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Geplante Digitalwährung

Wie Facebook für Libra werben will

Von Roland Lindner, New York
 - 07:34
Mit der Ankündigung einer digitalen Währung hat Facebook die Finanzszene in Aufruhr versetzt.

Vor knapp einem Monat hat Facebook seine Pläne für eine neue digitale Währung mit dem Namen „Libra“ publik gemacht. Mit wohl keinem anderen Vorhaben in seiner 15 Jahre währenden Geschichte dürfte das soziale Netzwerk jemals für ähnliche Aufregung gesorgt haben. In den vergangenen Wochen haben sich Politiker und Regulierer in Amerika und auch in Europa zu Wort gemeldet und dabei zum Teil sehr kritische Töne zu dem Projekt angeschlagen.

Auf Facebooks amerikanischem Heimatmarkt kamen Einwände von sehr prominenten Stellen. Präsident Donald Trump verkündete per Twitter, er sei allgemein „kein Fan“ von Kryptowährungen, und Libra werde wenig Verlässlichkeit bieten. In den Vereinigten Staaten gebe es „nur eine echte Währung“, und das sei der Dollar.

Jerome Powell, der Vorsitzende der Notenbank Federal Reserve, meldete in der vergangenen Woche bei einer Anhörung vor dem Kongress „ernsthafte Bedenken“ an, zum Beispiel mit Blick auf Datenschutz, Geldwäsche oder die Stabilität der Finanzmärkte. Ohne eine gründliche Prüfung dieser Dinge dürfe das Projekt nicht umgesetzt werden. Und Finanzminister Steven Mnuchin sagte erst am Montag, Libra bereite ihm Unbehagen – Facebook habe viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

Widerstand aus dem Abgeordnetenhaus

In dieser Woche wird der Konzern versuchen, solche Bedenken in einem sehr öffentlichkeitswirksamen Rahmen vor Ort in Washington aus dem Weg zu räumen: Am heutigen Dienstag ist vor dem Bankenausschuss des amerikanischen Senats eine Anhörung zu Libra angesetzt, bei der David Marcus auftreten soll, der das Projekt im Unternehmen verantwortet.

Am Mittwoch steht in einem Gremium des Abgeordnetenhauses, der zweiten Kammer des Kongresses, eine weitere Anhörung zu dem Thema auf dem Programm. Von dort kam bislang besonders lautstarker Widerstand. Maxine Waters von der Demokratischen Partei, die den Ausschuss führt, hat von Facebook gefordert, die Umsetzung seiner Libra-Pläne auf Eis zu legen, bis sich der Kongress und Regulierer ausführlich damit auseinandergesetzt haben.

Schon am Montag wurde das Manuskript für die Rede verbreitet, die Facebook-Manager Marcus zu Beginn der Anhörung am Dienstag halten will. Demnach will er zwar einerseits für Libra werben, andererseits aber auch viel Entgegenkommen signalisieren. Ein zentraler Punkt, den er besonders hervorheben will, ist sein Versprechen, das Projekt nur dann zu realisieren, wenn es gelingt, regulatorische Einwände zu beseitigen und die relevanten Genehmigungen zu bekommen.

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Nach seinen Worten stellt er sich darauf ein, dass Libra von Regulierern so genau unter die Lupe genommen wird wie noch kein anderes Vorhaben auf dem als „Fintech“ bezeichneten Gebiet innovativer Finanzprodukte. Facebook stimme mit Fed-Chef Powell überein, dass eine gründliche Prüfung des Libra-Projekts notwendig sei. Und die für die geplante neue Währung zuständige Libra Association habe nicht die Absicht, mit offiziellen Währungen zu konkurrieren oder sich in Geldpolitik einzumischen.

Nach Darstellung von Marcus geht Facebook an das Projekt „mit Bescheidenheit“ heran. Aber dem Redetext zufolge will der Facebook-Manager auch in starken Worten vor Versuchen warnen, Libra zu stoppen: „Ich glaube, wenn Amerika bei Innovationen auf dem Gebiet digitaler Währungen und Bezahlsysteme nicht führend ist, werden es andere sein. Wenn wir nicht handeln, könnten wir bald eine Digitalwährung sehen, die von Anderen mit dramatisch verschiedenen Werten kontrolliert wird.“ Ähnliche Drohkulissen bemüht Facebook derzeit mit Blick auf Forderungen aus der amerikanischen Politik nach einer Zerschlagung des Unternehmens. Der Konzern lenkt den Blick nach China und argumentiert, dort gebe es bestimmt keine Bemühungen, einheimische Technologiekonzerne aufzubrechen.

Sitz der Libra Association in der Schweiz geplant

Facebook hat schon im Konzept von Libra versucht, etwaigen Skeptikern entgegenzukommen. Beispielsweise mit dem Versprechen, die mit der Währung verbundenen Finanzdaten separat von anderen Nutzerinformationen zu halten und nicht für die Auswertung zu Werbezwecken zu verwenden. Außerdem soll die Kontrolle über Libra nicht direkt bei Facebook liegen, sondern bei der nicht gewinnorientierten Libra Association, die ihren Sitz in der Schweiz haben und bei der das soziale Netzwerk nur eines von vielen Mitgliedern sein soll: Neben Facebook gehören zu der Organisation unter anderem Zahlungsdienstleister wie Mastercard und Paypal, Unternehmen aus anderen Branchen wie der Fahrdienst Uber und die Musikplattform Spotify sowie Finanzinvestoren.

Bis zum Start von Libra, den sich Facebook für das erste Halbjahr 2020 vornimmt, soll es 100 Mitglieder geben. Nach Angaben im Redetext von Facebook-Manager Marcus soll die Libra Association wegen ihres Sitzes in der Schweiz unter der Aufsicht der dortigen Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA stehen. Allerdings strebe sie auch eine Registrierung als Finanzdienstleister bei der zum amerikanischen Finanzministerium gehörenden Behörde Fincen an, die für die Bekämpfung von Finanzdelikten zuständig ist.

Das soziale Netzwerk selbst will von der geplanten Digitalwährung mit seiner neuen Sparte Calibra profitieren, die Finanzdienstleistungen anbieten soll. Das erste Produkt soll eine digitale Geldbörse sein, die in Facebooks Kurznachrichtendienste Whatsapp und Messenger integriert und auch als separate Smartphone-App verfügbar sein soll. Deren Nutzer sollen sich zum Beispiel kostenlos oder gegen geringe Gebühren untereinander Geld schicken oder mit Libra für Dinge bezahlen können.

Nach den Worten von Marcus rechnet das soziale Netzwerk nicht damit, mit Calibra sofort Geld zu verdienen, jedenfalls nicht direkt. Aber es erhoffe sich „unmittelbaren Nutzen“ davon, dass viele der 90 Millionen Unternehmen, die auf seinen Plattformen vertreten seien, einen neuen Weg hätten, Transaktionen mit Nutzern abzuwickeln. Dies werde hoffentlich dafür sorgen, dass Facebook von seinen Mitgliedern und auch von Unternehmen stärker genutzt werde – und dies werde „wahrscheinlich“ für höhere Werbeumsätze sorgen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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