Ifo-Chef Fuest über Corona

„Die deutsche Wirtschaft scheint unbeeindruckt“

24.02.2020
, 11:03
Clemens Fuest, der Präsident des Ifo-Instituts, bei einer Pressekonferenz im vorigen Februar.
Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Februar leicht gestiegen. Experten hatten das nicht erwartet.
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Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Februar überraschend etwas aufgehellt. Wie das Münchner Ifo-Institut am Montag mitteilte, stieg das von ihm erhobene Geschäftsklima um 0,1 Punkte auf 96,1 Zähler. Analysten hatten hingegen mit einem Rückgang auf 95,3 Punkte gerechnet. 100 Punkte stehen für die Situation im Jahr 2015. Für den Index befragt das Institut jeden Monat rund 9000 Unternehmen.

Die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage etwas skeptischer als zuletzt. Gestützt wurde der Indikator jedoch durch verbesserte Erwartungen für die kommenden sechs Monate. Die Erwartungen liegen im Februar auch etwas weniger weit auseinander als im Vormonat. Das heißt für das Ifo-Institut, dass die hohe Unsicherheit der Firmen etwas abgenommen hat. Im verarbeitenden Gewerbe ist der Geschäftsklimaindex den dritten Monat in Folge gestiegen. Die Umfrageergebnisse und andere Indikatoren deuteten auf ein Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent im ersten Quartal hin.

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„Entwicklung in Italien noch nicht berücksichtigt“

„Die deutsche Wirtschaft scheint von der Entwicklung rund um das Coronavirus unbeeindruckt“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Viele Fachleute warnten aber, dass die Folgen der Epidemie die Konjunktur künftig bremsen dürften. „Denn mit der derzeitigen Ausbreitung des Coronavirus in Italien haben wir möglicherweise eine völlig neue Situation“, sagte LBBW-Chefökonom Uwe Burkert.

Bild: F.A.Z.

Der schwache Handelsstart an den Börsen zeige, „wie viel Angst plötzlich in den Finanzmärkten steckt“, betonte Burkert. „Da verlieren selbst bewährte Indikatoren wie das Geschäftsklima an Bedeutung und sollten zunächst nicht zum vollen Nennwert genommen werden.“ Auch die Kfw-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib äußerte die Furcht, „dass die deutsche Industrie beeinträchtigt wird, wenn Zulieferer aus China infolge des Coronavirus noch länger stillstehen und es außerdem zu Nachfrageausfällen kommt“.

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Ifo-Konjunkturfachmann Klaus Wohlrabe sagte der Nachrichtenagentur Reuters, in der aktuellen Umfrage sei die jüngste Dynamik rund um die Epidemie noch nicht voll abgebildet. „Die neuen Entwicklungen in Südkorea und Italien etwa sind noch nicht berücksichtigt. Das werden wir erst im März sehen.“ Im Moment sei die Unsicherheit hoch, doch könne die deutsche Wirtschaft auch glimpflich davonkommen.

Quelle: dpa/AFP/Reuters
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