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Forschungsprojekt im Südwesten

Wasserstoff für die Verkehrswende

Von Susanne Preuß, Stuttgart
 - 11:40

Aus Wasser kann Treibstoff werden, und das sogar klimaneutral, wenn für die Spaltung der Moleküle in Wasserstoff und Sauerstoff Strom aus erneuerbaren Quellen eingesetzt wird. Für die passenden Brennstoffzellen-Autos gibt es sogar schon ein kleines Tankstellennetz von aktuell 60 Stationen in Deutschland, und große Zulieferer wie etwa Bosch oder Mahle arbeiten an Projekten, damit Lastwagen mit Brennstoffzellentechnik fahren können.

Es gibt aber noch viel zu forschen – und in Baden-Württemberg werden dazu konkrete Pläne vorangetrieben, die das forcieren sollen. Die Hyfab Baden-Württemberg, eine Forschungsfabrik für Brennstoffzellen und Wasserstoff, soll helfen, die Technik weiterzuentwickeln. Vor allem schnelle, automatisierte Fertigungs- und Qualitätssicherungsverfahren für die Brennstoffzellenstapel sollen erarbeitet und erprobt werden. Dazu soll eine offene Plattform entstehen, an der sich Zulieferer und Forschungseinrichtungen andocken können. Ziel ist die Industrialisierung der Brennstoffzellenfertigung, was sich in entsprechend niedrigeren Fahrzeugkosten auswirkt.

Brief nach Berlin

Diese Forschungsfabrik sollte auch vom Bund gefördert werden, lautet nun die Forderung aus Stuttgart. Es gehe um ein enormes Potential sowohl für die notwendige CO2-Reduzierung im Verkehr wie auch für die Profilierung der heimischen Industrie, schreiben der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) sowie seine Kollegin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) aus dem Wirtschaftsministerium in einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU).

„Das Projekt eignet sich hervorragend für eine gemeinsame Realisierung im Schulterschluss von Bund, Land und Industrie“, so ihre Überzeugung. Voraussichtlich werde für das Projekt Hyfab, mit jeweils einem Standort beim Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung in Ulm und am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg in den nächsten zehn Jahren ein Betrag von 74 Millionen Euro benötigt. Ein Viertel davon wolle das Land selbst im Rahmen des Strategiedialogs Automobilwirtschaft zur Verfügung stellen.

Einen möglichen Geldtopf für Bundesmittel haben die Minister aus Stuttgart auch schon im Auge: Es könnten Mittel der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) eingesetzt werden. NOW-Geschäftsführer Klaus Bonhoff hat selbst im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schon davor gewarnt, dass Deutschland in drei bis fünf Jahren in Sachen Brennstoffzelle eine ähnliche Diskussion blühe, wie sie derzeit über die nicht vorhandene Produktion von Batteriezellen für Elektrofahrzeuge geführt werde. Technologisch sei man in Deutschland noch auf Augenhöhe mit den asiatischen Produzenten, so Bonhoff, doch: „Wir sind aber sehenden Auges dabei, diese Position zu verlieren.“

Aktiver Südwesten

In Baden-Württemberg sieht man die Arbeit am Thema Wasserstoff und Brennstoffzelle entsprechend im Kontext mit der Zukunft der Autoindustrie. Es gehe natürlich auch darum, Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Südwesten zu erhalten, betont Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut.

Vor allem für Busse oder Lastwagen könnte die Brennstoffzellentechnologie eine wichtige Rolle spielen, erwartet Umweltminister Untersteller, der fordert: „Unsere Mobilität muss klimaneutral und schadstofffrei werden. Wir brauchen die Verkehrswende.“

Soweit es um die klimaneutrale Gewinnung von Wasserstoff geht, ist man im Südwesten schon aktiv. Im vorigen Herbst hat Energiedienst, eine Tochtergesellschaft des ENBW-Konzerns, in Grenzach-Wyhlen eine Pilotanlage mit einem Elektrolyseur aufgebaut, um mit Ökostrom Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff aufzuspalten. An der Optimierung dieses Prozesses arbeiten vier Forschungsinstitute, auch mit Geld vom Land.

Die Wasserstoffmenge, die hier produziert wird, könnte theoretisch für den Antrieb von rund 1000 Brennstoffzellenautos genutzt werden. Mangels Abnehmern geht der Wasserstoff aber an die chemische Industrie, die ihn zum Beispiel für die Düngemittelproduktion nutzen kann.

Quelle: F.A.Z.
Susanne Preuß
Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.
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