Reaktion auf Brexit

Dialog Semiconductor verlegt seinen EU-Hauptsitz nach Schwaben

Von Oliver Schmale, Stuttgart
05.01.2021
, 18:50
Britisch-deutsche Unternehmen stellt der Brexit vor besondere Herausforderungen. Dialog Semiconductor denkt deshalb nun an seine schwäbischen Wurzeln zurück.

Der deutsch-britische Chip-Entwickler Dialog Semiconductor reagiert auf den endgültigen Austritt Großbritanniens aus der EU. Das börsennotierte Unternehmen wählt Deutschland und den dortigen Sitz Kirchheim/Teck bei Stuttgart als neuen EU-Hauptsitz. In der schwäbischen Kleinstadt, in der das Unternehmen mit 2300 Beschäftigten auf der Welt seine Wurzeln hat, ist unter anderem seit Jahren die Forschung und Entwicklung angesiedelt. In Deutschland sind 390 Mitarbeiter beschäftigt.

Dialog Semiconductor war im vergangenen März das erste „Brexit-Opfer“ am deutschen Aktienmarkt. Der Chip-Entwickler war zum 23. März aus dem Nebenwerteindex M-Dax gefallen, weil sein Firmensitz in Reading bei London seit dem 1. Februar außerhalb der Europäischen Union liegt. Nach den Regeln der Deutschen Börse müssen Unternehmen, die in ihren Aktienindizes gelistet sind, in Deutschland, der EU oder der Efta beheimatet sein.

„Wir haben keine Informationen, dass sich an der Index-Frage etwas ändert“, sagte eine Sprecherin des Chip-Entwicklers auf Anfrage. Die Aktien seien in Frankfurt zum Handel zugelassen, und dies sei die einzige Zulassung, um Dialog-Aktien in der EU handeln zu können, hieß es zur Wahl des EU-Hauptsitzes. Die EU definiert Großbritannien seit dem 1. Januar infolge des Brexits als Drittstaat.

Positiver Ausblick

Das Unternehmen, dessen regulatorischer Sitz weiterhin Großbritannien bleibt, profitiert von einer starken Nachfrage nach 5G-Telefonen und Tablets und blickt optimistischer auf die Geschäftsentwicklung. Die Erlöse dürften im vierten Quartal bei 436 bis 441 Millionen Dollar gelegen haben. Bisher war Dialog von 380 bis 430 Millionen Dollar ausgegangen. Die positive Entwicklung der Nachfrage dürfte auch im ersten Quartal andauern, hieß es weiter.

Die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2020 will Dialog am 3. März vorlegen. Die Anleger freuten sich. Der Anteilsschein notierte am Dienstagnachmittag bei 46,30 Euro. Dialog sei auf dem Weg, ab 2021 wieder zum Wachstum zurückzukehren, kommentierte Analyst Achal Sultania von der Schweizer Großbank Credit Suisse. Verhaltener zeigte sich RBC-Analyst Mitch Steves. So sei die Prognose zwar insgesamt positiv zu bewerten, die Anhebung an sich aber eher moderat.

Mit der Wahl Deutschlands zum EU-Hauptsitz seien nun die Regeln der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht das Maß aller Dinge, sagte die Dialog-Sprecherin weiter. Als Beispiel nannte sie Stimmrechtsmitteilungen, die nun Pflicht seien. Solche Mitteilungen müssen bei Über- oder Unterschreitung bestimmter Schwellenwerte unverzüglich, spätestens innerhalb von vier Handelstagen gemacht werden.

Der Halbleiterzulieferer hatte im vergangenen Sommer den amerikanischen Schaltkreis-Spezialisten Adesto übernommen und sich damit breiter aufgestellt. Zuletzt hatte der Halbleiterentwickler seine Aktivitäten mit Stromsteuerungshalbleitern an den früheren amerikanischen Großabnehmer Apple veräußert. Diese Transaktion hatte Umsatz gekostet. Apple verspricht sich von einer eigenen Chip-Entwicklung, dass seine Computer deutlich schneller und stromsparender arbeiten. Dialog lässt überwiegend Chips in Asien fertigen und hat in den vergangenen Jahren seine Abhängigkeit von Apple verringert.

Quelle: F.A.Z.
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