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Drei große deutsche Wirtschaftsminister

Von Gerald Braunberger
03.10.2021
, 17:12
Ludwig Erhard verkörperte das deutsche Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Zigarre war eines seiner Markenzeichen.
Ein Wirtschaftsminister hat bedeutende Macht. Drei Männer aus unterschiedlichen Parteien haben den Posten seit der Gründung der Bundes­republik besser ausgefüllt als andere Amtsinhaber.
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Ludwig Erhards im Jahre 1957 erstmals erschienener Klassiker „Wohlstand für alle“ enthielt eine Absage an die deutsche Tradition der Klassengesellschaft und der Ballung politischer und wirtschaft­licher Macht. Wettbewerb als Entmachtungsinstrument, Marktwirtschaft und wirtschaftlicher Wohlstand als Voraussetzung für Konsummöglichkeiten in einer freiheitlichen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung – das waren die Botschaften, mit denen Erhard (1897 bis 1977) jene Wählerstimmen gewann, die es der Union ermöglichten, in den ersten zwei Jahrzehnten der Bundesrepublik den Kanzler zu stellen und die Leitlinien der Politik zu bestimmen. Erhard war der erste und der wirkmächtigste Bundeswirtschaftsminister in der Geschichte der Bundesrepublik.

Schon vor seinem Eintritt in die Politik habe er sich geweigert, „die hergebrachten Vorstellungen der früheren Einkommensgliederung neu aufleben zu lassen“, schrieb der promovierte Ökonom. „So wollte ich jeden Zweifel beseitigt wissen, dass ich die Verwirklichung einer Wirtschaftsverfassung anstrebe, die immer weitere und breitere Schichten unseres Volkes zu Wohlstand zu führen vermag. Am Ausgangspunkt stand der Wunsch, über eine breitgeschichtete Massenkaufkraft die alte konservative soziale Struktur endgültig zu überwinden. Diese überkommene Hierarchie war auf der einen Seite durch eine dünne Oberschicht, welche sich jeden Konsum leisten konnte, wie andererseits durch eine quantitativ sehr breite Unterschicht mit unzureichender Kaufkraft gekennzeichnet. Die Neugestaltung unserer Wirtschaftsordnung musste also die Voraussetzung dafür schaffen, dass dieser einer fortschrittlichen Entwicklung entgegenstehende Zustand und damit zugleich auch endlich das Ressentiment zwischen ‚arm’ und ‚reich’ überwunden werden konnten.“ Wer in Erhards unermüdlichem Plädoyer für die Marktwirtschaft eine besondere Wertschätzung des Kapitals gegenüber der Arbeit wittert, hat ihn nicht verstanden.

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Gerald Braunberger
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