FAZ plus ArtikelNord Stream 2 vor dem Aus?

Die Deutschen und ihr russisches Gas

Von Ralph Bollmann
Aktualisiert am 16.09.2020
 - 08:31
Da war die Gasfreundschaft noch intakt: Rednerpult bei der Eröffnung einer Gasaufbereitungsanlage in Sibirien 2008
Werden wir frieren, wenn Nord Stream 2 gestoppt wird? Das ist bislang noch nicht zu befürchten. Doch die Kosten für das Gas werden wahrscheinlich steigen.

Schon lange nicht mehr hatte ein Fernsehauftritt des deutschen Wirtschaftsministers derart Furore gemacht. Er kenne keinen Fall, in dem Sanktionen gegen ein Land dessen Verhalten geändert hätten, sagte der CDU-Politiker Peter Altmaier in der Sendung „hart aber fair“; eher bewirkten solche Maßnahmen eine Verhärtung der Politik. Die Botschaft war klar: Altmaier will, dass die zweite Gasröhre durch die Ostsee, genannt Nord Stream2, fertiggestellt wird, ungeachtet des Giftanschlags auf den russischen Oppositionspolitiker Aleksej Nawalnyj. Er teilt den Wunsch mit beträchtlichen Teilen der deutschen Wirtschaft. Nur: Warum ist den Akteuren das Projekt so wichtig? Braucht Deutschland überhaupt das Gas? Und welche Rolle spielt es im Energiemix?

Viele Verbraucher denken, der Grund sei vor allem der Ausstieg aus Atom- und Kohlestrom. Schließlich gelten Gaskraftwerke als ein probates Instrument, um die Schwankungen der erneuerbaren Energien auszugleichen: Wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, lassen sie sich schnell hoch- und wieder herunterfahren. Außerdem setzen sie im Verhältnis zur erzeugten Energie deutlich weniger klimaschädliches CO2 frei als ein Kohlekraftwerk.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Bollmann, Ralph
Ralph Bollmann
Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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