FAZ plus ArtikelErfolg in Fernost

Weshalb China zu Daimlers erster Heimat werden kann

Von Hendrik Ankenbrand, Schanghai
23.09.2020
, 06:33
Der Autohersteller Daimler ist in keinem anderen Land so erfolgreich. Dafür sollen die Stuttgarter den Chinesen noch mehr Macht einräumen – und einen zweiten Großaktionär aus China akzeptieren.

Im prachtvollen Speisesaal des Wanda-Hotels in Wuhan zeigt sich der junge chinesische Diplomat zufrieden mit Deutschland. Die deutschen Autohersteller, analysiert der Mann aus Peking Anfang dreißig, hätten trotz allen Erfolgs die Chinesen bisher nicht verstanden. In den Luxuskarossen der Hersteller aus dem „Land der Tugend“, wie Deutschland im Chinesischen heißt, seien die Bildschirme der Infotainmentsysteme viel kleiner als etwa in den Autos des amerikanischen Herstellers Tesla. Dessen gigantische Bildschirme zeigten zwar viel Unnützes an. „Doch das lieben wir hier.“ Daimler habe das nun endlich begriffen.

Tatsächlich hat der Stuttgarter Konzern am Vortag eine neue S-Klasse vorgestellt, die zwar noch nicht an ein rollendes Tablet erinnert wie Teslas Model S. Aber dessen Bildschirm ist nun nur noch ein paar Zoll größer als das zentrale Infotainmentsystem im neuen Schlachtschiff mit dem Stern, das sich nirgendwo so gut verkauft wie in China. Ein Drittel aller S-Klassen hat Daimler hier vom vorherigen Modell abgesetzt. Von der noch luxuriöseren Maybach-Variante sind es sogar zwei von drei Fahrzeugen, die der Konzern im Reich der Mitte verkauft. In anderen Ländern sind die Fahrer der S-Klasse im gesetzteren Alter. In China beträgt es im Durchschnitt 37 Jahre. Für ein Drittel aller S-Klassen-Käufer ist es das erste Auto überhaupt – was etwas über die Beliebtheit der Marke hier aussagt, vor allem aber über den rasant wachsenden Reichtum eines Landes, in dem allein im vergangenen Jahr rund 160.000 Menschen zum Dollar-Millionär geworden sind.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Ankenbrand, Hendrik
Hendrik Ankenbrand
Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.
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