Tech-Treffen

Was bringt die DLD heute noch, Frau Czerny?

Von Alexander Armbruster, München
20.05.2022
, 13:37
Steffi Czerny
Konferenz-Chefin Steffi Czerny über neue Trends, fehlende große Namen – und warum nichts das Treffen vor Ort ersetzen kann.
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Frau Czerny, die DLD ist als Präsenzveranstaltung zurück – nur Videokonferenzen sind auch für die Nerds unbefriedigend, oder?

Ganz klar: Nichts kann eine Konferenz vor Ort ersetzen! Vor der Pandemie waren Konferenzen und Events nichts Außergewöhnliches mehr, aber die zwei Jahre seit dem Ausbruch von Corona haben mir verdeutlicht, dass nichts über den persönlichen Austausch vor Ort geht. Die Menschen wollen raus, in den Trubel, sich vernetzen und verwirklichen, das Spontane und Unplanbare erleben, sich von anderen inspirieren lassen. Genau dafür steht DLD – und genau das können Videokonferenzen eben nicht ausreichend leisten. Außerdem hat sich gezeigt, wie wahr das DLD-Motto „expect the unexpected“ ist – sowohl im negativen als auch im positiven Sinne. Man muss immer auf alles gefasst sein. Umso mehr freue ich mich, dass es jetzt mit der DLD Munich 22 endlich weitergeht!

Das diesjährige Motto lautet „Reality Rules!?“, was wollen Sie damit ausdrücken?

Bei den rasanten Veränderungen in unserer Welt braucht es gerade jetzt den realistischen DLD-Blick, denn neue Realitäten wie die Energiekrise, der Klimawandel oder der Krieg in der Ukraine zwingen uns zum Umdenken und stellen uns vor neue Herausforderungen. Und das ist ja auch das Spannende: Wir bemerken, dass wir alle in unterschiedlichen Realitäten und Lebenswirklichkeiten verankert sind. Ein Treffen auf der DLD 22 bedeutet auch, sich dieser verschiedenen Wirklichkeiten bewusst zu werden und sie für ein gesamtgesellschaftliches Vorankommen nutzbar zu machen. Deshalb haben wir auch das Motto „Reality Rules!?“ gewählt: Wir setzen auf Aufklärung, wollen Orientierung bieten und Chancen aufzeigen in unsicheren Zeiten mit einem hochkarätigen Line-up aus Politik, Wissenschaft, Industrie und Technologie. Das Motto hatten wir schon im vergangenen Herbst gesetzt, damals war die Konferenz ja noch für den Januar geplant. Jetzt findet sie im Mai vor dem Hintergrund ganz neuer Entwicklungen statt, und wir sehen, dass das Motto für eine Konferenz in der heutigen Welt, die von drastischen Veränderungen geprägt ist, nicht passender hätte gewählt sein können.

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In der Geschichte der DLD war schon Prominenz aus dem Silicon Valley und anderen Tech-Teilen Amerikas zu Gast: Mark Zuckerberg, Satya Nadella, Craig Venter oder Peter Thiel – dieses Jahr fehlen die ganz großen Namen, wieso?

Hören Sie doch auf. Die großen Namen sind auf jeder großen Konferenz und sprechen immer über dieselben Themen. Die „Hidden Champions“ sind viel wichtiger, denn sie werden bald die neuen Superstars sein! Darum werden wir diese Persönlichkeiten diesmal verstärkt ins Rampenlicht rücken. Ein Beispiel ist die Professorin Andrea Pfeifer: Wir leben in einer immer älter werdenden Gesellschaft, in der wir uns auf damit einhergehende Krankheiten und Pandemien einstellen müssen. Andrea Pfeifer geht genau das an und arbeitet an einem Impfstoff gegen Alzheimer – darum haben wir sie eingeladen.

Was sind die Themen, die Sie derzeit am meisten interessieren?

Mich interessiert, wie die Zukunft der Welt aussieht und welchen Beitrag Technologien wie Künstliche Intelligenz oder Blockchain leisten werden. Wie kann Quantencomputing die Wirtschaft verändern? Welchen Einfluss hat das maschinelle Lernen auf Bildung und Erziehung? Und wie werden wir uns in Zukunft ernähren? Relevant sind hier auch die Veränderungen der Biodiversität, die verschiedenste Entwicklungen mit sich bringen.

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Was ist Ihre größte Hoffnung, wenn Sie an Schlüsselbereiche wie KI, Biotech oder Quantencomputing denken?

Meine Hoffnung ist, dass die Menschen achtsam und aufgeklärt damit umgehen. Dafür leistet die DLD einen Beitrag: Uns interessiert, welche Themen relevant sind und wer die Treiber sind. Wir bringen ausgewählte Speaker und ein kuratiertes Pu­blikum zusammen und schaffen ein Programm, in dem wir all die wichtigen Themen beleuchten. So entsteht auch die berühmte DLD-Community, die relevante Player miteinander verknüpft und dadurch auch Neues hervorbringt.

Und was ist Ihre größte Angst?

Meine größte Angst ist der Missbrauch der neuen Technologien, der Gewalt und Frustration schürt. Dass sich der Mensch nicht befreien kann, sondern unmündig bleibt. Gerade ist der Mensch sehr abhängig, und sein Leben wird von Technologien und Maschinen bestimmt, ohne dass er dies durch den eigenen Verstand reflektiert. Wir müssen uns unbedingt aus der von Kant beschriebenen selbst verschuldeten Unmündigkeit befreien. Mir ist wichtig, dass wir uns alle mehr auf die neue Welt einlassen, und darum spielen Bildung und Aufklärung eine so wichtige Rolle.

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Als Sie die DLD ins Leben riefen, war das ein eigener, spezieller Ort für spezielle Themen, die Themen der Nerds sozusagen. Inzwischen ist die Konkurrenz groß, auch auf dem WEF in Davos spricht man ausführlich über die digitale Revolution, die Regierungen der bedeutendsten Volkswirtschaften der Welt befassen sich damit. Wird die DLD dereinst Opfer des eigenen Erfolges – nämlich wichtige Themen und Unternehmen identifiziert zu haben in einem Bereich, über den heute jeder spricht, der keine Nische mehr ist?

Nein, ganz im Gegenteil – wir freuen uns und sehen es als absolut positive Entwicklung, dass die Themen, die wir in den Anfängen von DLD nur mit einer kleinen Gruppe von Fachleuten besprochen haben, mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Es zeigt auch, dass wir das richtige Gespür für die Trends der Zukunft haben. Gerade das ermöglicht uns, ein viel breiteres Publikum für unsere Konferenzen zu gewinnen und mit unseren Themen in sämtliche Industrien und Lebensbereiche vorzudringen! Wir scheuen uns nicht vor Konkurrenz und schätzen uns sehr glücklich, eine so treue und loyale DLD-Community zu haben, die weiterhin wächst.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Armbruster, Alexander (ala.)
Alexander Armbruster
Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.
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