Neue Industriestrategie

Die Planification der EU

EIN KOMMENTAR Von Hendrik Kafsack, Brüssel
05.05.2021
, 16:47
EU-Kommissar Breton schmiedet Industrieallianzen. Der Ansatz entspricht staatlich geförderter Feinsteuerung.

Wie heißt es so schön: Je stärker jemand etwas bekräftigt, desto größere Skepsis ist angebracht. Man muss sich um die Industriepolitik der EU also Sorgen machen. So sehr bekräftigten die Vizepräsidenten der Kommission Valdis Dombrovskis und Margrethe Vestager und EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton allesamt bei der Vorstellung der neuen Industriestrategie, dass die EU der offenste Kontinent der Welt und dem Wettbewerb verschrieben bleibe.

Dabei wähnten Vestager und Dombrovskis die EU vor Kurzem noch auf dem Weg in die Staatswirtschaft, da ihnen Bretons Ideen zur Industriepolitik zu weit gingen. Der würde wohl gerne in allen strategisch wichtigen Sektoren – und das sind für Breton viele – europäische Champions aufbauen, um die Produktion zurück in die EU zu holen.

Weil er das aber nicht durchsetzen kann, schmiedet Breton Industrieallianzen: für Halbleiter, Wasserstoff, Cloud-Angebote, CO2-freie Flugzeuge. Der Ansatz ist jedoch derselbe: staatlich geförderte Industrie-Feinsteuerung. Und die anderen lassen ihn machen und bekräftigen, wie wichtig Wettbewerb und offene Märkte sind.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Hendrik Kafsack
Hendrik Kafsack
Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.
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