Globalfoundries-Manager

Was ist in den Chipfabriken los, Herr Horstmann?

Von Stephan Finsterbusch
19.01.2021
, 14:08
Halbleiterherstellung in der Pandemie: Globalfoundries produziert in Dresden – der verantwortliche Manager erklärt, worauf es jetzt ankommt.

Große Autohersteller schicken Teile der Belegschaft in Kurzarbeit, da ihnen offenbar die Chips ausgehen. Wie ist denn die Lage in den Chipwerken?

Alle Globalfoundries-Werke sind sehr gut ausgelastet. Der Standort Dresden erlebt nach einer Phase der Unterauslastung 2018/19 erfreulicherweise eine hohe Kundennachfrage für die drei großen Technologieplattformen 22 Nanometer FDSOI (22FDX), 28 Nanometer Super Low Power (28SLP) wie auch das 40/50/55-Nanometer-Portfolio. Hier zahlt sich unser Kurs aus, für jede dieser Plattformen einen breiten Strauß von differenzierenden Lösungen anzubieten wie etwa für Radaranwendungen, für den Einsatz im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) oder für Mobile Payment, Chips mit Analog-digital-Wandlern für Audio-Anwendungen sowie Chips für Oled-Display-Treiber.

Wie machen sich die Folgen von Corona bei Ihnen momentan in der Fertigung bemerkbar?

Globalfoundries hat umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen an allen Standorten getroffen, um die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen und die Produktion zu sichern. Allein bei Globalfoundries Dresden haben wir seit März 2020 mehr als einhundert Einzelmaßnahmen umgesetzt, und wir sind dankbar, dass es durch die Disziplin unserer Teams bislang keine Infektionen im Werk gab – und dass bei laufender Produktion, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.

Wie können Sie sicherstellen, dass die Produktion unvermindert weitergeht, wenn es Corona-bedingte Ausfälle in der Belegschaft gibt?

Durch ein ausgeklügeltes Konzept mit strikten Sicherheitsmaßnahmen, das ständig nachgeschärft wird. Wo immer möglich, arbeiten unsere Mitarbeiter von zu Hause aus. Die Schichtteams sind durch die besonderen Arbeitsbedingungen im Reinraum, also Schutzkleidung und Masken, gut gewappnet.

Mussten Sie auf Staatshilfen zurückgreifen?

Nein.

Wie ist die Zusammenarbeit mit der Landesregierung in Dresden?

Seit 1996 ist die sächsische Staatsregierung unser erster und bester Partner, wenn es um die Weiterentwicklung unseres Standortes geht. Das wird auch in der Zukunft so sein.

Und Brüssel?

Auch wenn unser Konzernsitz außerhalb Europas liegt, ist Globalfoundries Dresden tief in der europäischen Halbleiterlandschaft verankert. Wir haben zu vielen europäischen Prozessen, etwa in der Electronic Leaders Group, beigetragen, ohne die beispielsweise das erfolgreiche Important Project of Common European Interest (IPCEI) on Microelectronics nicht zustande gekommen wäre.

Welche Industrien fragen derzeit verstärkt Chips aus den Dresdner Werken nach?

Das sind die wichtigsten Anwendungen, die wir mit unseren Wafern unterstützen: mobile Kommunikation, digitale Assistenten und andere IoT-Anwendungen, Industrial und Automotive.

Was sind Ihre Prognosen für die kommenden Wochen?

Wir rechnen weiterhin mit steigender Nachfrage nach unseren Produkten und planen für weiteres Wachstum am Standort – gern im Rahmen eines zweiten Mikroelektronik-IPCEI („Important Project of Common European Interest“). Entsprechende Gespräche laufen bereits mit dem Bundeswirtschaftsministerium. In Zeiten der Pandemie bleibt unsere erste Priorität der Schutz unserer Mitarbeiter.

Wie sieht die mittel- bis langfristige Strategie für die Dresdner Werke von Globalfoundries aus?

Wir werden unsere erfolgreiche Strategie weiterfahren und unsere starken, am Markt gefragten Technologieplattformen konsequent weiter differenzieren, um noch mehr Anwendungsfelder abzudecken. Wir sind auf einem klaren Wachstumskurs bis Mitte des Jahrzehnts. Es ist zu früh, um das heute zu präzisieren, aber wir wollen unsere technologischen Fähigkeiten und Kapazitäten ausbauen.

Quelle: F.A.Z.
Stephan Finsterbusch  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Stephan Finsterbusch
Redakteur in der Wirtschaft.
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