Enttäuschender Ausblick

Netflix-Aktienkurs fällt um bis zu 20 Prozent

Von Roland Lindner, New York
21.01.2022
, 02:08
Die Bildschirmoberfläche eines Computers und eines Mobiltelefons zeigen das Logo des Video-Streamingdienstes Netflix
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Der Videodienst gibt eine vorsichtige Prognose – trotz Erfolgsproduktionen wie „Don’t Look Up“ und „Squid Game“. Holt ihn der Wettbewerb ein?
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Netflix hat in den vergangenen Monaten einige Publikumserfolge gelandet. Die blutrünstige koreanische Serie „Squid Game“ zum Beispiel oder den Film „Don’t Look Up“ mit Hollywood-Superstars wie Leonardo DiCaprio, Jennifer Lawrence und Meryl Streep. Trotzdem blieb der Videodienst im abgelaufenen Quartal mit seinen Abonnentenzahlen leicht unter seiner eigenen Prognose, wie aus dem am Donnerstag nach Börsenschluss vorgelegten Geschäftsbericht hervorging. Und der Ausblick für das erste Quartal des neuen Jahres fiel sogar deutlich schwächer als erwartet aus. Der Aktienkurs fiel daraufhin im nachbörslichen Handel zeitweise um fast zwanzig Prozent.

Im vierten Quartal hat das Unternehmen die Zahl seiner Abonnenten um 8,3 Millionen auf knapp 222 Millionen ausgebaut. Vor drei Monaten hatte es einen Anstieg um 8,5 Millionen Kunden vorausgesagt. Für das erste Quartal liegt die Prognose nun bei 2,5 Millionen zusätzlichen Abonnenten, Analysten hatten auf mehr als doppelt so viel gehofft.

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Als einen Grund für den schwächer als erwarteten Ausblick führte Netflix an, dass viele der kommenden neuen Filme und Fernsehserien erst gegen Ende des ersten Quartals veröffentlicht würden. Jenseits dieses saisonalen Faktors sprach das Unternehmen aber auch grundsätzliche Herausforderungen an. Es gab zu, das Wachstum bei den Abonnentenzahlen sei noch nicht wieder auf dem Niveau vor der Corona-Krise. Netflix galt als einer der Gewinner der Pandemie und hat inmitten der anfänglichen Lockdowns einen Ansturm neuer Kunden erlebt. Dann aber kam eine Art Corona-Kater, und das Wachstum schwächte sich erheblich ab. Das Unternehmen gab selbst zu, die Pandemie habe offenbar ein Stück weit künftiges Wachstum vorweggenommen. Jetzt sagte es, dieser Effekt sei noch immer zu spüren. Daneben hinterlasse auch ein allgemein schwieriges wirtschaftliches Umfeld in manchen Regionen der Welt wie Lateinamerika Spuren.

Die Konkurrenz schläft nicht

Netflix sprach auch deutlicher als bisher über verstärkten Konkurrenzdruck. Der Wettbewerb im Streamingmarkt ist härter geworden. Der wohl schärfste Rivale ist Disney+, der vor rund zwei Jahren gestartete Dienst des Unterhaltungskonzerns Walt Disney, der nach jüngsten Zahlen 118 Millionen Abonnenten hatte. Daneben gibt es eine Reihe anderer aufstrebender Videoangebote wie HBO Max. In der Vergangenheit hat Netflix die Bedrohung durch andere Plattformen eher kleingeredet, vor einem halben Jahr schrieb das Unternehmen noch in einem Quartalsbericht: „Wir konkurrieren vor allem mit uns selbst, um unseren Dienst so schnell zu verbessern wie wir können.“

Diesmal schlug Netflix etwas andere Töne an und sagte, die zusätzliche Konkurrenz werde womöglich die eigene Entwicklung beeinträchtigen. Gleichzeitig wies das Unternehmen aber darauf hin, es wachse auch in denjenigen Regionen weiter, in denen es neue Streaminganbieter gebe. Es sehe noch immer „gewaltigen Spielraum“ für weiteres Wachstum.

Die Wettbewerber von Netflix investieren aggressiv in ihr Film- und Fernsehprogramm. Raj Shah vom Beratungshaus Publicis Sapient sagte, Disney habe im vergangenen Jahr 33 Milliarden Dollar für Inhalte ausgegeben, verglichen mit 17 Milliarden Dollar bei Netflix. Er sieht das aber nicht zwangsläufig als ausschlaggebend für den Erfolg und rät Netflix, „Qualität über Quantität“ zu stellen.

Weitaus teurer als Disney+

In jedem Fall fühlt sich Netflix trotz wachsender Konkurrenz in der Position, von seinen Kunden mehr Geld zu verlangen. Vor wenigen Tagen wurde eine Preiserhöhung auf dem nordamerikanischen Markt angekündigt. Der Preis für das Standard-Abonnement wurde von 13,99 auf 15,49 Dollar angehoben. Erst Ende 2020 war die Abonnementgebühr gestiegen, damals um einen Dollar. Disney+ kostet derzeit 7,99 Dollar, also nur gut halb so viel wie Netflix.

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Quelle: FAZ.NET
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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