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Digitalpakt Schule

Das digitale Ich der Schüler und Google

Von Carsten Knop
 - 15:36

Für die Überlegungen, auf welchem Weg deutsche Schüler künftig Zugang zu digitalen Lerninhalten bekommen, könnte es ein Durchbruch sein. Unmittelbar nach der lange verzögerten Verabschiedung des „Digitalpakts Schule“ haben sich die Bundesländer schnell darauf geeinigt, eine offene, dezentral organisierte Infrastruktur zu schaffen, die auf schon heute gut funktionierenden Lösungen und Technologien aufbaut: „Zu beschaffende digitale Infrastrukturen sind grundsätzlich technologieoffen, erweiterungs- und anschlussfähig an regionale, landesweite oder länderübergreifende Systeme“, heißt es wörtlich in der Verwaltungsvereinbarung zum „Digitalpakt Schule 2019 bis 2024“.

Was ist ein Vermittlungsdienst?

Im Rahmen dieser Verwaltungsvereinbarung stellt der Bund den Ländern über eine Zeitspanne von fünf Jahren 5 Milliarden Euro zur Steigerung der Leistungsfähigkeit der digitalen kommunalen Bildungsinfrastruktur zur Verfügung. Dabei geht es in erster Linie um Dinge wie WLAN-Anbindungen, Lehrerfortbildung oder Endgeräte. So weit, so bekannt. Doch nur wer das Dokument bis zum Ende liest, stolpert über eine besonders wichtige Formulierung: In ihr wird aber ein sogenannter „Vermittlungsdienst“ als Beispiel für länderübergreifende Investitionsmaßnahmen aufgeführt.

Als Organisator ist dem Vernehmen nach offenbar die gemeinnützige GmbH FWU („Das Medieninstitut der Länder“) vorgesehen. Was aber heißt das? Zum einen gehen Fachleute davon aus, dass nach den Beschlüssen nun ein echter Wettbewerb der Ideen und Lösungen entstehen kann, um das Schulsystem passgenau voran zu bringen. Recht gute Chancen, eingeführt zu werden, könnte dabei zum anderen ein „ID-Vermittlungsdienst“ haben, der sicherstellen soll, dass das Schulsystem, also die Länder, die Hoheit über die digitalen Identitäten (ID) der Schüler behalten und diese nicht an Privatunternehmen wie zum Beispiel die amerikanischen Internet- und Softwarekonzerne Google, Microsoft oder Apple übergehen.

Eine Frage des Identiätsmanagements

„Mit der Einführung eines solchen ID-Vermittlungsdienstes wird die Nutzung digitaler Inhalte und Anwendungen für Schulen keine technische, sondern nur noch eine inhaltliche und gegebenenfalls eine wirtschaftliche Frage sein“, sagt Peter Ganten, ein Bremer Softwareunternehmer, der die Idee in den vergangenen zwei Jahren in Gesprächen mit diversen Kultusministerien vorangetrieben hat. Das Identitätsmanagement spielt deshalb eine entscheidende Rolle, weil es in der Schule oft um die Integration von Inhalten und Diensten Dritter geht, also Angeboten von Schulbuchverlagen, eLearning-Anwendungen oder Clouddiensten.

Der ID-Vermittlungsdienst wiederum sei föderalismusfreundlich und leistungsfähig, da er den Schulen und Schulträgern die freie Auswahl zwischen etablierten und innovativen neuen Bildungsangeboten verschaffe. Zudem funktioniere er zwar bundesweit, belasse den Ländern und Schulträgern jedoch weiterhin die Hoheit über digitale Identitäten sowie und Gestaltungs- und Wahlfreiheit bei den Lehrinhalten.

Der Vermittlungsdienst ist nach der Überzeugung von Ganten zudem schnell umsetzbar und datenschutzkonform, da er auf Internet-Standards basiere und innerhalb von einem Jahr in Betrieb genommen werden könne. Weitere Vorteile aus seiner Sicht sind die vergleichsweise niedrigen Kosten, da er die einzelnen Institutionen, Anbieter und Nutzer im Bildungswesen miteinander verbindet und keine identische IT-Ausstattung voraussetzt.

Vorhandene Systeme können Problem sein

Dazu gehören der sichere Zugang in Schulnetze genauso wie die Einbindung von mobilen Endgeräten von Lehrkräften und Schülern, in Form von „Bring your own device“ (BYOD) sowie „Get your own device“ (GYOD)-Konzepten oder auch der Zugriff auf zentrale Datenablagen. Die notwendigen technischen Standards für eine datenschutzkonforme Authentifizierung seien durch bewährte Dienste wie die „Security Assertion Markup Language“ (SAML) längst gegeben.

Viele Schulträger hätten zwar schon heute ID-Management-Systeme erfolgreich eingeführt; es gibt aber keine einheitlichen Standards. Solche Standards würden es Anbietern von Inhalten und Diensten ermöglichen, die Identitäten, die mit den ID-Systemen verwaltetet werden, für eine sichere Authentifizierung von Schülern oder Lehrern zu nutzen.

Das möglicherweise künftig mit der Koordination beauftragte Medieninstitut der Länder kennt man übrigens noch aus manchem Schulungsmaterial der eigenen Schulzeit: Denn das “FWU Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht gemeinnützige GmbH“ ist bisher vor allem für die Produktion von audiovisuellen Medien und ihrer Verwendung als Lehr- und Lernmittel in Bildung, Erziehung und Wissenschaft zuständig. Tradition trifft hier Moderne: Die Einrichtung gibt es schon seit mehr als 60 Jahren.

Quelle: FAZ.NET
Carsten Knop
Chefredakteur digitale Produkte.
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