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Deutsche Industrie alarmiert

Das große Dilemma im Umgang mit China

Von Alexander Armbruster
 - 12:34

Was bedeutet der rasante wirtschaftliche Aufstieg Chinas für Deutschland? Drei Zitate zeigen das ganze Dilemma. „In den nächsten Jahrzehnten wird das Machtzentrum der Automobilindustrie in China sein“, sagte der Volkswagen-Vorstandsvorsitzende Herbert Diess zu Beginn dieser Woche in Peking. „Zwischen unserem Modell einer liberalen, offenen und sozialen Marktwirtschaft und Chinas staatlich geprägter Wirtschaft entsteht ein Systemwettbewerb“, steht in einem brisanten Positionspapier des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). „Man muss immer bedenken, dass China unser wichtigster Handelspartner ist – jedes Wort muss man da auf die Goldwaage legen“, kritisiert Volker Treier, der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), genau dieses Papier.

Die Gemengelage – das zeigt sich daran – ist hochkompliziert. Schon länger beschweren sich deutsche Unternehmer über mangelnden Marktzugang im Reich der Mitte und strikte Auflagen der chinesischen Regierung. Und ihre Kritik ist berechtigt: Chinesische Unternehmen dürfen in Deutschland und Europa mehr tun als umgekehrt, auch wenn sich in der Frage der Mehrheitsbeteiligungen jüngst etwas getan hat.

Genauso richtig ist auch der Verweis darauf, dass sich der chinesische Staat viel stärker in die Wirtschaft einmischt als der deutsche oder der britische, französische oder amerikanische. Er fördert mit gewaltigen Summen und machtvollen Regeln Wirtschaftszweige, die nach Ansicht der Führung in Peking bedeutend sind.

900.000 Arbeitsplätze

Das wohl bekannteste Beispiel: Die chinesischen Internetunternehmen Alibaba, Baidu und Tencent sind auch deswegen so groß geworden, weil die amerikanischen Wettbewerber aus dem Silicon Valley im Reich der Mitte wichtige Dienste nicht anbieten dürfen. Schließlich sind die Unterschiede im politischen System eklatant: Den freiheitlichen Demokratien im Westen steht in China eine Ein-Parteien-Diktatur gegenüber, die mit Menschenrechten und dem hierzulande garantierten Recht auf freie Meinungsäußerung ganz anders umgeht.

Wahr ist aber ebenfalls: Bislang haben deutsche Unternehmen auch unter den bestehenden Bedingungen prächtig verdient, allen voran die Autohersteller. Das gilt nicht nur für Volkswagen, sondern auch für Daimler und BMW. Die Chinesen mögen deutsche Autos. Und deutsche Maschinen auch. 900.000 Arbeitsplätze in Deutschland hängen von der Ausfuhr nach China ab, rechnet DIHK-Fachmann Treier nun abermals vor. Viel Geld investiert in eigene Produktion haben deutsche Unternehmen in China gleichfalls.

Dorn im Auge

Was sich verglichen mit der Zeit vor zehn oder zwanzig Jahren verändert hat und nicht nur in Europa, sondern auch in den Vereinigten Staaten Sorgen auslöst (über das Wirtschaftliche hinaus), ist der technische Fortschritt in China. Das Land ist längst eben nicht mehr bloß „Werkbank der Welt“ für eher einfache Produkte. Es dingt zunehmend in Bereiche ein, die anspruchsvoller sind und lange Zeit die Domäne der Unternehmen aus den (alten Industrieländern) waren.

Stichwort Künstliche Intelligenz: Peking möchte China innerhalb eines Jahrzehnts zur maßgeblichen Nation des Planeten in dieser Technologie machen – und stellt dafür erheblich Summen bereit. Ebenfalls ein Dorn im Auge der Amerikaner und Europäer ist die Industriestrategie „Made in China 2025“. Im Wirtschaftsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China geht es gerade auch darum.

Einerseits ist das Ansinnen des BDI nachvollziehbar, genauer hinzusehen, welches chinesische Unternehmen (nur) aufgrund staatlicher Hilfe auf dem europäischen Markt wettbewerbsfähig sein oder ein europäisches Technologieunternehmen übernehmen kann. Andererseits, und daran würden auch neue Investitionskontrollen nichts ändern, ist die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung und ein damit einhergehender wachsender Einfluss Pekings auch im Politischen kaum aufzuhalten, sollte das ein Ziel sein.

Um das zu verstehen, reicht einfache Arithmetik. Etwas weniger als 17.000 Dollar groß ist die nach Kaufkraft kalkulierte chinesische Wirtschaftsleistung je Einwohner – deutlich weniger als die ungefähr 60.000 Dollar, die derzeit im Durchschnitt auf einen Amerikaner entfallen. Weil Chinas Wirtschaft schneller wächst als die amerikanische und den 1,3 Milliarden Chinesen ungefähr 330 Millionen Amerikanern und etwas mehr als 500 Millionen Europäer gegenüber stehen, dürfte klar sein: Dass China eine noch viel bedeutendere Wirtschaftsregion auf der Welt werden wird und diese Größe entsprechend ausspielen kann, ist nur eine Frage der Zeit.

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Nachrichtenagentur in China
Nachrichtensprecher mit künstlicher Intelligenz

Quelle: FAZ.NET
Alexander Armbruster
Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.
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