Neue Welt des Geldes

Für die BIZ sind Zentralbanken der Anker in einem digitalen Finanzsystem

Von Markus Frühauf
22.06.2022
, 08:25
Die BIZ ist Kryptowährungen gegenüber schon länger skeptisch: Durch den jüngsten Kurssturz sieht sie sich bestätigt.
Die Bank der Zentralbanken sieht die aktuellen Kursverwerfungen als Bestätigung für ihre Zweifel an Bitcoin und anderen Krypto-Vermögenswerten.
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Auch wenn die Kurstalfahrt des Bitcoin am Dienstag vorerst gestoppt wurde, hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) den Tag für die Vorabveröffentlichung eines Kapitels aus ihrem Jahresbericht gut gewählt. Denn darin beschäftigt sich die als „Bank der Zentralbanken“ geltende Institution mit ihrer Vision eines Geldsystems im digitalen Zeitalter. Und dabei spielen – wenig überraschend – die Zentralbanken und ihr noch in der Entwicklung befindliches digitales Zentralbankgeld eine Ankerfunktion. Die Ausführungen der in Basel ansässigen BIZ, die für die wichtigsten Notenbanken die Devisenreserven verwaltet und ihnen zudem als volkswirtschaftliche sowie geldpolitische Denkfabrik dient, sind sehr grundsätzlich und knüpfen an frühere Veröffentlichungen zum digitalen Zentralbankgeld an.

Doch die jüngsten Kursverwerfungen am Markt für Kryptovermögenswerte bestätigen die schon früher gezeigte Skepsis der BIZ-Forscher. Wie schnell das Vertrauen in diese neue, von den Notenbanken unabhängige Anlageklasse aufgebraucht sein kann, spiegelt der Kursverlauf des Bitcoin wider: Im vergangenen November lag er noch bei 67 000 Dollar, am Wochenende unter 18 000 Dollar. Am Dienstag und Mittwoch stabilisierte sich der Kurs über 20 000 Dollar, trotzdem beträgt der Kursverlust 70 Prozent.

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„Alles, was Kryptowerte können, kann digitales Zentralbankgeld besser“, sagte Hyun Song Shin, volkswirtschaftlicher Berater und Leiter Wirtschaftsforschung der BIZ, auf einer Telefonkonferenz anlässlich der Vorstellung des Kapitels aus dem Jahresbericht, der am kommenden Sonntag veröffentlicht wird. Die jüngsten Kursturbulenzen sehen die BIZ-Volkswirte als Beleg, dass Kryptowerte nicht mit staatlichem Geld vergleichbar seien. Sie könnten nicht Anforderungen wie zum Beispiel Sicherheit, Zurechenbarkeit, Effizienz, Inklusion oder Offenheit für ein künftiges digitales Finanzsystem erfüllen.

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Die Forscher der BIZ sind überzeugt, dass ein Finanzsystem auf Grundlage des Vertrauens in Notenbanken sowie einer digitalen Variante staatlichen Geldes Innovationen beschleunigen und gleichzeitig Stabilität und Sicherheit gewährleisten könne. Dabei setzen sie weiterhin auf den privaten Sektor, der mit dem Auf- und Ausbau schneller Bezahlungssysteme (Echtzeit) einen ähnlich wichtigen Beitrag wie die Zen­tral­banken mit ihrem digitalen Geld liefern könne. BIZ-Chefforscher Shin betrachtet aus Sicht der Verbraucher digitales Zentralbankgeld und die hocheffizienten Zahlsysteme als enge Verwandte. Er hält es aber für notwendig, mit der Entwicklung des digitalen Zen­tral­bank­geldes jetzt zu beginnen.

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Noch ist unklar, ob ein digitaler Dollar kommt

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist schon so weit, dass sie im kommenden Jahr einen ersten Prototyp des digitalen Euros vorstellen will. Der Zeitraum für die Einführung ist noch vage. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte im Jahr 2021 einen Zeitraum von fünf Jahren in Aussicht gestellt. Deutlich zurückhaltender verfolgt die amerikanische Federal Reserve das Thema. Die US-Notenbank hält sich noch offen, ob ein digitaler Dollar eingeführt werden soll. Alle führenden Notenbanken arbeiten aber unter dem Dach der BIZ an diesem Thema. Am weitesten vorangeschritten ist die Notenbank Chinas, wo der digitale Yuan in einzelnen Regionen schon getestet wird.

Immer noch ungeklärt ist die Frage, wie digitales Zentralbankgeld den Haushalten zur Verfügung gestellt werden kann, ohne die Geschäftsbanken zu übergehen. Diese können darüber hinaus in einer Finanzkrise in eine Schieflage geraten, wenn die Kunden ihre Einlagen von den Konten abziehen und in das sichere digitale Zentralbankgeld umschichten. Die EZB erwägt hier eine Deckelung der Beträge, die Privatpersonen im digitalen Euro halten dürfen. Die BIZ wiederum setzt auf das Vertrauen in Zentralbanken, deren Fortschritte zur Entwicklung digitalen Zentralbankgeldes und die schnellen Zahlungssysteme für Verbraucher. Diese zusammen könnten die Grundlage für ein künftiges Geldsystem sein, das die Innovationen im privaten Sektor voranbringen könne.

Shin bemüht dabei den Vergleich mit einem Baum, dessen robuster Stamm die Zentralbank darstellt. Dieser Baum beherberge ein reichhaltiges und lebhaftes Ökosystem aus privaten Anbietern, deren Dienstleistungen sich an der Erfüllung der Bedürfnisse der Nutzer orientieren. Die Aufgabe des privaten Sektors sehen die BIZ-Forscher darin, an den Kunden ausgerichtete Angebote wie zum Beispiel die Tokenisierung von Geld- und Finanzinstrumenten oder effiziente Bezahlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Frühauf, Markus
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
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