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6,6 Milliarden Euro Einnahmen

„Das Geld fehlt jetzt für den Netzausbau“

Von Helmut Bünder, Düsseldorf
 - 20:53

Das große Wettbieten um die Frequenzen für den 5G-Mobilfunk ist vorüber, nach 12 Wochen Auktion in einer alten Kaserne in Mainz ist der Rohstoff für die digitale Zukunft verteilt. Knapp 6,6 Milliarden Euro haben die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica/O2 und der Neuling 1&1 Drillisch dafür auf den Tisch gelegt. Es ist ihre Eintrittskarte in die Welt des Echtzeit-Mobilfunks, der die Schlüsseltechnologie für Anwendungen wie das Internet der Dinge, autonomes Fahren und vernetzte Fabriken bilden wird.

Der Chef der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, sprach nach dem Ende der Auktion von einem „Startschuss für 5G in Deutschland“. „Ich freue mich, dass vier Unternehmen Frequenzen ersteigert haben und beim 5G-Netzausbau in Wettbewerb treten“, erklärte der Behördenchef. „Die Frequenzen sollen nicht nur für den neuen Mobilfunkstandard 5G, sondern auch für eine bessere Mobilfunkabdeckung in Deutschland eingesetzt werden.“ Obwohl sich die Telekom das größte Spektrum sichern konnte, sprach ein Deutschland-Chef der Telekom, Dirk Wössner von einem bitteren Beigeschmack: „Der Netzausbau in Deutschland hat einen deutlichen Dämpfer erhalten. Das Ergebnis hätte wesentlich günstiger ausfallen können. Auch diesmal ist das Spektrum in Deutschland viel teurer als in anderen Ländern. Das Geld fehlt den Netzbetreibern jetzt für den Netzausbau. Mit dem Auktionserlös hätte man ca. 50.000 neue Mobilfunk-Standorte bauen und viele weiße Flecken schließen können.“

Am meisten ausgegeben hat die Deutsche Telekom: 2,17 Milliarden Euro, sparsam zeigte sich O2 mit 1,42 Milliarden Euro. Eine faustdicke Überraschung ist der Ehrgeiz, den Drillisch in der Auktion an den Tag legte. Die Tochtergesellschaft von United Internet wird vom Wiederverkäufer, der bisher die Infrastruktur von O2 und Vodafone nutzt, zum Netzbetreiber. Mit den für 1,07 Milliarden Euro erworbenen Frequenzen kann das Unternehmen in den kommenden Jahren ein viertes deutsches Mobilfunknetz aufbauen und dem lahmen Wettbewerb auf dem deutschen Markt neues Leben einhauchen.

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Auktion beendet
5G-Frequenzen für knapp 6,6 Milliarden versteigert

Vielleicht auch mit dieser für sie hässlichen Perspektive vor Augen, haben die drei etablierten Anbieter die Preise kräftig in die Höhe getrieben. Gleichwohl ist es ihnen nicht gelungen, den Rivalen zu verdrängen. Drillisch hat sich sogar Blöcke aus dem 2 Gigahertz-Spektrum sichern können. Das Frequenzband ist begehrt, weil die Funkwellen weiter tragen. Die Ausbaukosten sind deshalb geringer als bei der Nutzung des 3,6 Gigahertz-Bandes, das sich als „Kapazitätsspektrum“ besonders für die Versorgung von Ballungsgebieten eignet.

Für das neue Netz werden die Konzerne Tausende neue Funkmasten aufstellen und an ihr Glasfasernetz anschließen müssen. Allein die Telekom peilt bis 2021 rund 36.000 Sendestandorte an, 7000 mehr als heute. Insgesamt werden für den 5G-Ausbau Kosten in zweistelliger Milliardenhöhe veranschlagt. Die etablierten Betreiberkonzerne sollen auch die Fläche weitestgehend mit schnellem mobilen Internet abdecken. Vorgeschrieben ist zunächst allerdings nur herkömmliche LTE-Technik, die bis Ende 2022 in jedem Bundesland 98 Prozent der Haushalte wenigstens 100 Megabit je Sekunden liefern soll. Außerdem müssen sie bis 500 zusätzlichen Antennen in den „weißen Flecken“ aufstellen, wo Handynutzer bisher komplett von der Außenwelt abgeschnitten sind. Schluss sein soll auch mit den Funklöchern in Zügen, entlang der Autobahnen und wichtigsten Straßen.

Drillisch hat einen Trumpf in der Hand

Um den 5G-Ausbau voranzubringen, sind die Frequenzen an die Auflage gebunden, dass die erfolgreichen Bieter bis Ende 2022 die ersten 1000 Basisstationen für den neuen Funkstandard errichten. Dabei werden sich die Unternehmen allesamt auf die Ballungsgebiete konzentrieren. Für 5G „bis zur letzten Milchkanne“, wie es manche Politiker jetzt schon haben wollten, fehlt ihnen noch das geeignete Funkspektrum.

Aus Verbrauchersicht spannend ist vor allem, wie sich der Markt durch Drillisch verändern wird. Ob nun tatsächlich ein neuer Preiskampf ausbricht, wie manche erwarten, ist für Analysten noch nicht ausgemacht. Schließlich muss auch der Neuling sein Geld für die Frequenzen und den anstehenden Netzausbau zurückverdienen. Andererseits genießt er bei der Flächenversorgung Vorzugskonditionen, die die Kosten im Rahmen halten. In der ersten Phase muss er lediglich 25 Prozent der Haushalte in Deutschland erreichen, bis 2025 dann 50 Prozent. Nach Berechnungen von Analysten würde es genügen, dafür rund 40 Städte mit LTE abzudecken. Auf 99 Prozent der Fläche müssten Gespräche und Daten also per Roaming über fremde Netze laufen. Die Regulierungsbehörde soll als Schiedsrichterin dafür sorgen, dass sich die Netzbetreiber fairen Verhandlungen über Konditionen und Roaming-Preise nicht verschließen. Allerdings: Ihre rechtlichen Möglichkeiten sind dabei begrenzt, einen „Kontrahierungszwang“ gibt es nicht. Und die großen Kontrahenten werden sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, dem neuen Rivalen den Einstieg zu erleichtern.

Aber Drillisch hat noch einen anderen Trumpf in der Hand: die EU-Auflagen aus der Genehmigung der Fusion von O2 und E-Plus vor 5 Jahren. Diese sichern Drillisch bisher zu, 30 Prozent der Übertragungskapazität des O2-Netzes anmieten zu können. Wandelt sich das Unternehmen zum Netzbetreiber, kann es gegenüber O2 auf eine Umwandlung des Zugangsvertrages in eine Roaming-Pflicht pochen. Die würde zwar nur für LTE gelten. Aber United-Internet-Chef Ralph Dommermuth hat den Massenmarkt im Blick, und LTE dürfte für die allermeisten Handykunden noch auf Jahre hinaus völlig ausreichen. Schwieriger wäre wohl die komplette Umstellung des Geschäftsmodells. Denn Rosinenpickerei ist nicht erlaubt: Drillisch kann nicht dauerhaft gleichzeitig als Netzbetreiber und Wiederverkäufer auftreten.

Mittel aus Bundesprogramm fließen nur tröpfchenweise

Eine „Erlösmaximierung“ war zwar, wie die Bundesnetzagentur betont, nie das das Ziel der Auktion. Dennoch dürfte das Finanzministerium mit einiger Erleichterung auf das Ergebnis blicken. Die Einnahmen fließen in den Digitalfonds, aus dem der Bund in dieser Legislaturperiode bis zu 12 Milliarden Euro für die Förderung von schnellem Internet ausgeben will. Ganz oben auf dem Programm: die Verlegung von Glasfaser bis in Häuser, Unternehmen, Schulen und öffentliche Einrichtungen. Geht es also nun flotter voran, weil die Auktion unerwartet viel Geld eingebracht hat?

In der Branche hat man ganz andere Sorgen. „Auch künftig muss der eigenwirtschaftliche Glasfaserausbau der Unternehmen klaren Vorrang vor Förderung haben“, heißt es beim Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko). Langwierige Vergabe- und Genehmigungsverfahren verzögerten den Ausbau, zudem seien die Preise für Tiefbauarbeiten erheblich gestiegen. Und bereits die Mittel aus dem laufenden Bundesprogramm fließen nur tröpfchenweise ab. Schon vor drei Jahren hatte der Bund dafür 4 Milliarden Euro zugesagt. Tatsächlich abgerufen wurden davon bisher allenfalls 100 Millionen. „Wir brauchen deswegen nicht mehr Fördergelder, wohl aber eine größere Zielgenauigkeit in der Verteilung und eine Priorisierung der Förderung“, sagt Breko-Geschäftsführer Stephan Albers. Und noch lieber wäre ihm, wenn der Bund nicht den Ausbau unterstützt, sondern die Nachfrage ankurbelt: durch Gutscheine für Haushalte und Unternehmen.

Quelle: FAZ.NET
Helmut Bünder
Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.
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