit der Jäger übernahmen und ihre Firmen selbstständig umbauten und restrukturierten.

Firmen wie die Allianz Capital Partners, eine Tochter des Münchener Versicherungsriesen, oder die Beteiligungsgesellschaft WCM gehören zum neuen Bild der Buy-Out-Spezialisten. Sie wollen ein friedliches Miteinander mit den Vorständen des Übernahmekandidaten und keinen Hollywoodkrimi wie „Wall Street“.

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Doch noch hinkt Deutschland im Rennen um internationale Investoren hinterher. Mitte 2001 befanden sich lediglich 18 Prozent aller deutschen Aktien in den Händen ausländischer Investoren. Die Festung Deutschland, wie vor allem in der amerikanischen Presse immer wieder zu lesen, hat ihre Pforten trotz neuer Regeln und Bestimmungen noch nicht weit genug geöffnet.

Die Hochfinanz wartet auf das Ende der Deutschland AG

Ein unzureichendes Übernahmegesetz sowie Regeln und Gesetzesvorschriften, die vor allem dem Schutz deutscher Unternehmen und zur Verteidigung gegen ausländische Großinvestoren dienen sollen, schrecken noch viele Finanzhaie vor einem Engagement in Deutschland ab. Selbst in Deutschland ist das seit dem 1. Januar 2002 geltende neue Übernahmerecht nicht unumstritten.

In einer Studie der Deutschen Bank begrüßen die Finanzexperten zwar das neue Gesetz, finden aber an den zulässigen Akquisitionsabwehrmaßnahmen wenig gefallen. „Auf diese Regelungen hätte verzichtet werden können.“ Und auch die mit den neuen Regelungen verknüpfte Hoffnung die viel beschworenen Deutschland AG entflechten zu können, hat sich bis jetzt nicht bewahrheitet.

Zwar werden Gewinne aus Verkäufen von Firmenbeteiligungen steuerlich nicht mehr belastet, doch der erhoffte positive Effekt auf die bis zur Unkenntlichkeit verknüpfte Deutschland AG ist auch nach Ansicht von Finanzexperten bisher noch nicht zu erkennen. Doch noch ist nicht aller Tage Abend, denn auch die Finanzexperten sind sich bewusst, dass die Entflechtung der Deutschland AG Jahre, wenn nicht sogar ein ganzes Jahrzehnt dauern kann.

Quelle: @mada
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