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Folge der Digitalisierung

Warum die Gewinne deutscher Konzerne (erstmal) sinken

Von Georg Giersberg
 - 13:26

Die deutschen Konzerne kämpfen mit sinkenden Margen. Mit diesem Satz überschreibt die Beratungsgesellschaft EY ihre jüngste Analyse der Entwicklung der 100 umsatzstärksten börsennotierten deutschen Unternehmen. Zwar hätten die 100 größten börsennotierten Unternehmen ihren Umsatz in den ersten neun Monaten 2018 (Januar bis September) noch einmal um ein Prozent auf 1,25 Billionen Euro erhöht – was auch immer noch eine Umsatzsteigerung um absolute 12 Milliarden Euro ist. Aber der Gewinn (vor Steuern und Zinsen, Ebit) sei gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um sieben Prozent auf knapp 105 Milliarden Euro gesunken.

„Dementsprechend ging auch die Profitabilität zurück: Die durchschnittliche Ebit-Marge sank von 9,2 auf 8,4 Prozent“, schreibt EY und greift damit eine aktuelle Diskussion auf. Schon seit längerem wird darüber diskutiert, warum die Profitabilität trotz allgemeiner Digitalisierung nicht steigt. Schaut man sich die Zahlen etwas näher an, sieht es nicht so düster aus.

Zum einen ist die Profitabilität in der (stark von der Digitalisierung profitierenden) Informationstechnologie am stärksten gestiegen (plus 39 Prozent). Auch der Waferhersteller Siltronic liegt mit einer Marge von 34 Prozent weit vorn. Den stärksten Rückgang von 56 Prozent verzeichnet der von der Digitalisierung negativ betroffene Handel. Absolut, wenn auch mit geringen Rückgängen, fahren immer noch die Autohersteller Volkswagen und Daimler die höchsten Gewinne ein vor Bayer und BMW.

„Wer voll digitalisiert, der gewinnt auch wieder Produktivität“

Dass sich aber bei den Autoherstellern wie in den meisten Industrieunternehmen die Produktivität nicht so stark erhöht, sieht Klaus Helmrich, Vorstandsmitglied der Siemens AG, als ein vorübergehendes Phänomen an. „In Zeiten der Umstellung von der analogen auf die digital begleitete Fertigung überwiegen die Komplexitätskosten. Aber dauerhaft wird die Digitalisierung auch wieder zu nennenswerten Produktivitätssteigerungen führen“, ist er überzeugt.

Die Digitalisierung führe bereits heute zu Produktivitätssteigerungen zwischen drei und sieben Prozent im Jahr, die aber von den Komplexitätsaufwendungen überkompensiert werden. Zu diesen Aufwendungen gehören Parallelarbeiten, Programmierkosten, Abschreibungen für Investitionen, Anlaufschwierigkeiten und Ähnliches. „Wer voll digitalisiert, der gewinnt auch wieder Produktivität“, sagt Helmrich.

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Dem schließt sich sein Kollege Franz Kainersdorfer, Vorstandsmitglied der österreichischen Voest-Alpine, an: „Produktivität sinkt bei geringer Beherrschung der Flexibilität.“ Wenn die mit der digitalen Vernetzung einhergehende Flexibilität erst einmal gut beherrscht werde, steige auch die Produktivität wieder. In diese Richtung ist auch die Analyse durch EY zu interpretieren. Matthieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung von EY Deutschland, begrüßt die zunehmende Bedeutung der deutschen IT-Branche – ablesbar an Umsatzentwicklung (plus 16 Prozent) und Gewinn (plus 39 Prozent).

„Entscheidend für Deutschland ist aber, dass die klassischen Industriebranchen – allen voran Maschinenbau und Automobilindustrie – die anstehenden technischen Umbrüche meistern und ihre Geschäftsmodelle erfolgreich an die neuen Spielregeln in einer stark digitalisierten Welt anpassen. Trends wie Industrie 4.0 bieten die Chance, die deutsche Führungsrolle als Industrieausrüster zu festigen und auszubauen und gleichzeitig Beschäftigung und Wachstum zu sichern.“

Obwohl die Aussichten für die nächsten Monate vor allem aus politischen Gründen (ungeordneter Brexit, Handelskrieg der Vereinigten Staaten mit China und Europa, Naher Osten) eher düster sind, haben 82 Prozent der einhundert größten Unternehmen in diesem Jahr ihre Belegschaften noch einmal aufgestockt. Sie beschäftigen mit 5,2 Millionen sogar 2,5 Prozent mehr Mitarbeiter als vor einem Jahr.

Als wichtiger Treiber des Personalaufbaus werden Digitalisierung und Elektromobilität genannt. Beide Faktoren führen auch zu einer Erhöhung der Investitionen. „Diese Investitionen belasten kurzfristig zwar die Marge, sind aber entscheidend für die Zukunftsfähigkeit der Konzerne und des Standortes Deutschland“, betont Meyer.

Quelle: F.A.Z.
Georg Giersberg
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.
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