Verkauf von Ersatzteilen

Apple macht Kehrtwende mit Reparaturen

Von Roland Lindner und Thiemo Heeg
18.11.2021
, 17:31
Ein gesplitterter Touchscreen eines iPhones: Apple wird künftig den Zugang zu Original-Ersatzteilen nicht mehr so stark begrenzen wie bisher.
Der Tech-Konzern hat sich lange gesträubt, seinen Kunden das Reparieren von Geräten zu ermöglichen. Das ändert sich jetzt – auch auf Druck der Politik. Das „Self-Service-Repair“-Angebot soll nächstes Jahr starten.
ANZEIGE

Was tun, wenn der Bildschirm am iPhone zerbricht oder die Batterie an Leistung verliert? Apple war bislang berüchtigt dafür, es seinen Kunden in diesen Fällen nicht leicht zu machen. Es war oft umständlich oder mit Hürden verbunden, die Geräte wieder funktionsfähig machen zu lassen. Dabei weigerte sich Apple, seinen Kunden selbst Reparaturen zu ermöglichen.

ANZEIGE

Der Konzern argumentierte, dazu sei Expertise nötig, die den meisten Kunden fehle, und unsachgemäße Reparaturen könnten die Produkte beschädigen. Oft erscheint es deshalb als die einfachste Option, ein neues Gerät zu kaufen. Das allerdings steht im Kontrast zu Apples eigenem Anspruch, Trendsetter bei Öko-Standards zu sein.

Um diesen Zielkonflikt aufzulösen, leitete der Konzern eine bemerkenswerte Kehrtwende ein: Apple hat ein Angebot mit dem Namen „Self Service Repair“ angekündigt und will damit künftig Ersatzteile und Werkzeuge zur Reparatur direkt an Kunden verkaufen. Es soll Anfang 2022 in den USA starten und dann im Laufe des Jahres auch in anderen Ländern. Zunächst soll es iPhones der Modellreihen 12 und 13 umfassen, gefolgt von bestimmten Macintosh-Computern. Am Anfang soll der Schwerpunkt auf Komponenten wie Bildschirmen, Batterien und Kameras liegen, die besonders oft repariert werden.

„Recht auf Reparatur“

Apple und auch vielen anderen Elektronikherstellern ist bislang vorgeworfen worden, nicht genug Optionen fürs Reparieren zu bieten, und es gab in jüngster Zeit immer mehr Druck von Politikern sowie von Verbraucher- oder Umweltschutzgruppen, hier rasch nachzubessern. Entsprechende Initiativen werden oft unter dem Namen „Recht auf Reparatur“ zusammengefasst. Der US-Präsident Joe Biden hat in diesem Jahr die Verbraucherschutzbehörde FTC per Dekret angewiesen, Regeln zu entwickeln, die Verbrauchern mehr Möglichkeiten für Reparaturen geben.

ANZEIGE

Ein auf nachhaltige Geldanlagen spezialisierter Apple-Investor hat unlängst einen Aktionärsantrag eingereicht, der auf Änderungen der Repaturpolitik abzielt. Wer bisher ein Apple-Gerät reparieren lassen will, kann in einen der mehr als 500 Apple-Läden gehen oder zu einem der rund 5000 vom Unternehmen autorisierten Partnergeschäfte. Apple hat außerdem vor zwei Jahren ein Programm gestartet, dass auch unabhängigen Dienstleistern Zugang zu Originalersatzteilen gibt. Viele Kritiker hielten die bisherige Auswahl freilich für unzureichend.

Die auf Reparaturen von Elektronikgeräten spezialisierte Plattform iFixit begrüßte die Ankündigung von Apple und nannte sie „ein bemerkenswertes Zugeständnis an unsere kollektive Kompetenz“. Wie viele Besitzer von Apple-Geräten das neue Angebot nutzen, muss sich freilich noch zeigen. Der Konzern selbst sagt, das Programm sei für „Techniker“ mit entsprechendem Know-how gedacht, und für die „weit überwiegende Mehrheit“ von Kunden werde es die beste Lösung bleiben, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Damit schürt er also selbst Zweifel in der Branche, dass sich für ihn ein großes neues Geschäftsfeld auftun könnte. Er verrät bislang noch nicht, wie viel die Ersatzteile und Werkzeuge kosten sollen.

ANZEIGE

Konkurrent Samsung

Apples Hauptkonkurrent Samsung bietet noch keine Ersatzteile, hat allerdings ein Handy im Angebot, bei dem die Besitzer die Akkus selbst austauschen können. Ansonsten macht der Konzern mit Reparaturdiensten gute Geschäfte. Kunden können ihre Geräte einschicken oder bei einem der sogenannten Customer Service Plazas vorbeibringen, darüber hinaus gibt es einen „Express Repair Bus“, für dessen Bestellung eine Anfahrtspauschaule von zehn Euro anfällt. Derzeit jedoch steht dieser mobile Service laut Samsung „wegen einer technischen Störung“ nicht zur Verfügung.

Der Handy-Weltmarktführer wurde unlängst von der Stiftung Warentest deswegen gelobt. „Keiner repariert Samsung-Handys günstiger als der Hersteller selbst“, stellten die Tester im April 2020 in einem Vergleich von Smartphone-Reparaturdiensten fest. Samsung erhielt die Gesamtnote „gut“ (2,4), acht anderen bekamen lediglich ein „befriedigend“. Kunden können auf der Homepage die Kosten selbst ermitteln. Für das Spitzenmodell Galaxy S21 kostet ein Wechsel des kompletten Display-Moduls 189 Euro, den Akku tauscht Samsung für 73 Euro aus.

Quelle: F.A.Z.
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
Twitter
Thiemo Heeg - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Thiemo Heeg
Redakteur in der Wirtschaft.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE