Corporate Raider

Vom Aktionärsschreck bis zum Strategen

Von Markus Dankert
19.06.2002
, 13:44
Die Strategien der Raider
Die Jagd auf gewinnbringende Investments hat längst begonnen. Doch nicht bei jedem Unternehmer stößt der milliardenschwere Investor auf Gegenliebe.
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Von Land zu Land hat der Trend, sich finanzstarke Investoren ins Boot holen zu wollen, mittlerweile fast alle Bereiche des Wirtschaftslebens ergriffen. Doch es gibt gravierende Unterschiede in den Strategien der einzelnen Investoren.

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Generell lassen sich drei unterschiedlichen Arten von Finanzinvestoren ausmachen, die sich in ihrer Absicht der Geld- und Mehrwertschöpfung im Grunde zwar nur marginal unterscheiden, die jedoch mit Blick auf ihre Herangehensweise stark differieren.

Der Aktionärsschreck

Die von Seiten der Unternehmer mit Abstand gefürchtesten Investoren sind jene im Stile eines Guy Wyser-Pratte. Ihr Anteil an einem in ihren Augen unterbewerteten Unternehmen überschreitet zwar nur in den seltensten Fällen die zehn bis 15 Prozentmarke, doch sorgen sie mit ihren spektakulären Auftritten auf den Hauptversammlungen für Aufregung.

Ihre Vorgehensweise ist in der Regel daraufhin ausgelegt, die Konzernleitung mit Forderungen nach Restrukturierung oder der Abspaltung von unrentablen Geschäftsfeldern unter Druck zu setzen. Unterstützung finden diese Investoren zumeist in den Reihen der anderen Aktionäre, da die Rufe nach Umbau und Restrukturierung des Konzerns von Seiten der Börse mit zum Teil kräftig steigenden Aktienkursen begleitet wird. Ob ihre Forderungen am Ende wirklich in die Tat umgesetzt werden, spielt für diese Art Kapitalgeber hingegen eine untergeordnete Rolle.

Denn ihr Hauptziel, ihr finanzielles Engagement möglichst gewinnbringend zu versilbern, ist mit den steigenden Aktienkursen bereits verwirklicht worden. Beim Verkauf ihres Aktienpaketes können Investoren wie Wyser-Pratte meist kräftige Gewinne auf ihrem Konto verbuchen.

Die Macher

Anders als Finanzinvestoren wie Wyser-Pratte hat diese Art Kapitalgeber neben dem finanziellen auch ein unternehmerisches Interesse. Zwar liegt auch bei Investoren wie Martin Ebner und Beteiligungsgesellschaften wie WCM das Hauptinteresse in der Vermehrung ihres eingesetzten Kapitals, doch steht bei ihnen auch der unternehmerische Erfolg hoch im Kurs.

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Ihre Beteiligung an einem Unternehmen hat zumeist gravierende Auswirkung auf die Struktur eines Konzerns. Doch versuchen sie nicht auf Hauptversammlungen und Generalversammlungen ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, sondern wollen in den entscheidenden Gremien innerhalb eines Unternehmens ein gewichtiges Wort innehaben. Denn genau an diesen Machtzentren eines Konzerns können sie ihre Vorstellungen über die Zukunft einer Firma wesentlich effizienter umsetzen. Ihr Engagement endet meist mit der Umsetzung der angestrebten Reformen.

Diese Art Investoren als Unternehmensstrategen zu betrachten wäre jedoch unpassend. Denn in der Realität steht auch bei ihnen allein die Vermehrung des eingesetzten Kapitals im Vordergrund. Und hierfür nutzen diese Finanzprofis jede sich bietende Möglichkeit für einen günstigen Ausstieg - oft ohne Rücksicht auf die Interessen des Unternehmens oder seiner Belegschaft.

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Die Unsichtbaren

Bei ihnen stehen weder spektakuläre Auftritte auf Hauptversammlungen noch konkrete Vorschläge zur Zukunft des Unternehmens auf der Agenda. Ihr Engagement in ein subjektiv unterbewertetes Unternehmen ist rein finanziell. Sie kaufen sich in optisch billige Aktien ein und hoffen auf steigende Kurse. Ihre Macht, Kurse zu bewegen, dürfte sich hierbei vor allem über den Bekanntheitsgrad der Investoren definieren. Steigt eine Ikone wie Warren Buffett ein, werden viele andere private Aktionäre diesem Schritt folgen, da sie auf die Erfahrung und das Gespür für gewinnbringende Investitionen des Börsengurus setzen.

Quelle: @mada
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