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Offline – und abgehängt?

Von FRANZISKA STADLMAYER (Text) und JENS GIESEL (Grafik)

15.11.2019 · Deutschland soll digitaler werden. Doch was ist mit den gut 16 Millionen Bürgern, die noch nie im Internet waren? Die Gruppe ist vielfältig: Wissbegierig, unerfahren oder skeptisch. Die meisten Offliner sind Senioren und kommen aus einer analogen Welt – die gerade verschwindet.

Die Wissbegierigen

Das Senioren-Internetcafé Mouseclick in Frankfurt wirkt wie ein Transitraum zwischen analoger und digitaler Welt. Auf den Tischen stehen sperrige Windows-Rechner, davor sitzen ältere Menschen, die unter Anleitung ihrer Tutoren ein Windows-Dokument bearbeiten oder die Google Suche aufrufen. Ein neutraler Raum, in dem Senioren sich in die digitale Welt einfinden können. Kinder und Enkel helfen bei Fragen zum Internet nur bedingt, so die einhellige Meinung der Besucher. „Mein Sohn hat mir da schon viel erklärt, aber dann vergesse ich etwas, frage nochmal und er wird ungeduldig“, sagt eine Besucherin. Aber das sei ja auch verständlich, schiebt sie eilig hinterher. Stress im Job, die Kinder – und dann noch die Mutter, die ganz offensichtliche Sachen im Internet nicht versteht. Deshalb kommt sie lieber jede Woche ins Internetcafé. Hier gibt es keine dummen Fragen und die Tutoren verdrehen nicht die Augen, wenn sie wieder vergessen hat, hinter welchem Symbol sich ihr E-Mailkonto versteckt. „Ein Geschenk des Himmels“, so nennt sie die Einrichtung, von denen es in Frankfurt fünf gibt, während sie schnell ihren Kaffee austrinkt. Gleich beginnt ihre Stunde und sie hat eine Liste mit Fragen wie sie Bilder von ihrem Handy auf den Laptop übertragen kann. Die Senioren, die ins Internetcafé kommen, tun sich zwar oft schwer mit der unbekannten digitalen Welt sind aber hoch motiviert zu lernen, bestätigen die Ehrenamtlichen. Auch deshalb wächst die Gruppe der Senioren im Internet stetig.

Senioren wünschen sich große Buttons, starke Kontraste zwischen den Farben und ein Menü mit möglichst wenigen Ebenen, weiß Nicola Röhricht. Die 52-Jährige beschäftigt sich für die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren, kurz BAGSO, mit der Digitalisierung im Alter. Ihre Erkenntnisse: „Die Bedienungsanleitung auf Papier ist ein Bedürfnis.“ Anglizismen kommen in der Altersgruppe nicht cool, sondern werden oft nicht verstanden: „Der Schrittzähler macht da mehr Sinn als der Fitnesstracker.“ Diese Überlegungen sollten nicht nur in technische Geräte sondern auch in entsprechende Schulungskurse einfließen. Wer in einem Senioren-Internetkurs von „Google“ und „Windows“ spricht, muss mittels Lautschrift die Schüler mitnehmen, die kein Englisch können.

Was bedeuten diese Symbole?
Auflösung per Klick auf die Buttons
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Power Button

Der unterbrochene Kreis mit dem vertikalen Strich bezieht sich auf das binäre System wobei 1 für „an“ steht und 0 für „aus“.

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WiFi

Zu Beginn gab es verschiedene Logos für drahtloses Internet, doch inzwischen hat sich der Punkt mit den Wellen durchgesetzt.

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Link

Zwei Kreise oder Ovale, die miteinander zu einer Kette verbunden sind, stehen für einen Link. Dieser verweist auf eine Seite oder ein Dokument.

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Ver­schlüss­el­ung

Das Schloss auf der Tastatur sperrt den PC, wenn ein Schloss bei Internetadressen angezeigt wird, heißt das, dass die Seite sicher ist.

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Menü

Das Menü Symbol wird auch als Hamburger Button bezeichnet, da es an die verschiedenen Lagen eines Hamburgers erinnert.

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Speichern

Die Diskette als Speichermedium wurde bereits Ende der 90er Jahre von der CD abgelöst. Doch als Speichersymbol existiert sie noch.

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USB

Der Dreizack des Neptun stand Pate für dieses Symbol. Die geometrischen Symbole stehen für die universelle Einsetzbarkeit.

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Teilen

Über dieses Symbol können Inhalte einer Website über Soziale Medien oder eine Nachricht mit anderen geteilt werden.

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Bluetooth

König Harald wurde auch „Blauzahn“ genannt, seine Initialen in Runen­schrift stehen für die Verbindung von Geräten.



VHS-Kurse sind für Senioren nicht immer die richtige Wahl, so Röhrichts Erfahrung. Für manche ist das Tempo zu hoch und es wird zu viel vorausgesetzt: „Wenn nötig, muss ein Kurs mit dem Einschalten eines Computers beginnen.“ Andere wollen nicht mehr nach einem strengen Curriculum lernen und genießen vor allem den Austausch im Kurs. Auch Ängste und Bedenken haben ihre Berechtigung. Die Angst, etwas kaputt zu machen, kommt aus dem analogen Leben - wer da zu fest auf den Knopf drückt, macht ihn kaputt. Termine am Vormittag werden gut angenommen, nach Einbruch der Dunkelheit gehen Senioren ungern aus dem Haus. Nicht zu unterschätzen: Der soziale Aspekt der Kurse. Und auch im Internet suchen Senioren vor allem soziale Kontakte. Sie sprechen mit der Familie, schließen neue Bekanntschaften oder finden einen Partner.

„Ich hatte früher auch viele Hobbies: Holzarbeiten, Modellbau (…). Aber im Winter war es im Keller zu kalt, da hab ich gesagt: PC her, jetzt machen wir PC.“
FRANZ, 81 Jahre

Besonders wichtig ist der Kontakt zu den Enkeln: „Die sind eine große Motivation den Schritt ins Internet zu wagen“, sagt Röhricht. Hier zeigt sich ein großer Unterschied zu jüngeren Generationen. Senioren haben meist kein Interesse daran, grundsätzlich zu lernen wie man mit Programmen wie Skype umgeht, aber großes Interesse daran zu lernen, welche Knöpfe sie drücken müssen um ihre Enkel anzurufen. Ein weiterer Unterschied: Alles, was die Eingabe von Daten erfordert, ist Senioren nach wie vor suspekt. Während das Interesse am Online-Shopping zunimmt, wird Online-Banking nach wie vor wenig genutzt.


„Ich habe kein Smartphone. Ich halte wenig von der ganzen WhatsApp und Google Spionage.“
FRANZ, 81 Jahre

Die Skeptiker

Das generelle Misstrauen gegen Überwachung und Dateneingabe zeigt sich auch bei einem Vortrag zum Thema Smartphone, veranstaltet vom Senioren Internet Café Anschluss im Frankfurter Westend. Der Raum ist voll, ein Mitarbeiter bringt weitere Stühle. Gut 50 Senioren sind gekommen, um sich über Modelle und Verträge zu informieren. Die meisten sind unerfahren, kaufen sich auf Anraten von Kindern oder Bekannten zum ersten Mal ein Smartphone. Viele haben Schreibblöcke auf den Knien legen und einen Kugelschreiber in der Hand um das, was Kursleiter Reinhardt Witt über die digitale Welt erzählt, analog festzuhalten. Witt ist Rentner und Smartphone-Enthusiast. Er erklärt grundlegende Funktionen, nützliche Apps, Preise und klickt sich immer schneller durch seine Folien. Im Raum rascheln Blätter, keine Chance, alles so schnell mitzuschreiben. „Das können Sie sich auch abfotografieren“, bietet Witt an und verweist damit gleich auf die Kamerafunktion des Handys. Ein Raunen geht durch den Raum. Einfach ein Foto machen ohne einen Fotoapparat dabeizuhaben? Es ist einer der Momente, in dem deutlich wird, wie groß die Kluft zwischen analoger und digitaler Welt sein kann.

„Meine Enkel sagen: „Oma, du musst nur mal lesen, dann weißt du wie das alles geht (…) man macht’s ja nichts so oft und dann vergisst man's auch wieder.“
GERTRUDE, 78 Jahre

Die Fragen der Senioren drehen sich fast ausschließlich um Datensicherheit und Überwachung durch das Smartphone. Keiner im Raum hat selbst schlechte Erfahrungen gemacht, aber jeder hat schon etwas über die Gefahren gelesen. Für Reinhardt Witt ist das Thema Überwachung schnell geklärt. Keiner müsse Google Maps nutzen: „Aber wenn Sie dann mit gebrochenem Bein im Wald liegen, findet Sie halt auch keiner.“ Für die meisten jungen Menschen sind digitale Anwendungen heute selbstverständlicher Teil ihres Lebens. Röhricht von der BAGSO kennt viele Geschichten, von Terminen im Bürgeramt, die nur noch online vergeben werden, Banken, die Dokumente in E-Postfächern ablegen und Schaffnern, die älteren Damen empfehlen, ihre Zugverbindung doch bitte in der App nachzuschauen. Einfach, weil ein Leben offline für die meisten Menschen in Deutschland nicht mehr vorkommt: „Wir sind an einer ganz anderen Stelle in unserem Denken.“

„Von meinem Umfeld her sehe ich, dass ich sehr ausgeschlossen bin, was die sich alles aus dem Internet holen und sich mitteilen. Dann denk ich manchmal – ja, müsstest du eigentlich auch.“
MARIA (Name geändert), 77 Jahre

Die Konsequenz: Menschen, die nicht im Internet sind, fühlen sich ausgeschlossen und dumm. Das Internet ist für sie ein verschlossener Raum, zu dem sie keinen Zugang finden. Eine digitale Spaltung, die, vor allem aber nicht nur, Senioren betrifft. Daneben gehören auch Analphabeten, Migranten und Menschen mit geringer Bildung zu den geschätzt 16 Millionen Menschen in Deutschland, die bei der Digitalisierung abgehängt sind. Da sich das Internet stetig wandelt, kommt es auch vor, dass gerade Senioren irgendwann wieder aussteigen. Um diese Menschen nicht auszuschließen, „sollte das Analoge nicht wegfallen“, wünscht sich Nicola Röhricht.


„Ich hab das Gefühl, ich mache irgendwas verkehrt (...) ich traue mich ganz einfach nicht, irgendwo draufzudrücken.“
MARIA, 77 Jahre

Die Unerfahrenen

Wer den Schritt in die digitale Welt wagen will, noch mobil ist und in Ballungszentren lebt, hat gute Chancen, passende Angebote zu finden. Doch was ist mit Senioren, die nicht mehr mobil sind oder in dünn besiedelten Gebieten leben? Zwei Faktoren, die oft zusammenfallen. Und erschwerend kommt hinzu: Senioren leben überdurchschnittlich oft in Landkreisen mit niedriger Breitbandverfügbarkeit. Das heißt, selbst wer in Landkreisen wie Börde in Sachsen-Anhalt oder Waldshut in Baden-Württemberg im Internet unterwegs ist, hat mit einer langsamen und instabilen Verbindungen zu kämpfen. Die meisten Landkreise, die laut Breitbandatlas weniger als Dreiviertel der Zeit über 30 Megabyte an DSL-Internet pro Sekunde verfügen, liegen im Osten Deutschlands. 30 Megabyte sind für umfangreiche Downloads nötig, oder wenn mehrere Personen über dieselbe Leitung Filme streamen. Die Landkreise, die diese Übertragungsraten nur selten erreichen, sind gleichzeitig die Landkreise mit dem höchsten Anteil über 65-Jähriger an der Gesamtbevölkerung. Der Anteil beträgt mindestens ein Viertel der Bevölkerung, in manchen Landkreisen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg sogar fast ein Drittel. Es handelt sich dabei um ländliche Kreise, die oft mit Abwanderung und mangelnder Infrastruktur zu kämpfen haben.

„Wir nehmen das Stadt-Land-Gefälle beim Internet wahr“, sagt Nicola Röhricht von der BAGSO. Ein Teufelskreis: Wenn die Internetverbindung schlecht ist, ist der Standort für Firmen unattraktiv. Wenn es aber keine Jobs gibt, ziehen junge Menschen weg und in Folge wandern Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten ab. Es bleiben die Alten, die wenig Lobby haben und kein besseres Internet einfordern. Und das gerade in Gegenden, in denen Senioren besonders von den Möglichkeiten des Internets profitieren könnten. Wenn die Wege zu Ärzten oder Supermärkten immer länger werden, können Telemedizin und Online-Shopping weiter ein eigenständiges Leben ermöglichen.

„Ich benutze das Internet vor allem, um zu gucken, wer mir gemailt hat und um meine ganzen Ehrenämter auf die Reihe zu kriegen (...) Wenn das alles nur noch per Brief ginge ...“
DORIS, 72 Jahre

Doch das ist nicht das einzige Problem: Zu der mangelnden digitalen Infrastruktur, die den Senioren in ländlichen Regionen den Zugang zum Internet erschwert, kommt das mangelnde Angebot an Lernangeboten. „Senioren brauchen beim Schritt ins Internet Unterstützung“, sagt Nicola Röhricht. Was Jüngere von klein auf lernen, ist für Menschen über 65 Jahre eine unbekannte Welt, die Unsicherheiten hervorruft. Internetcafés für Senioren wie das Café Mouseclick sind Anlaufstelle und Mutmacher. Einfach durch Ausprobieren ins Internet zu finden gelingt nur den Wenigsten, auch da im Alter Ängste zunehmen, während die Bereitschaft sich auf Neues einzulassen sinkt.


„Ich nutze SMS und Telefon – und ich guck’ auch mal, was ich damit machen könnte, aber mehr mach ich nicht.“
GERTRUDE, 78 Jahre

Doch was ist mit den Senioren, die nicht mehr mobil sind oder in dünn besiedelten Gebieten wohnen? Die Stiftung Digitale Chancen führte zwei Versuche mit Leih-Tablets für Senioren durch. In der ersten Studie waren die Teilnehmer fit genug, um in ein Begegnungszentrum zu kommen, die zweite Gruppe wurde zuhause besucht. Das Ergebnis: Nach drei Monaten traute sich keiner der zwölf Zuhause betreuten Teilnehmer zu, in Zukunft alleine mit dem Tablet umzugehen. Und auch in der ersten Gruppe gaben die meisten Teilnehmer an, komplexere Anwendungen wie Online-Banking nicht alleine durchführen zu wollen. Dementsprechend plädiert Herbert Kubicek, der die Studien durchgeführt hat, für eine regelmäßige Digitalhilfe, denn: „Es tauchen immer wieder Fragen auf.“ Es reiche nicht, Senioren einmal in der Nutzung des Internets zu schulen und sie dann in einer sich stetig wandelnden digitalen Welt alleine zu lassen. Alle Maßnahmen zusammen würden mehrere Millionen Euro kosten, schätzt Kubicek. Für ihn in Ordnung: „Wir stecken viel Geld in die Digitalisierung an den Schulen, aber was bleibt für die älteren Menschen?“ Ein Problem das sich gerade auch bei Altenheimen zeigt. Wie eine Studie zu Wlan in deutschen Altenheimen 2018 herausfand, verfügt nur gut ein Drittel der befragten Pflegeheime über Wlan für die Bewohner. Über 80 Prozent der Einrichtungen mit Wlan berechneten zudem diese Leistung extra. Die Bewohner würden sich kein Internet erwarten, es demensprechend auch nicht einfordern und so auch keine digitale Teilhabe erhalten, vermutet Kubicek.


„Am Anfang war es schon so, dass viele meiner Bekannten gesagt haben: Ne, so ein raffiniertes Handy brauch ich nicht. Aber jetzt kommt das so langsam.“
DORIS, 72 Jahre

So bleiben Senioren von digitalen Angeboten abgeschnitten, die ihnen das Leben erleichtern könnten. Krankenkassen haben in den letzten Jahren Apps entwickelt, die Blutzucker und Blutdruck messen oder über die Dauerrezepte automatisch alle drei Monate erneuert werden. Auch Videosprechstunden mit dem Arzt sind möglich, oft werden sie von Kassen erstattet. Doch ohne Zugang zum Internet und digitales Know-how gehen solche Angebote an der Gruppe der Senioren vorbei, genauso wie Online-Anwendungen, die sich speziell an Senioren richten und oft staatlich gefördert werden. Solche Projekte tragen Namen wie „Dorfgemeinschaft 2.0“ und sollen gerade in ländlichen Regionen helfen, das aufzufangen, was durch den schwindenden Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft und die dünner werdende Versorgungslage verloren geht. Das klingt nach Fortschritt durch Digitalisierung, kann aber gerade in den ländlichen Regionen an der Verbindung scheitern. Beim Anteil der Zeit in der LTE/4G verfügbar ist, findet sich Deutschland im untersten Drittel des weltweiten Rankings wieder – zwischen Albanien und Kolumbien. Nicht einmal dreiviertel der Zeit Smartphone Nutzer auf 4G vertrauen. Bei Spitzenreiter Südkorea ist 4G dagegen nur drei Prozent der Zeit nicht verfügbar. Von den 28 Ländern der Europäischen Union hat nur Irland eine noch schlechtere Netzabdeckung als Deutschland.

Die Zukunft

Doch nach 4G ist mit dem 5G Ausbau noch schnelleres Internet möglich - und damit neue Möglichkeiten für die digitale Zukunft. Eine Zukunft, deren Auswirkungen auf das Leben von Senioren in Kempten besichtig werden können. An der Hochschule Kempten forschen die Fakultäten Elektrotechnik und Soziales & Gesundheit in einem „AAL Living Lab“ zu den Möglichkeiten einer digitalisierten Wohnung im Alter. In der vollausgestattete Seniorenwohnung findet sich auf 54 Quadratmetern Smart-Home-Technik, wie eine Sprachsteuerung für das Licht, Alexa und zentrale Wohnungssteuerung über ein Tablet. Dazu kommen seniorengerechte Anwendungen, wie einem ausschwenkbaren Pflegebett und unterfahrbaren Küchenflächen. Außerdem auf die Altersgruppe zugeschnittene technische Anwendungen, wie Sensoren in der Toilette, die den Urin analysieren und das Ergebnis weiterschicken. Auch Sicherheitsmechanismen wie Sensoren im Boden, die Bewegungsabläufe aufzeichnen und bei einem Sturz Alarm auslösen, gehören zur Ausstattung. So aufgerüstet ist die Wohnung für Senioren eine Chance, länger in der eigenen Wohnung zu leben.

„Ich brauch mein Handy sowieso sehr oft, weil ich meinen Zucker messe über das Handy, mit dem Sensor. Der ist hier am Arm und da brauch ich das Handy nur dranzuhalten.“
RAIMUND, 69 Jahre

Ein kritischer Aspekt: Die Senioren werden technisch überwacht und Geräte sammeln viele, teilweise sehr persönliche Daten. Doch anders als beim generellen Misstrauen der Altersgruppe beispielsweise gegen die die GPS-Überwachung per Smartphone, sehen die meisten Senioren bei Smart-Home-Anwendungen zuerst den Nutzen. Diesen Eindruck hat zumindest Petra Friedrich, die als Professorin an der Fakultät für Elektrotechnik das Projekt mitbetreut, gewonnen: „Wenn es um Gesundheit oder Sicherheit geht, finden die meisten eine gewisse Überwachung sinnvoll.“ Senioren, die die Wohnung besichtigen, seien meist aufgeschlossen und begeistert, gehen aber davon aus, dass die Anwendungen für sie zu teuer sind. Für Friedrich der falsche Ansatz: „Man muss hinschauen, was braucht man?“ Das sei selten das komplette Paket. Wer dann noch die monatlichen Kosten für einen Platz im Pflegeheim gegenrechnet, dürfte ins Überlegen kommen. Während sich Smart-Home-Anwendungen für Senioren eignen, die keine Pflegestufe haben, setzen Politik und Wirtschaft auch im Bereich der Pflege auf die Digitalisierung. In Zukunft sollen Pflegeroboter einfache Tätigkeiten übernehmen und den angespannten Arbeitsmarkt in der Pflege entlasten. Bis es soweit ist, dürfte es aber noch dauern. Unter anderem, weil für die Forschung und Entwicklung autonomer Pflegeroboter weniger Geld zur Verfügung steht als für Bereiche wie autonomes Fahren. Doch zumindest der Bereich der Smart-Home-Anwendungen entwickelt sich rasant weiter.

Trotz der gerade für ältere Bürger hilfreichen Anwendungen, ist Smart-Home-Technologie in Deutschland nach wie vor nicht der Standard. So lässt sich eine Studie der Wirtschaftsprüfung Deloitte von 2018 interpretieren. In der jungen bis mittleren Altersgruppe nutzte nur gut jeder fünfte Smart-Home-Anwendungen, Tendenz mit zunehmenden Alter leicht steigend. Ein Grund dürfte sein, dass Angebote wie Amazons Alexa oder eine Sprachsteuerung der Wohnung für Studenten und Berufsanfänger noch zu teuer sind. Bei den Senioren ab 65 Jahren geht die Quote noch weiter zurück, nicht einmal jeder Zehnte nutzt Smart-Home-Technik. Doch egal wie schnell die Senioren im Bereich Smart Home aufholen, der digitalen Welt zu entkommen wird schon heute immer schwieriger. Was heute noch kleine Hilfen im Alltag sind, könnte schon bald helfen länger selbstständig zu leben oder den Ärztemangel auf dem Land abzufedern. Smart-Home, E-Health und Online-Shopping sind die Versprechen eines selbstständigen Lebens bis ins hohe Alter. Doch in der sich rasant wandelnden digitalen Welt auch eine Verpflichtung: Nicht nur für die heutigen Senioren, sondern auch für die nachfolgenden Generationen bekommt der Begriff des lebenslangen Lernens im digitalen Zeitalter eine neue Dimension.

Quelle: F.A.Z.

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