Knaus Live Wave 700 MEG

Solide Schreinerarbeit aus dem Bayerwald

Von Michael Kirchberger
21.07.2018
, 15:38
Reisen mal anders: Der neue Knaus Live Wave 700 MEG ist durchaus urlaubstauglich.
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Die Form folgt der Funktion und dem Kostendruck. Teure Bauteile gibt es nicht, der Aufbau ist in klaren Linien gefertigt. Das steht auch einem Basismodell gut, einen billigen Eindruck macht der Knaus Live dennoch nicht.
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Teilintegrierte Reisemobile sind en vogue. Nach den ausgebauten Kastenwagen rangieren sie auf Platz zwei der Beliebtheitsskala der Kunden. Vor allem, seit sich die Anzahl ihrer Betten an Bord durch eine absenkbare Liegestatt, die meist in Wagenmitte über der Sitzgruppe eingebaut auf ihren Einsatz wartet, um zwei vergrößert hat. Knaus hat im vorigen Jahr die Einsteiger-Baureihe Live neu vorgestellt und gleich beide Varianten mit weniger oder eben mehr Schlafstellen ins Programm aufgenommen. Das Kürzel Ti steht für die Versionen ohne, Wave für die Modelle mit Hubbetten. Das Spitzenmodell Live Wave 700 MEG hat dank zweier gurtgesicherter Sitze im Wohnraum während der Fahrt und über Nacht Platz für vier Camper, das Grundmodell, trotz 7,52 Meter Länge noch in der 3,5-Tonnen-Klasse beheimatet, kostet wenigstens 57.790 Euro.

Die Form folgt der Funktion und dem Kostendruck. Teure GfK-Bauteile für das Heck gibt es nicht, der Aufbau ist solide und holzfrei in klaren Linien aus Mehrschichtplatten mit Glattblech-Außenhaut gefertigt. Das steht auch einem Basismodell gut, einen billigen Eindruck macht der Knaus Live nicht. Im Gegenteil, der Innenraum braucht den Vergleich mit teureren Reisemobilen aus der Premium-Klasse nicht zu scheuen. Kontrastreich sind die Möbelfronten mit weißem Glanzlack und graubraunem Holzdekor gestaltet, der Boden imitiert die Deckbeplankung einer Yacht und macht einen strapazierfähigen Eindruck. Mit braun-beigen Stoffen sind die straffen Sitzpolster bezogen, das Dekorpaket für rund 140 Euro, zu dem eine Decke zum Kuscheln und eine für den Tisch sowie zwei Kissen gehören, setzt mit Lila-Färbung einen mutigen Kontrapunkt. Die Farbpalette ist nicht jedermanns Geschmack, immerhin bietet Knaus zwei alternative Ausstattungsstile an.

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Tadellose Verarbeitungsqualität

Der Grundriss des 700 MEG zählt zu den beliebtesten Raumaufteilungen dieser Klasse. Die beiden Längsbetten im Heck lassen sich über eine Treppenstufe leicht erreichen, der breite Trennspalt zwischen ihnen kann mit einem Zusatzpolster geschlossen werden. Es grenzen auf der Beifahrerseite der Waschraum mit separater Duschkabine und Kassettentoilette an, gegenüber hat die Küche ihren Platz. Es folgt das Wohnzimmer mit einer L-Sitzgruppe und zusätzlicher Seitensitzbank, obendrein lassen sich die beiden Pilotensessel im Fahrerhaus drehen und als zusätzliche Plätze integrieren. Die frei verschiebbare Tischplatte erlaubt allen Mitessern bei Frühstück oder Dinner ordentliche Platzreserven. Das Fahrerhaus des Fiat Ducato, der für beinahe alle Knaus-Reisemobile die Basis stellt, ist unverändert, nur die Verdunklungsjalousien sind neu, können aber wegen eher ungenauer Passgenauigkeit den Lichteinfall nicht vollständig verhindern.

Optimal plaziert sind auch die Steckdosen und Lichtschalter nicht. So ist ein 230-Volt-Anschluss in der Sitzgruppe dort eingebaut, wo er am umständlichsten zugängig ist, im inneren Winkel der beiden Sitzbänke. Die Lichtschalter hingegen sind beim Eintritt in den Live Wave nicht gleich erreichbar, es braucht einen langen Arm, um die im Küchenblock eingebauten Tasten zu finden. Besonders hell ist es in der Mitte des Live Wave auch tagsüber nicht. Das Hubbett verhindert den Lichteinfall durch eine Dachluke, ein Fenster gibt es nur auf der linken Wagenseite, rechts ist es zappenduster, allenfalls die Eingangstür lässt sich für 360 Euro Aufpreis mit einer Kunststoffscheibe ausrüsten.

Wohnlich: Obwohl nicht in der Premium-Klasse, sind Anmutung und Verarbeitung im Innenraum das Knaus gut.
Wohnlich: Obwohl nicht in der Premium-Klasse, sind Anmutung und Verarbeitung im Innenraum das Knaus gut. Bild: Kirchberger

Schick versteckt ist der 24 Zoll große Flachbildschirm, in einer Konsole zwischen Quersitzbank und Küchenblock verschwindet er während der Fahrt in der Versenkung. Dass der Rahmen des TV-Geräts an der Verankerung des Gurtsystems der Sitzgruppe schleift, sollte nicht sein. Schon gar nicht, weil Knaus die komplette Anlage mit Tuner und sich automatisch ausrichtender Satellitenschüssel ordentlich berechnet. 3350 Euro Aufpreis werden hierfür fällig.

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Sonst ist die Verarbeitungsqualität tadellos. Am Stammsitz der Marke in Jandelsbrunn, tief im Bayrischen Wald, versteht man sich auf das Tischlerhandwerk eben und liefert solide Einbauten. Die Küche mit Edelstahlspüle und dreiflammigem Gaskocher bietet reichlich Platz für Tiegel und Töpfe, auch für Vorräte sind die Schränke und rollengelagerten Schubladen passend geschnitten. Öl- oder Essigflaschen können stehend mit auf die Reise gehen, und der Absorber-Kühlschrank packt mit 142 Liter Volumen viel Frisches vom Markt und muss auch nicht vor dem am Hafenpier erstandenen Wolfsbarsch kapitulieren.

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Das Bad hat mit seiner Duschkabine aus Plexiglaselementen ordentliche Grundmaße, Schultern und Ellbogen genießen Bewegungsspielraum und auch die Nutzung der drehbaren Kassettentoilette ist komfortabel möglich. Der Kopf passt bei der kleinen Körperpflege über das Waschbecken, der als Duschtasse ausgelegte Boden bleibt trocken. Was aber dank zweier Abläufe kein Unheil wäre, so läuft Wasser auch dann ab, wenn das Mobil mal nicht in der Waage steht. Hünenhafte Menschen scheinen dagegen für die Positionierung der Spiegel in der Nasszelle verantwortlich zu zeichnen. Menschen mit weniger als 1,65 Meter Körpergröße sehen ihr Gesicht nur zur Hälfte.

Nur keine Experimente: Der Knaus folgt klassischen Linien, er gehört in die Kategorie der Teilintegierten.
Nur keine Experimente: Der Knaus folgt klassischen Linien, er gehört in die Kategorie der Teilintegierten. Bild: Kirchberger

Großgewachsene Camper können sich über fürstliche Bettenmaße freuen. Die beiden Schlafplätze im Heck sind bei einer Breite von jeweils 81 Zentimeter 1,95 und 2,10 Meter lang. Ein Zwischenstück verbindet sie, der Einstieg gelingt einfach und bequem, die hochwertigen Matratzen schaffen die Voraussetzungen für erholsamen Schlaf. Die Kleiderschränke unter den Betten sind ein Kompromiss, den viele Grundrisse bei teilintegrierten Mobilen eingehen müssen. Lange Röcke, Kleider und Hosen gehen wenigstens einmal gefaltet mit auf Tour. Beide Garderoben sind beleuchtet, die Leselampen im Schlafzimmer finden sich außerdem an den richtigen Positionen.

Schöne Detaillösungen an Bord

Das Hubbett wird manuell nach unten gezogen, nachdem die beiden Sicherungsgurte gelöst wurden. Hierfür ist Krafteinsatz gefordert. Hat die 1,98 mal 1,23 Meter große Liegefläche jedoch ihre untere Position erreicht, liegt sie stabil auf und schwankt oder knarzt kaum, wenn sich ein Schläfer dreht.

Der Live Wave 700 MEG fährt auf schmalem Grat, was das Gewicht betrifft. Da er unter der 3,5-Tonnen-Grenze liegt, fällt er nicht unter das Tempolimit und Überholverbot für Lastwagen, eine Schwerverkehrsabgabe wie in Österreich oder der Schweiz wird ebenfalls nicht fällig. Allerdings wiegt er im Serienzustand fahrbereit schon 3020 Kilogramm. Wer schwere Extras wie Fahrradträger, Satellitenanlage oder eine Markise ordert, muss genau überlegen, welch weitere Ausrüstung er mit auf die Reise nimmt, um das Wohnmobil nicht zu überladen. Auch der Standard-Motor des Fiat Ducato dürfte mit seiner Leistung von 130 PS (96 kW) an seine Grenzen stoßen. Die aufpreispflichtige Version mit 150 PS kommt als Motorisierung gerade recht, auch wenn sie fast 1800 Euro mehr kostet. Der Verbrauch fällt nicht gerade bescheiden aus. Bei 11,8 Liter Diesel auf 100 Kilometer lag unser Durchschnitt. Mehr als 15 Liter sind bei Eiltempo fällig, unter zehn Liter lässt sich das Knaus-Mobil kaum bewegen.

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Der Preis nähert sich mit all den feinen Extras deutlich der 70.000-Euro-Grenze. Dafür finden sich schöne Detaillösungen an Bord, etwa die Versorgungsklappe für Wasser und Stromanschluss, außerdem viel Stauraum und Platz – nicht nur in der üppigen Heckgarage – sowie überdurchschnittliche Verarbeitungsqualität.

Quelle: F.A.Z.
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