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Alibaba und die chinesische Zwangsheirat

Von Hendrik Ankenbrand, Schanghai
02.02.2021
, 14:53
Jahrelang hatten Anleger geglaubt, Chinas Internetkonzern sei frei vom Einfluss der Partei. Nun gibt es ein böses Erwachen.

Jack Ma ist verheiratet. Eine zweite Ehe brauche er nicht, hat der Gründer von Alibaba klargemacht, bevor sein Internetkonzern in New York den bis dahin größten Börsengang der Geschichte hinlegte. Im amerikanischen Fernsehen gefragt, wie eng seine Verbindung zu Chinas Regierung sei, antwortete Ma: „Wir lieben sie. Wir heiraten sie nicht.“ Das war die größte Sorge der ausländischen Anleger, bevor die Alibaba-Aktie Ende September 2014 an den Start ging: Dass in einer Diktatur wie China, in dem die Kommunistische Partei nach eigener Aussage „überall“ herrscht, sich die Regierung den Konzern irgendwann einverleiben könnte.

Als Alibaba am Dienstag sein jüngstes Quartalsergebnis bekannt gab, stand die Frage nach über sechs Jahren wieder im Raum: Ob das Unternehmen nicht tatsächlich bald zwangsverheiratet ist mit Chinas Staat und Partei. Schließlich wird seit vergangenen Oktober genau diese Option von seriösen Analysehäusern wie Gavekal Dragonomics aus Peking in seitenlangen Abhandlungen diskutiert: Die „Enteignung von Anlegern und die vollständige oder teilweise Verstaatlichung“ des Unternehmens. Dessen Börsenwert ist in nur zwei Monaten bis Ende des vergangenen Jahres um ein Drittel gesunken, obwohl die Chinesen während der Pandemie auf den virtuellen Marktplätzen von Alibaba so viele Waren bestellt haben wie nie zuvor und dem Konzern abermals ein Rekordergebnis beschert haben.

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Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Ankenbrand, Hendrik
Hendrik Ankenbrand
Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.
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