Apple Entwicklerkonferenz

Schlauer, nützlicher, benutzerfreundlicher

05.06.2018
, 07:47
Apple-Chef Tim Cook auf der Entwicklerkonferenz WWDC in San Jose, Kalifornien.
Apple macht Siri schlauer und seine Computer-Uhr nützlicher. Insgesamt liegt der Fokus der neuen Funktionen auf Benutzerfreundlichkeit – und mehr Kontrolle für den Nutzer.
ANZEIGE

Apple will sich mit neuen Software-Funktionen tiefer im Alltag seiner Kunden verankern. Die Assistenzsoftware Siri soll mit der nächsten Version des iPhone-Betriebssystems häufiger von alleine mitdenken. Mehr Aufgaben sollen direkt auf der Computer-Uhr Apple Watch erledigt werden. Und die Videochat-Software FaceTime unterstützt jetzt Gruppen-Unterhaltungen von bis zu 32 Nutzern. Im Webbrowser Safari verbessert Apple den Datenschutz und lässt Nutzer unter anderem den Datenaustausch mit Werkzeugen wie Facebooks „Like“-Button einfach unterbinden. Damit legt sich Apple direkt mit dem weltgrößten Online-Netzwerk an.

ANZEIGE

Siri soll im Wettbewerb mit Google und Amazon häufiger automatisch erstellte Vorschläge für die nächsten Aktionen machen. So könnte zum Beispiel am Morgen im Sperrbildschirm rechtzeitig der Vorschlag auftauchen, das übliche Kaffeegetränk über eine App im gewohnten Lokal zu bestellen.

Nutzer werden zudem Siri in mehr Apps einsetzen und ganze Bündel an automatisierten Aktionen programmieren können, die mit einem Schlüsselsatz ausgelöst werden, wie Apple zum Auftakt seiner Entwicklerkonferenz WWDC am Montag ankündigte. Nach den Worten „Ich fahre nachhause“, könnte das Telefon zum Beispiel die Fahrzeit ermitteln und der Familie eine Nachricht schicken. Apple steht unter einem gewissen Druck, Siri zu verbessern: Der Software wird oft vorgehalten, schlechter zu funktionieren als Amazons Alexa und der Google Assistant.

Wann kommen die neuen Geräte?

Ein Schwerpunkt beim nächsten iPhone-System iOS 12 ist die sogenannte „erweiterte Realität“ (“Augmented Reality“, AR), bei der reale Umgebung und virtuelle Objekte auf dem Bildschirm vermischt werden. Unter anderem bekommen die iPhones eine Apple-App, mit der Gegenstände vermessen werden können. Außerdem können nun zwei Nutzer mit den selben virtuellen Objekten in realer Umgebung interagieren. Das soll zum Beispiel neue Spiel-Erlebnisse ermöglichen.

ANZEIGE

Gemeinsam mit dem Animationsstudio Pixar entwickelte Apple ein neues Datenformat für virtuelle Inhalte. Damit kann zum Beispiel ein 3D-Gegenstand wie eine Kaffeemaschine oder eine Gitarre einfacher bearbeitet, verschickt und auch in Web-Ansichten integriert werden. Neu sind animierte Avatare für Apples Kommunikations-Dienste wie den SMS-Ersatz iMessage. Dabei erkennt die Kamera künftig auch eine ausgestreckte Zunge.

Wie schon erwartet, bekommt iOS 12 Funktionen, die einer übermäßigen Nutzung von iPhones und iPad-Tablets vorbeugen sollen. Den Tech-Konzernen wird oft vorgeworfen, ihre Geräte und Dienste machten Leute süchtig. Mit den neuen Werkzeugen werden Nutzer unter anderem sehen können, wie viel Zeit sie in einzelnen Apps verbringen, und sich Limits setzen. Eltern werden einschränken können, wie lange und wann ihre Kinder die Geräte und auch verschiedene Anwendungen nutzen können.

Ob Pod, Pad oder Watch - Technik verändert das Leben.
Ob Pod, Pad oder Watch - Technik verändert das Leben. Bild: AFP

Ankündigungen neuer Geräte gab es nicht. Apple stellt neue iPhones traditionell im September vor – und andere Geräte ohne festen Rhythmus. Apple betonte zugleich, dass das nächste iPhone-System auch ältere Telefone schneller machen solle, allein dadurch, dass die Software die Computer-Ressourcen besser verwalte. So sollen Apps selbst auf einem iPhone 6 zum Teil 40 Prozent schneller starten und die Kamera 70 Prozent schneller. Bisher hatten Nutzer oft den Eindruck, die neuen Software-Version mit mehr Funktionen machten ihre älteren Geräte langsamer.

ANZEIGE

Viele neue Funktionen gibt es für die Computer-Uhr Apple Watch. Aufgaben wie das Einchecken für einen Flug sollen direkt auf ihrem kleinen Bildschirm ohne den Griff zum Smartphone erledigt werden können. Mit einem Walkie-Talkie-Modus können sich zwei Nutzer künftig direkt von Uhr zu Uhr unterhalten. Die Watch kann künftig auch Web-Inhalte anzeigen und bekommt eine Podcast-App. Außerdem muss man zur Uhr nicht mehr „Hey, Siri“ sagen, um die Assistenzsoftware zu starten - es reicht schon aus, den Arm zu heben und in die Uhr reinzusprechen.

Im kommenden Jahr werde Apple es einfacher machen, iOS-Apps auf Mac-Computer zu bringen, kündigte Software-Chef Craig Federighi an – ungewöhnlich frühzeitig für Apple. In den vergangenen Jahren war immer wieder über ein solches Projekt des Konzerns spekuliert worden. Komplett wolle Apple iOS und macOS aber nicht miteinander verschmelzen, betonte Federighi.

ANZEIGE

Apples WWDC-Ankündigungen auf einen Blick

„Memoji“

Die Software erstellt für Apples Chat-App animierte Avatare mit den Gesichtszügen eines Nutzers, die man noch anpassen kann. Die
„Tongue Detection“ erkennt jetzt auch ausgestreckte Zungen.

Gruppen-Unterhaltungen für FaceTime

Bis zu 32 Nutzer gleichzeitig können sich künftig ein Apples Videochat-App zusammenschalten. Wer
gerade spricht, kommt in den Vordergrund.
Bisher konnten sich nur zwei Nutzer unterhalten.

Vermessen mit „erweiterter Realität“

Auf dem iPhone-Bildschirm soll man mit einer neuen App sehr einfach Abmessungen der Gegenstände in der realen Umgebung erfahren können. Mit den Neuerungen werden künftig auch zwei Nutzer mit ein und den selben virtuellen Objekten in erweiterter Realität miteinander spielen können.

Dateiformat für 3D-Objekte

Das gemeinsam mit dem Aminationsstudio Pixar entwickelte Format USDZ soll helfen, virtuelle Gegenstände zu verschicken und auf dem Display leichter in reale Umgebungen oder Websites einzubauen.

Mehr Privatsphäre in Safari

Facebooks „Like“-Buttons oder die Kommentar-Funktion sammeln auch einige Daten - Apples Webbrowser schneidet diese Übermittlung jetzt erstmal ab, wenn Nutzer sie nicht ausdrücklich freischalten. Das ist ein Schuss gegen Facebook.

Die Apple Watch wird nützlicher

Mehr Aufgaben sollen man künftiger direkt aus Benachrichtigungen auf dem Bildschirm der
Computer-Uhr erledigen können, ohne das Smartphone rauszuholen. Zum Beispiel für einen Flug einchecken oder dem Restaurant Bescheid geben, dass man sich verspätet. Mit einer Walkie-Talkie-Funktion können sich zwei Nutzer direkt von Uhr zu Uhr unterhalten. Apples Podcast-App kommt erstmals direkt auf die Uhr und sie zeigt künftig auch Web-Inhalte an. Käufer der drei Jahre alten ersten Version werden auf diese Funktionen aber verzichten müssen.

Fremde Karten-Apps für CarPlay

Wer sein iPhone im Auto über Apples CarPlay-Software anschließt, kann für die Navigation künftig auch Kartendienste anderer Anbieter wie Google Maps oder Waze nutzen.

Besserer Kino-Sound fürs AppleTV

Die Fernsehbox des Konzerns unterstützt künftig auch das fortschrittliche Mehrkanal-Ton-Format Dolby Atmos. In Amerika soll man über das Gerät automatisch Zugang zu Apps abonnierter Kanäle bei einigen Kabelnetz-Betreibern bekommen.

Das Zusammenspiel zwischen Mac-Computern und iPhones wird verbessert

Die Kamera kann sich zum Beispiel automatisch einschalten, wenn ein Bild auf dem Notebook gebraucht wird. Im kommenden Jahr soll es für Entwickler auch einfacher werden, iPhone-Apps mit nur wenigen Veränderungen auf den Mac zu bringen. Beim diesjährigen macOS "Mojave" macht Apple mit den Aktien- und Sprachnotiz-Apps zunächst selber vor, wie das geht.

ANZEIGE

Gegen die iPhone-Sucht

Nutzer sollen künftige einfacher die Zeit einschränken können, die sie in einzelnen Apps verbringen - Eltern können auch´Limits für ihre Kinder setzen.

Digitale Studentenausweise auf iPhone und Apple Watch

Der Konzern öffnet einigen amerikanischen Hochschulen den Zugang zum NFC-Funkchip in den Geräten.

Weniger Gesten-Wirrwarr

Um sich Kontrollzentrum und Benachrichtigungen anzeigen zu lassen, muss man aktuell auf dem iPhone X an anderen Stellen des Displays wischen als auf anderen iOS-Geräten. Jetzt kommen die neuen Gesten auch auf das iPad.

Quelle: jsa./dpa
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE