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Interview zu 20 Jahre Google

„Ich schrieb sofort einen Scheck über 100.000 Dollar“

Von Alexander Armbruster
 - 11:11
Wie die Zeit fliegt: Google feiert bereits 20. Geburtstag.zur Bildergalerie

Herr von Bechtolsheim, wann haben Sie die beiden Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin zum ersten Mal getroffen?

Im August 1998 war das gewesen, kurz bevor sie ihr Unternehmen gründeten.

Wie kam das?

Ein mit mir befreundeter Professor von der Stanford-Universität, David Cheriton, erzählte mir von zwei Doktoranden, die sich überlegen, auszusteigen und ein Unternehmen zu gründen, eine Suchmaschine. Er fragte mich, ob ich mit den beiden darüber sprechen könnte.

Sie haben eingewilligt.

Ich war an dem Thema sehr interessiert, weil ich damals auf dem Internet noch kaum etwas finden konnte. Wir trafen uns auf der Veranda von Davids Haus in Palo Alto.

Und dann?

Larry und Sergey zeigten mir auf ihrem Laptop den Prototypen der ersten Google-Suchmaschine, die erstaunlich gut funktionierte.

Das war alles?

Sie erklärten mir ihren ,Page-Rank-Algorithmus', der die Relevanz von Webseiten automatisch bestimmt. Und die Idee mit den ,Sponsored Links', mit denen sie je nach Suchbegriff relevante Anzeigen anbieten können. Es war faszinierend und ohne Frage die beste Idee, die ich jemals gesehen habe.

Muss eine beeindruckende Präsentation gewesen sein, die die beiden vorbereitet haben.

Es gab gar keine Präsentation. Und auch keinen Business Plan.

Wie bitte?

Ich war von der Demo und unserer Unterhaltung total überzeugt. Ich war so begeistert, dass ich mich auf alle Fälle an dieser neuen Firma beteiligen wollte und schrieb den beiden auf der Stelle einen Scheck über 100.000 Dollar, ausgemacht auf ,Google, Inc’ – eine Firma, die es zu diesem Zeitpunk noch gar nicht gab.

Was fesselte sie an dieser Idee so sehr, dass sie sofort willig waren zu investieren, quasi zwischen Tür und Angel, wenn ich das richtig verstanden habe?

Wir müssen zurückdenken in das Jahr 1998. Das Internet war ein sehr heißes Thema, jede Firma wollte ,on-line’ und konstruierte eine Webseite. Die Frage war: Wie konnte man diese Webseiten finden?

Suchmaschinen gab es schon.

Ja, zum Beispiel AltaVista, Infoseek, Excite, Lycos, Namen die heute kaum noch jemand kennt. Das Problem war, dass keine dieser Suchmaschinen richtig funktionierte, weil sie nicht gute von schlechten Webseiten unterscheiden konnten.

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Wieso das?

Schon damals hatte jeder Anbieter versucht, auf die erste Seite der Suchergebnisse zu kommen. Eine der beliebten Methoden war es, das ganze englische Wörterbuch als ,Dark Page’ an die Webseite anzuhängen, damit die Webseite unabhängig vom Suchbegriff gefunden wurde.

Was schadete.

Genau. Tatsächlich führte das dazu, dass man kaum noch etwas finden konnte. Viele Leute glaubten infolgedessen sogar, dass es prinzipiell unmöglich war, eine automatische Suchmaschine zu bauen, ohne die Inhalte der Webseiten echt zu verstehen.

Google war offenkundig anders.

Das war die erste Suchmachine, die gute Ergebnisse zeigte und damit sehr nützlich war.

Aber es gab damals doch schon Yahoo.

Im Jahr 1998 war Yahoo ein sehr populäres Webportal, dessen Hauptidee es war, das Internet für Benutzer zu ordnen – nach dem Prinzip, dass menschliche Editoren Webseiten recherchierten und auswählten, so ähnlich wie das eine Zeitung macht: Hier sind die Sportseiten, hier sind die Finanzseiten, und hier ist die Gartenabteilung. Das ging für eine Weile ganz gut, hat aber mit dem Wachstum des Internets nicht mitgehalten.

Was haben die Google-Gründer anders gemacht?

Sie haben das alles automatisiert mit dem ,Page-Rank-Algorithmus’ und brauchten damit keine Menschen mehr, die Webseiten bewerteten. Sie können das vergleichen mit dem Publizieren wissenschaftlicher Fachartikel: Das wichtigste ist nicht, wie viele Artikel ein Wissenschaftler produziert, sondern wie oft er zitiert wird, wie viele andere Experten sich auf seine Arbeiten beziehen. Larry und Sergey hatten dasselbe Prinzip auf das Internet angewendet, um die wichtigsten Seiten nach vorne zu bringen. Das hat ermöglicht, im Internet Dinge erfolgreich zu finden.

Zum Geldverdienen reichte das nicht.

Das Geschäftsmodell von Google war digitale Werbung mit ,Sponsored Links', die auf der Basis des Suchbegriffes des Nutzers und dazu passenden ,Adwords' der Werbekunden geschaltet wurden. Es war am Anfand noch nicht ganz klar, aber das war eine gewaltige Revolution in der Geschichte der Werbung.

Warum?

Vor Google war nahezu alles im Internet Bannerwerbung, die keine Verbindung zu den Interessen des Benutzer hatte. Bis zur Gründung Googles hatte niemand die interaktiven Möglichkeiten des Internets dafür nutzbar gemacht – Anzeigen darzustellen, die den Suchbegriffen der Nutzer entsprachen, ist nach wie vor eine der effizientesten Methoden in der Werbung überhaupt.

Google gelang das jedenfalls.

Ja, und zwar von Beginn an. Das Unternehmen hat praktisch sofort Geld verdient, und musste für die eigene Webseite gar nicht werben, weil die Internet-Nutzer die Suchmaschine liebten. Das hat sich schnell herumgesprochen.

Hatten Sie nach dem 30 Minuten langen Kennenlern-Gespräch eigentlich weiter Kontakt zu Page und Brin?

Wir trafen uns öfter und haben alles mögliche diskutiert. Aber ich möchte betonen, dass die beiden und ihr Google-Team alleine für den Erfolg von Google verantwortlich sind. Ich selbst habe nie für Google gearbeitet – obwohl das viel Spaß gemacht hätte. Es ist eine der wenigen Dinge in meinem Leben, wo ich bedauere, dass ich da nicht mehr dabei war.

Ahnten Sie damals schon, welches Potential in Google steckte?

In dieser Dimension nicht. Und ich glaube, dass das niemand gesehen hat, übriens auch nicht Googles Wettbewerber. Die Ironie ist: Im Jahr 1999 war Google die Suchmaschine für AOL, Amazon und Yahoo, bevor diese Unternehmen überhaupt realisierten, dass Google die zukünftige Konkurrenz ist.

Wenn Sie nun, zwanzig Jahre nach der Gründung, auf das Unternehmen schauen, dass jetzt eine Holding namens Alphabet ist mit mehreren Tochtergesellschaften, eine davon die Suchmaschine, was sehen Sie da?

Eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Die Google-Suchmaschine ist nach wie vor die beste der Welt. Das Wort „googlen” ist alltäglich geworden und steht dafür, dass man etwas sucht. Der Konzern ist einer der drei wertvollsten der Welt. Und Google ist ja nicht eine Suchmaschine geblieben. In den zurückliegenden zehn Jahren erreichte das Unternehmen führende Positionen in der Künstlichen Intelligenz, mit selbstfahrenden Autos und mit dem Betriebssystem Android, das auf Smartphones den größten Marktanteil auf der ganzen Welt besitzt…

…und das der Hintergrund für eine Milliardengeldbuße ist, welche die EU-Kommission gegen Google verhängte...

…ja, die stört die Dominanz offenbar. Da muss ich Ihnen aber sagen, dass ich diese Klage, dass da Programme vorinstalliert sind, nicht nachvollziehen kann. Ich selbst habe ein iPhone und alle Apple-Apps sind vorinstalliert. Aber das hindert mich nicht daran, auf meinem iPhone Google Maps und Google Search zu installieren, weil die einfach besser sind. Man muss das immer vor allem aus der Sicht der Konsumenten sehen.

Heute gibt es fünf dominierende amerikanische Tech-Konzerne, neben Google sind das Facebook, Amazon, Microsoft und Apple. Vor einigen Jahren herrschte eher der Eindruck vor, die existieren in herzlicher Unverbundenheit nebeneinander, jeder hat sich in seinem Bereich etabliert. Jetzt scheint sich das zu ändern.

Auf jeden Fall, sie machen sich gegenseitig viel mehr Konkurrenz.

Amazon ist eine Suchmaschine.

Ein ganz wichtiger Punkt. Wer heute ins Internet geht um einzukaufen, sucht häufig direkt über Amazon und sucht nicht mehr mit Google. Amazon ist einer der größten zukünftigen Wettbewerber von Google.

Er bietet auch den am häufigsten verkauften digitalen Assistenten an. Hat Google das verschlafen?

Alexa hat Google überrascht, inzwischen hat Google jedoch mit besserer Spracherkennung und besseren Antworten gut aufgeholt. Vergessen Sie zudem nicht, dass es auch in den großen Tech-Konzernen Misserfolge gibt: Googles Experiment mit sozialen Netzwerken funktionierte nicht, Amazons Handy schlug fehl und Apples digitaler Assistent ist weit hintennach. Der digitale Wettbewerb ist hart, die nächste Webseite eben nur einen Klick entfernt.

Was ist das nächste große Ding?

Ganz klar Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen. Und in diesem Feld führen die fünf großen Tech-Konzerne. Gerade das zu Google gehörende Deep-Mind-Team hat da erstaunliche Erfolge erzielt, zum Beispiel mit dem Programm AlphaZero, das selbst lernt und inzwischen Weltmeister in Go, Schach und Shogi ist.

Welche Rolle spielt Deutschland?

Leider ein viel zu kleine. Es gibt zwar jede Menge Ingenieure in Deutschland, aber das Land braucht mehr Softwareentwickler, weil in der digitalen Welt jedes Produkt auf Software basiert. Selbst in den Autos wird der Softwareanteil dauernd größer.

Wer ist da gefordert?

Alle Unternehmen, die großen und die kleinen, müssen Software-Entwicklung zu einer Priorität machen, um ihre Produkte, Dienstleistungen und Prozesse zu verbessern. In Silicon Valley ist Software inzwischen der Hauptanteil aller Entwicklungen.

Sonst?

Wer die Zukunft verpasst, für den wird sie nicht rosig sein. Um an der Spitze zu bleiben, wo sich viele deutsche Unternehmen heute befinden, braucht es ständige Anstrengungen. Und einen klaren Blick nach vorne.

Was meinen Sie damit?

Durch die laufenden technologischen Entwicklungen kann sich keiner mehr ausruhen. Viele Unternehmen versagen im Laufe der Zeit. Was machten die grundsätzlich falsch? „They usually miss the future“, antwortete Larry Page einmal auf diese Frage, sie verpassten schlicht und einfach die Zukunft.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Armbruster, Alexander (ala.)
Alexander Armbruster
Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.
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