Deutsche-Bank-Chef

Sewing soll im Frühjahr neuer Bankenpräsident werden

Von Markus Frühauf
Aktualisiert am 12.08.2020
 - 10:58
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Christian Sewing, soll im Frühjahr 2021 neuer Bankenpräsident werden.
Den Bundesverband deutscher Banken wird aktuell wieder Berenberg-Chef Peters führen. Im Frühjahr 2021 steht aber der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank bereit.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Christian Sewing, soll im Frühjahr 2021 neuer Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) werden. Wie die F.A.Z. aus Kreisen des Verbands der privaten Banken erfuhr, hat sich Sewing dafür bereit erklärt. Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte dies nicht kommentieren.

Martin Zielke hat mit Blick auf seinen bis spätestens zum Jahresende erfolgenden Rücktritt als Vorstandsvorsitzender der Commerzbank nun auch sein Amt als Bankenpräsident, das er erst am 22. April angetreten hatte, zur Verfügung gestellt. Bis zum Frühjahr wird sein Vorgänger Hans-Walter Peters, Chef der Hamburger Berenberg Bank, die BdB-Spitze übernehmen.

„Mit der deutschen EU-Ratspräsidentschaft liegt eine wichtige Zeit vor uns, in der es um bedeutende Weichenstellungen für die europäische Wirtschaft geht. Wir Banken wollen uns hier entschlossen einbringen und Europa stärken“, sagte Peters nach seiner Wahl in der außerordentlichen Vorstandssitzung des Bankenverbands am Dienstag.

Überraschender Meinungswechsel

Der Meinungswechsel von Sewing kommt überraschend. Angesprochen auf das Amt im Bankenverband hatte er bislang abgewunken und gesagt, dass er sich auf die Transformation und Sanierung der Deutschen Bank konzentrieren wolle. Da dies in den kommenden Monaten für ihn weiterhin Vorrang habe, übernimmt Peters übergangsweise das Amt, das er von 2016 bis 2020 schon ausgeübt hatte.

Für einen längeren Zeitraum steht Peters offenbar nicht mehr zur Verfügung, da er am Jahresende von der operativen Führung in den Verwaltungsrat der Berenberg Bank wechseln wird. Gegenwärtig stehen die Banken vor schweren Zeiten, da aufgrund der Corona-Krise eine Insolvenzwelle von Unternehmen und Haushalten droht. Die dürfte auch ein großes, an den internationalen Kapitalmärkten tätiges Institut wie die Deutsche Bank treffen, wenn auch nicht so stark wie kleine, auf ihre Regionen beschränkte Häuser.

Neben Großbanken wie Deutsche Bank, Commerzbank, Hypo-Vereinsbank oder ING zählen auch kleine Regional- und Privatbanken zu den Mitgliedern im Bankenverband. Auch die Berenberg Bank von Peters gehört nicht zu den Großbanken, allerdings hat das auf wohlhabende Kunden ausgerichtete Haus in den vergangenen Jahren sehr stark ihr Kapitalmarktgeschäft ausgebaut hat.

Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal überraschend solide Ergebnisse erzielt. Das kann ein Indiz dafür sein, dass der von Sewing angestoßene Umbau zu mehr Ertragsstabilität über die Konzentration auf die Stärken erste Früchte trägt. Deutschlands größte Bank ist zuversichtlich, trotz des Konjunktureinbruchs im laufenden Jahr vor Steuern wieder einen Gewinn zu erzielen. Fraglich bleibt, ob Sewing Bankenpräsident wird, sollte die Bank in wieder schweres Fahrwasser geraten.

In der vergangenen Woche war der Bankenverband in die Schlagzeilen geraten, weil die Staatsanwaltschaft Köln Büros des Verbands am Hauptsitz in Berlin und in Frankfurt durchsuchte. Dabei ging es um die Cum-Ex-Affäre, also den Steuerbetrug mit Aktiendividenden. Jedoch richteten sich die Ermittlungen nicht gegen den Verband oder seine Funktionäre, sondern zur Auffindung von Beweismitteln, die für die Fortführung der Ermittlungen von Bedeutung sein können. Im Vordergrund dürfte dabei stehen, ob die Lobbyisten aus den Bankenverbänden Einfluss auf die Gesetzgebung zum sogenannten Dividendenstripping genommen haben.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Frühauf, Markus
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
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