Streamingdienste

Disney überholt Netflix

Von Roland Lindner, New York
11.08.2022
, 18:01
Disney+ international: Besucher sind auf dem Weg zu einer Präsentation des Streamingdienstes in Dubai.
Disney gewinnt Streamingkunden, während bei Konkurrenten das Wachstum erlahmt. Doch Gewinne macht der Unterhaltungskonzern mit seinem Portal nicht. Jetzt will Disney die Preise deutlich erhöhen.
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Walt Disney hat in seinem Streaminggeschäft einen Meilenstein erreicht: Zum ersten Mal liegt der Unterhaltungskonzern mit der Zahl der verkauften Abonnements vor dem Branchenpionier Netflix. Nach Angaben aus einem jetzt vorgelegten Quartalsbericht kommen seine drei Videoplattformen Disney+, Hulu und ESPN+ zusammengerechnet auf 221,1 Millionen Abonnements. Bei Netflix waren es zuletzt 220,7 Millionen. Und während Netflix zwei Quartale in Folge rückläufige Kundenzahlen meldete, bleibt Disney bislang auf Wachstumskurs. Disney dürfte insgesamt aber noch weniger Kunden als Netflix haben, weil Abonnements mehrfach gezählt werden, wenn mehrere Plattformen im Paket gekauft werden.

Disneys Plattformen werden allerdings bald deutlich teurer. Der Konzern hat für Dezember eine Preiserhöhung angekündigt – vorerst für den amerikanischen Heimatmarkt. Wie Netflix will Disney zudem ein billigeres Abonnement mit Werbung anbieten. Disneys Quartalszahlen lagen insgesamt über den Erwartungen von Analysten, der Aktienkurs stieg am Donnerstag im Handelsverlauf um 4 Prozent.

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Gerade weil Netflix mit Schwierigkeiten kämpft, wurden die Disney-Zahlen diesmal mit besonderer Spannung erwartet. Insgesamt zeigt sich Disney mit seinen Streamingdiensten in robuster Verfassung, aber das Bild ist nicht ganz ungetrübt. Für seine wichtigste Plattform Disney+ hat der Konzern die Zahl seiner Abonnenten um 14,4 Millionen auf 152,1 Millionen gesteigert. Das war deutlich mehr als von Analysten erwartet.

Die Wermutstropfen

Es war allerdings vor allem dem Auslandsgeschäft zu verdanken, Disney+ wurde im vergangenen Quartal in mehr als 50 neuen Ländern gestartet. Auf dem nordamerikanischen Heimatmarkt läuft die Plattform erheblich gebremst, hier sind die Kundenzahlen nur minimal gestiegen.

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Der Konzern hat außerdem seine mittelfristige Prognose nach unten korrigiert, für 2024 erwartet er jetzt 215 Millionen bis 245 Millionen Abonnenten, bislang war von 230 Millionen bis 260 Millionen die Rede. Die Korrektur wurde mit dem Verlust von Übertragungsrechten für Cricket-Spiele in Indien begründet. Disney hat sich auch weiter davon entfernt, mit seinen Streamingdiensten Gewinne zu erzielen. Im vergangenen Quartal gab es einen Betriebsverlust von 1,1 Milliarden Dollar, vor einem Jahr waren es 293 Millionen Dollar. Disney machte höhere Kosten für Produktion und Vermarktung seiner Inhalte dafür verantwortlich.

Die steigenden Kosten will das Unternehmen nun offenbar an seine Kunden weitergeben. Der monatliche Preis für Disney+ soll im Dezember in den USA von 7,99 auf 10,99 Dollar steigen. Gleichzeitig soll eine Version des Dienstes mit Werbung gestartet werden, zum bisherigen Preis von 7,99 Dollar. Zu einer etwaigen Preiserhöhung in Deutschland wurde noch nichts bekannt, hier kostet Disney+ bisher 8,99 Euro.

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Auch andere Plattformen haben in jüngster Zeit ihre Preise angehoben. Netflix verteuerte sein Standardabonnement in den USA von 13,99 auf 15,49 Dollar im Monat, Amazon erhöhte die jährliche Gebühr für sein Kundenbindungsprogramm Prime, zu dem auch ein Videodienst gehört, von 119 auf 139 Dollar. Für Disney werden die jetzt angekündigten Preiserhöhungen womöglich nicht die letzten sein.

Mehrere Standbeine

Vorstandschef Bob Chapek sagte in einer Telefonkonferenz, er sehe noch „Spielraum“. Er verwies darauf, dass Disney für seine Streamingangebote anfangs vergleichsweise niedrige Preise verlangt habe. Die höheren Gebühren sollen helfen, die Verluste im Streaminggeschäft zu reduzieren. Für 2024 sind Gewinne angepeilt.

Für den Gesamtkonzern meldete Disney ein Umsatzplus von 26 Prozent auf 21,5 Milliarden Dollar, der Nettogewinn stieg um 53 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar. Neben den Streamingdiensten ging das Umsatzwachstum vor allem auf die Freizeitparks zurück. Dieses Geschäft ist für Disney sehr wichtig, und es wurde besonders hart von der Pandemie getroffen.

Mittlerweile hat es sich aber normalisiert. Gegenüber dem Vorjahr, als einige Parks noch Kapazitätsrestriktionen hatten, stieg der Umsatz um 70 Prozent. Die Besucherzahlen in den amerikanischen Parks sind heute nach Angaben des Unternehmens an vielen Tagen höher als vor der Pandemie, Disneyland Paris habe mehr Umsatz eingebracht als im vergleichbaren Quartal 2019. Disneys Park in Schanghai war allerdings fast über das gesamte vergangene Quartal hinweg geschlossen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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