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Arm, aber sexy?

Metropole Ruhr will zu einem „neuen Berlin“ werden

Von Jonas Jansen
Aktualisiert am 27.02.2020
 - 08:43
Werbemotiv für die Imagekampagne im Ruhrgebietzur Bildergalerie
Der Regionalverband Ruhr wirbt mit günstigem Wohnraum und einer dichten Hochschullandschaft. Direkt in Berlin läuft eine Kampagne, um Studenten zum Umzug zu bewegen.

Durch Berliner Stadtteile wie Prenzlauer Berg fährt derzeit ein Lastwagen mit einer eindeutigen Botschaft: „Schwaben rein“, steht darauf. Sie spießt den Unmut vieler Berliner über den Zuzug der Schwaben auf. Ein anderes Exemplar ist vor der Humboldt-Universität geparkt und neckt die vom Berliner Wohnungsmarkt geplagten Studenten damit, dass die Hunderttausenden Studierenden im Ruhrgebiet alle eine Wohnung hätten. Losgeschickt hat die Wagen der Regionalverband Ruhr, der sich vorgenommen hat, die Heimatregion zu einem „neuen Berlin“ zu machen. Was nach Größenwahn klingen mag, hat der Regionalverband untersuchen lassen und sieht sich durch die Ergebnisse bestärkt.

Der „günstigste Wohnraum“, die „dichteste Hochschullandschaft“ und ein „besonders vielfältiges Kulturangebot“ machten die Metropole Ruhr zum legitimen Nachfolger Berlins in puncto Coolness für Unternehmen und Talente. Die wirtschaftlichen Potentiale bildeten die „Grundlage für den nächsten großen Entwicklungssprung der Region“, schreiben die Studienautoren. Die Studie mit dem nicht ganz neutralen Namen „Auf dem Weg zu einer starken Region: Zukunftspotentiale der Metropole Ruhr“ hat der Regionalverband beim Institut für deutsche Wirtschaft (IW) in Auftrag gegeben.

Sie liegt der F.A.Z. vorab vor, an diesem Donnerstag wird sie in Bochum auf dem ehemaligen Gelände des Opel-Werks vorgestellt, wo sich neben großen Unternehmen wie DHL und Start-ups aus der Bochumer Universität inzwischen auch Forschungseinrichtungen angesiedelt haben. Das Mark-51-Gelände soll damit auch für den Strukturwandel einer Region stehen, die in den vergangenen Jahrzehnten eher weniger mit positiven Impulsen aufgefallen ist.

Das Ruhr-Forschungsinstitut für Innovations- und Strukturpolitik (RUFIS) hat in der Studie erstmals Regionen und ihre Potentiale verglichen und damit herausfinden wollen, wie die Metropole Ruhr im Vergleich zu den sieben großen deutschen Wirtschaftsregionen von München über das Rhein-Main Gebiet bis nach Hamburg dasteht.

Der Ist-Zustand ist mau: Von den untersuchten Regionen hat die Metropole Ruhr das geringste Bruttoinlandsprodukt je Einwohner, es liegt ein Viertel unter dem Durchschnitt des Testfelds. Am höchsten ist hingegen die Arbeitslosenquote von 9,2 Prozent, sie liegt fast vier Prozentpunkte über dem Durchschnitt. Vergleichsweise wenige Menschen arbeiten in der Region zudem in der Forschung und Entwicklung, kümmern sich also um die Zukunft.

Doch den Rückstand identifizieren die Studienautoren als Potential. Vor Jahrzehnten hätte auch niemand Brooklyn als interessantes Stadtgebiet bezeichnet, heute profitierten all jene, die besonders früh investiert hätten. Wer sich also vom Abschied der Braunkohle, der Schwäche der Stahlindustrie und den Stellenstreichungen von einstigen Riesen wie Karstadt und Kaufhof nicht abschrecken lässt, könne den Strukturwandel mitgestalten.

Große Chancen sieht die Studie in den niedrigen Preisen für Wohnraum, egal ob es um Miete oder Eigentum geht, und darin, dass es besonders viele Hochschulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen gibt. Was etwa die Absolventen in den naturwissenschaftlichen MINT-Fächern angehe, könne die Region mit Stuttgart oder München mithalten. Forschungseinrichtungen wie das Horst Görtz Institut für IT-Sicherheit, das an der Bochumer Universität angesiedelt ist, zeigten die enge Verbindung zur Wirtschaft. Aus dem Forschungsinstitut sind mehrere IT-Sicherheits-Start-ups entstanden, außerdem arbeiten sie mit Partnern von großen Konzernen zusammen.

Strukturwandel der Region

In der Werbewirkung schwierig hingegen dürften die ganzen unterschiedlichen Bezeichnungen werden, weil sich Ruhrgebiet, Ruhrstadt und Metropolregion Rhein-Ruhr eben alle sehr ähneln und doch nicht das Gleiche bezeichnen. Mit der Metropole Ruhr versucht der Regionalverband seit einigen Jahren weiteres Standortmarketing zu betreiben. In den vier Kreisen und elf Städten der selbsternannten Metropole Ruhr leben 5 Millionen Menschen. Vom Kreis Wesel im Osten bis Hamm im Westen und dem Ennepe-Ruhr-Kreis im Süden schließt diese Bezeichnung auch Städte wie Duisburg, Gelsenkirchen, Essen und Dortmund ein.

In einer Befragung von 500 Unternehmen in der Region sehen fast drei Viertel die Chance zum Wandel zu einer dynamischeren Wirtschaftsregion. Die These, dass sie dem Berlin der nuller Jahre ähnelt, finden aber viele zu gewagt. Dieser Einschätzung stimmt nur gut jeder Zweite zu. Vielleicht ändert sich das, wenn mehr Schwaben zuziehen

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Jansen Jonas
Jonas Jansen
Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.
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