Smartes Zuhause

„Der Preisdruck geht oft zu Lasten der Sicherheit“

30.08.2018
, 17:32
Bosch präsentiert auf der IFA seine Smart-Home-Lösungen.
Jeder vierte Deutsche hat eine Smart-Home-Anwendung im Haushalt. Doch der Chaos Computer Club warnt vor Sicherheitslücken – und hat einen Vorschlag an die Politik.
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Auf der Elektronikmesse IFA in Berlin werden derzeit die neuesten Smart-Home-Entwicklungen präsentiert. Die Branche verspricht Verbrauchern mit den vernetzten Geräten unter anderem mehr Komfort und eine effizientere Energienutzung. Fachleute warnen nun vor Sicherheitslücken.

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„Bei den Geräten haben wir es mit Computern zu tun, die oftmals auf billige Weise produziert wurden“, sagt Linus Neumann, Sprecher des Chaos Computer Clubs. „Der Preisdruck in der Branche geht oft zu Lasten der Sicherheit, im Speziellen zu Lasten der Softwarequalität und der Nachsorge.“

Unter Smart Home versteht man die Vernetzung von Haushaltstechnik. Dazu gehören intelligente Beleuchtungs- und Heizsysteme, Video-Überwachung und Sprachassistenten. Aber auch smarte Kühlschränke, die den Inhalt erkennen, oder vernetzte Spülmaschinen, die neue Tabs bestellen, wenn der Vorrat zu Neige geht.

Digitale Assistenten nur mit viel Aufwand zu hacken

Dass der vernetzte Haushalt hierzulande kein Nischenphänomen mehr ist, zeigt eine Studie des Branchenverbands Bitkom. Demnach hat jeder vierte Deutsche mindestens eine Smart-Home-Anwendung im Haushalt installiert. Doch manche Verbraucher plagen Sicherheitsbedenken. So fürchten 26 Prozent der Befragten, die noch keine Smart-Home-Anwendungen gekauft haben, Hackerangriffe. Nach einer neuen Umfrage des Analyseunternehmens Yougov hat sogar die Hälfte der Deutschen Angst, von digitalen Sprachassistenten abgehört zu werden.

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Auf einer Sicherheitskonferenz hatten Hacker demonstriert, dass es möglich ist, den digitalen Assistenten Amazon Echo zu knacken und als Spionagegerät einzusetzen, jedoch nur mit viel Aufwand. Nun haben 49 Prozent der Deutschen ihre Sorge geäußert, abgehört zu werden, wenn sie einen digitalen Sprachassistenten nutzen. Nur ein Drittel sieht demnach dem Einsatz von Sprachassistenten angstfrei entgegen.

Von der Politik fordert der Chaos Computer Club, Hersteller stärker in die Verantwortung zu nehmen. So solle es eine gesetzliche Verpflichtung für Sicherheitsupdates geben. Sinnvoll sei auch eine Kennzeichnungspflicht für eine Art Verfallsdatum, beispielsweise: "Dieses Gerät ist mindestens fünf Jahre mit Updates versorgt."

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Generell sollten sich die Verbraucher darüber im Klaren sein, dass mit Hilfe der Geräte Daten gesammelt und übertragen werden, betonte Neumann. Sie sollten sich fragen, ob dieser Bereich auch noch zu Kommerzzwecken genutzt werden muss. "Es gibt kaum mehr Bereiche, auf die die großen Datensammler keinen Zugang mehr haben", erklärt Neumann. "Produkte wie der Herd oder die Spülmaschine werden zu den neuen Datenquellen der großen Konzerne."

Quelle: tih./dpa
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