Hilfe bei Digitalisierung

Altmaier: „Team aus Estland einfliegen“

Von Stephan Finsterbusch, Frankfurt
12.04.2021
, 12:18
Deutschland hinkt hinterher, während Estland vormacht, wie Digitalisierung geht. Wirtschaftsminister Altmaier kann sich deshalb vorstellen, dort um Hilfe zu bitten. Was in Estland Standard ist, ist für Deutschland noch Zukunftsmusik.

Deutschland und Europa müssen bei der Digitalisierung vieler Bereiche in Staat, Gesellschaft und auch Wirtschaft nachsitzen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sagte in einem Live-Streaming auf der Hannover Messe, die Pandemie müsse nicht nur schleunigst überwunden, sondern auch dafür genutzt werden, Rückstände gegenüber Amerika und China aufzuholen. Dafür seien auf breiter Front wegweisende Innovationen nötig: in der Datenökonomie, in der Industrie 4.0, im Klimaschutz und in einer völlig neuen Art der Landwirtschaft.

Die Digitalisierung sei ein Thema von absoluter Priorität. „Wenn das hier nicht so richtig klappt, wäre ich auch bereit, das beste Digital-Team aus Estland einzufliegen, um hier schneller voranzukommen.“ Estland ist zwar ein kleines Land, gilt aber in Europa als Vorreiter der Digitalisierung. Das baltische Land hat vor Jahren schon sämtliche Dienstleistungen der öffentlichen Hand und viele Dienstleistungen von Unternehmen ins Internet verlegt. Deshalb nennt sich das Land selbst auch gern „E-Estonia“.

Nahezu alle Behördengänge sind mit ein paar Klicks von zu Hause aus zu erledigen. Mehr als 3000 Dienstleistungen können digital abgewickelt werden. Als Schlüssel zu den digitalen Möglichkeiten dient die Bürgerkarte, die gleichzeitig Ausweis, Führerschein, Versichertenkarte und mehr ist. Auch hat das Land schon digitale Klassenzimmer. Schon Mitte der neunziger Jahre wurde ein Programm initiiert, um alle estnischen Schulen innerhalb von fünf Jahren mit einem Internetzugang und Computern zu versorgen.

In Deutschland ist das nach wie vor Zukunftsmusik. Bis 2022 wollen Bund, Länder und Kommunen rund 600 Dienste der Verwaltungen, wie Ausweis- und Führerscheinausstellung bis hin zum Elterngeld nach einheitlichen Standards online anbieten. Die digitale Plattform-Ökonomie „führt dazu, dass für Konsumenten und Bürger mehr Transparenz, mehr Wettbewerb und damit geringere Preise möglich werden“, sagte Altmaier.

Allerdings kommen die großen Unternehmen und Marktführer hier allesamt aus China und Amerika. Europa spielt bestenfalls in der zweiten Reihe. Das müsse sich ändern.

Quelle: FAZ.NET
Stephan Finsterbusch  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Stephan Finsterbusch
Redakteur in der Wirtschaft.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot