Amerika statt Russland

Grenell will Europa Flüssiggas verkaufen

Aktualisiert am 13.09.2018
 - 11:52
Der Flüssiggastanker „Arctic Voyager“ im Hafen von Rotterdam.
Amerika kritisiert Europa dafür, dass es sein Gas aus Russland bezieht. Dabei haben die Amerikaner ein handfestes Eigeninteresse: Sie wollen Flüssiggas verkaufen. Nun wirbt der Botschafter.

Der amerikanische Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, wirbt für mehr Lieferungen von verflüssigtem Erdgas aus Amerika nach Europa. Es gehe darum, die amerikanischen Erdgasvorkommen „zur Förderung der Energievielfalt in der EU zu nutzen, um so ihre Energiesicherheit zu stärken“, schrieb Grenell in einem gemeinsamen Gastbeitrag mit Amerikas stellvertretendem Energieminister Dan Brouillette im „Handelsblatt“. „Die USA sind in der Lage zu liefern, und die Deutschen und Europäer würden davon profitieren.“

Die technische Kompetenz im amerikanischen Öl- und Gassektor sorge für mehr Effizienz bei der Förderung von Erdgas und der Umwandlung in Flüssiggas. „Wir stehen voll und ganz hinter dem westlichen Wirtschaftssystem und sind bereit, den europäischen Energiebedarf zu decken und uns im Wettbewerb mit anderen, undurchsichtigeren Versorgern zu behaupten“, heißt es in dem Beitrag.

Grenell nannte dabei Russland nicht beim Namen, spielte jedoch offensichtlich darauf an. Europa bezieht aktuell einen Großteil seines Erdgases aus Russland. Die Trump-Regierung in Amerika hatte in der Vergangenheit etwa mehrfach scharf gegen die im Bau befindliche neue Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 protestiert, die Deutschland mit russischem Gas versorgen soll. „Letztlich wird der Markt bestimmen, aus welchen Quellen Energie bezogen und wie sie genutzt wird“, schrieb Grenell weiter. Der öffentliche Sektor könne als Katalysator dienen, wie Flüssiggas entwickelt und vertrieben werden könne.

Die Vereinigten Staaten hatten zuletzt mehrfach Druck mit dem Ziel gemacht, dass Europa amerikanisches Flüssiggas („liquified natural gas“, LNG) kaufen solle. Präsident Donald Trump und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hatten sich im Juli zur Beilegung des Handelsstreits für höhere LNG-Exporte Amerikas nach Europa ausgesprochen.

Quelle: bth./Reuters
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