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Einfluss von Spotify & Co.

Musik im Streaming-Zeitalter

EIN KOMMENTAR Von Benjamin Fischer
 - 15:39
Voller Einsatz auf der Bühne: die britische Indie-Rock-Band Foals auf dem Glastonbury Festival

Die Rebellion ist abgesagt. Jahrelang hat sich die amerikanische Pop-Musikerin Taylor Swift als erbitterte Gegnerin der Streamingdienste positioniert und Spotify sogar ihre Lieder vorenthalten. Swifts nicht minder prominente Kollegin Adele folgte ihrem Beispiel, und auch die deutsche Rockband Die Ärzte sträubte sich bis November 2018. Heute sind ihre Werke allesamt auf Spotify und Co. zu finden.

Das Umdenken kommt wenig überraschend. Streaming ist maßgeblich verantwortlich für das nunmehr seit vier Jahren andauernde Wachstum auf dem Markt für Musikaufnahmen. Zudem hat es den Musikkonsum grundlegend verändert. Für den permanenten Zugang zu mehr als 50 Millionen Titeln zahlt ein großer Teil der Konsumenten bereitwillig rund 10 Euro.

Diese riesige Schar an potentiellen Hörern zu verschmähen wäre fahrlässig. Zwar ist allzu verständlich, dass Künstler über die im Vergleich zum einst boomenden CD-Geschäft geringen Streamingeinkünfte nicht glücklich sind – gerade kleineren Musikern reicht dies kaum zum Leben. Doch über die Streamingdienste und die sozialen Netzwerke erreichen sie heute eine vor 15 Jahren nicht für möglich gehaltene Zahl an Musikinteressierten.

Wer nach den Regeln schreibt, kann auf gutes Geld hoffen

Das gilt es zu nutzen, um mehr Menschen zu Konzerten zu locken und für Fanartikel zu begeistern. Denn: Gerade das Livegeschäft floriert derzeit. Auch aufwendig gemachte und entsprechend kostspielige CD- oder Schallplatten-Versionen kommen unter treuen Hörern gut an.

Breit aufgestellt zu sein zahlt sich folglich aus. Selbiges gilt für das Schreiben vieler kurzer Lieder ohne ausschweifendes Intro. Denn ein Stream wird erst vergütet, wenn das Stück länger als 30 Sekunden gelaufen ist. Die Dauer des Titels spielt keine Rolle. Rein aus Streaming-Gesichtspunkten sind drei Lieder à drei Minuten wirtschaftlich sinnvoller als ein opulent produzierter Neunminüter.

Ob der Hörer aktiv ein bestimmtes Lied sucht oder die Musik automatisch ausgewählt im Hintergrund läuft, macht ebenfalls keinen Unterschied für die Vergütung. Wer also nach den Regeln der Streamingdienste Musik schreibt, kann auf gutes Geld hoffen. Aus kreativer Sicht ist das natürlich äußerst problematisch.

Die Macht der Major-Labels

Einige in der Branche sagen dies auch über das aktuelle Abrechnungsmodell der Dienste. Derzeit fließen die Einnahmen in einen Topf und werden dann nach der Anzahl der Gesamtstreams ausgezahlt. Wenn der gut acht Millionen Abonnenten starke Dienst Deezer damit wirbt, bald ein System zu nutzen, in dem die Abogebühren der Nutzer nur an die von ihnen gehörten Künstler fließen, klingt das erst einmal vielversprechend.

In jedem Fall ist es fairer als das etablierte System. Und es würde die Verbindung zwischen Künstler und Hörer wieder stärker betonen. Ähnlich wie beim CD-Kauf wüsste jeder, wo das investierte Geld hinfließt – wenngleich auch hier natürlich Handel, Label und weitere Parteien mitverdienen.

Ob schlussendlich Nischenkünstler mit diesem System mehr und Stars wie Taylor Swift weniger Geld erhalten, kann indes nur die Praxis zeigen. Für mehr als den Testlauf in Frankreich müssten ohnehin die Rechteinhaber mitspielen, insbesondere Universal Music, Warner und Sony. Gegen den Widerstand der drei weltgrößten Labels geht so gut wie nichts. Mit ihren vielen Tochter-Labels stellen sie einen bedeutenden Anteil der populären Musik auf den Streamingdiensten – ein Faustpfand, das sie auch nicht scheuen gegen den Streaming-Marktführer Spotify einzusetzen.

Der große Trumpf von Spotify

Das börsennotierte schwedische Tech-Unternehmen wiederum will auf Dauer mehr sein als eine reine Abspielplattform für Musik. Durch Zukäufe positioniert sich Spotify etwa als Servicepartner für Künstler. Die Möglichkeit, Musik selbst hochzuladen ohne jede Beteiligung von Labels oder anderen Partnern, wurde allerdings wieder eingestellt, nicht zuletzt wohl auch auf Druck der großen drei. Spotify kann zwar mehr als 113 Millionen zahlende Nutzer vorweisen und ist der klare Marktführer.

Apple Music und Amazons Musikdienst sind mit mehr als 60 Millionen beziehungsweise rund 32 Millionen Abonnenten allerdings nicht derart weit abgeschlagen, dass Spotify ihre Konkurrenz nicht fürchten müsste. Obendrein stehen hinter den Diensten zwei der wertvollsten Konzerne der Welt. Und auch Bytedance, die Muttergesellschaft des populären sozialen Netzwerks Tiktok, soll an einem Streamingdienst arbeiten.

Für jetzt bleibt Spotify jedoch das Maß der Dinge, um neue Musiker bekannt zu machen. Das ist der große Trumpf der Schweden. Labels betreiben enormen Aufwand, damit die Lieder ihrer Künstler regelmäßig in die beliebten Playlisten aufgenommen werden. Wer es dort hineingeschafft hat, dem ist eine beachtliche Hörerzahl sicher – und mit mehreren Millionen Streams kommt auch ein erklecklicher Verdienst zusammen. So funktioniert sie, die neue Musikwelt.

Quelle: F.A.Z.
Autorenbild/ Benjamin Fischer
Benjamin Fischer
Redakteur in der Wirtschaft.
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