Kampfansage an China

Australien liefert mehr Seltene Erden nach Amerika 

Von Christoph Hein, Singapur
Aktualisiert am 15.10.2019
 - 07:41
Transportschiff des Bergbaukonzerns Rio Tinto im australischen Gove, auch bekannt als Nhulunbuy
70 Prozent aller Metalle für Akkus und Handys kommen aus China. Doch die Sorge vor der Abhängigkeit wächst. Nicht nur für Amerika könnte Australien in die Bresche springen.

Australien und die Vereinigten Staaten arbeiten an einem umfassenden Abkommen, das die Abhängigkeit von China bei der Versorgung mit Seltenen Erde weitgehend ausschalten soll. Sie sind Grundbestandteile von Akkus, Mobiltelefonen aber auch Feuerleitsystemen von Waffen. China ist der mit Abstand größte Lieferant der Rohstoffe. Angesichts der Verwerfungen mit Amerika wächst seit Monaten die Sorge, Peking könne seine Position nutzen und die Lieferungen einschränken. China steht für rund 70 Prozent der Weltversorgung. Australien besitzt zumindest 14 der 35 Sorten Seltener Erde, die Amerika braucht.

„Die Konzentration all dieser Märkte könnte ein Risiko für die Sicherheit und Bezahlbarkeit der Versorgung mit diesen kritischen Mineralien sein“, warnte der australische Bodenschatzminister Matt Canavan. Sein Land ist zu sehr großen Teilen von der Ausfuhr von Rohstoffen und landwirtschaftlichen Gütern nach China abhängig. Ein Ausweiten des Marktes deutet sich auch bei der angedachten Versorgung Europas mit Wasserstoff ab, über die gerade intensive Gespräche laufen.

„Wir sind in Australien in der glücklichen Lage, eine großartige Rohstoffindustrie zu haben. Also werden wir unser Bestes geben, diese Märkte zu entwickeln. Sie sind für die modernen Volkswirtschaft sehr wichtig“, sagte Canavan. Er habe auch mit Japan und Südkorea, Chinas natürlichen Widersachern in der Region, über die Versorgung mit Seltenen Erde gesprochen.

Umstrittene Offenheit

Das Verhältnis mit seinem Großkunden China ist in Australien schon jetzt angespannt. Innenminister Peter Dutton kritisierte gerade erst digitale Angriffe aus China, den Diebstahl geistigen Eigentums durch Festlandchinesen und die Unterdrückung der freien Rede. Mit der Kommunistischen Partei in Peking ging er hart ins Gericht. Deren Werte stimmten nicht mit denjenigen der Australier überein.

Dutton forderte eine „offene Debatte“ über die Neue Seidenstraße, Chinas weltumspannendes Infrastrukturprojekt, über die Expansion im Südchinesischen Meer und die Einflussnahme über chinesisches Militär und Entwicklungshilfe im Indo-Pazifik. Duttons Einlassungen sorgten für einen Sturm der Entrüstung bei den Festlandchinesen.

Pekings Botschaft in Canberra bezeichnete die Bemerkungen als „Anti-China Rhetorik“, die einen „bösartigen Zug“ trage. Sie seien eine „offene Provokation des chinesischen Volkes“. Auch in Australien selbst, wo festlandchinesische Studenten zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden sind, war Duttons Offenheit umstritten. Die Opposition warnt davor, es sich mit dem Großkunden China restlos zu verderben.

Quelle: FAZ.NET
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Christoph Hein
Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
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