Hype um „Running Up That Hill“

Kate Bush und der Netflix-Effekt

Von Benjamin Fischer
20.06.2022
, 10:05
Kate Bush auf einer undatierten Aufnahme
Video
Dank „Stranger Things“ wird Kate Bushs „Running Up That Hill“ derzeit rauf und runter gestreamt. Der Erfolg des Songs aus 1985 verdeutlicht, wie kompliziert die Welt der Charts ist – und warum Rechte an Klassikern so wertvoll sein können.
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Ein mehr als 30 Jahre alter Song, eine prominente Platzierung in einer beliebten Serie und Abermillionen an Streams auf Spotify und Co: Der jüngste Erfolg von Kate Bushs „Running Up That Hill“ (ursprünglich erschienen 1985) infolge der neuen „Stranger Things“-Staffel auf Netflix ist ein Paradebeispiel für die Möglichkeiten, die das Streaming auch für Jahrzehnte alte Werke bietet. Erst recht wenn eben alles zusammen kommt – wie in diesem Fall.

Mehr als 48 Millionen Mal wurde „Running Up That Hill“ zuletzt alleine in einer Woche auf Marktführer Spotify gestreamt – andere Dienste und etwaige Plattenverkäufe sowie Downloads fallen natürlich ebenfalls ins Gewicht. Es ist beileibe nicht der erste Song, der durch eine gute Platzierung (wieder) zum Super-Hit wird. Teils laufen die Werke in Werbespots, teils in Kinofilmen oder sie strahlen durch einen Hype auf Tiktok auf die Streamingdienste aus.

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Charts-Regeln verhindern zunächst Platz eins

Über das enorm populäre Video-Netzwerk hatte zuletzt etwa der Fleetwood Mac-Song „Dreams“ (erschienen 1977) einen zweiten Frühling erlebt. Meist verhilft die neuerliche Begeisterung für einen Song obendrein dem übrigen Repertoire eines Künstlers zu mehr Streams.

Die Musikindustrie nutzt Tiktok nur zu gerne auch für die Vermarktung von neuen Songs. Musiker mit Momentum auf Tiktok werden teils auch direkt unter Vertrag genommen. Ob ein Song auf Tiktok letztlich Anklang findet, lässt sich freilich nur sehr bedingt planen, obwohl die Plattform von den Marketing-Teams fleißig bespielt wird. Mit Blick auf die reine Platzierung in potentiellen Top-Produktionen sieht das anders aus. Die Konkurrenz hierum ist groß und das Geschäft lukrativ. Alle großen Musikunternehmen und auch viele kleinere haben Synch-Teams, um Songs aus ihrem Haus möglichst gut unterzubringen.

Der Fall Bush offenbart derweil auch, wie kompliziert die scheinbar so einfach anmutende Welt der Charts mitunter ist. Denn „Running Up That Hill“ erreichte in Bushs Heimat Großbritannien erst mit dem Ende der vergangenen Woche den ersten Platz der Single-Charts. Der Grund: eine Eigenheit der britischen Charts.

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Harry Styles verdrängt

Berechnet werden sie im Gegensatz zum deutschen Pendant nach „verkauften“ Einheiten, während hierzulande der Umsatz zählt. 100 Premium-Streams (beziehungsweise 600 Streams eines Nutzers einer werbefinanzierten Gratis-Version) werden in diesem System wie zum Beispiel ein Download des Songs oder den Verkauf einer physischen Single gezählt. Um zu verhindern, dass Werke zu lange in den Charts stehen und neue Musik in diesem Sinne das Nachsehen hat, sind gemäß den britischen Chartregeln ab einer gewissen Zeit 200, respektive 1200 Streams, für eine Einheit nötig. Dass „Running Up That Hill“ vor mehr als 30 Jahren einige Zeit in den Charts war, spielte da keine Rolle.

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Die Regel wurde nun in der vergangenen Woche auf Antrag von Bushs Labelpartner Warner Music für den Song ausgesetzt – ein im Regelwerk vorgesehenes Prozedere – und „Running Up That Hill“ steht vor Harry Styles' „As It Was“ an der Spitze.

Britischen Branchenmedien zufolge hätte es auf Basis der reinen Streaming-Zahlen bei gleicher Bewertung dieser schon die Woche zuvor für Platz eins gereicht. In den Umsatz-basierten offiziellen deutschen Charts steht der Song derzeit auf Platz 4.

Wer hält die Rechte am Hit?

Alte Werke bringen heute durch das Streaming wieder beständig Geld ein, was sich gerade für die großen Musikunternehmen mit ihren riesigen Katalogen an Rechten bestens rechnet. Manche Songs erzielen nur wenige Euro im Monat (wenn überhaupt ), andere weitaus mehr, erst recht wenn ihnen „von außen“ neues Leben eingehaucht wird. Früher fielen Einnahmen naturgemäß nur einmal und zwar beim Kauf einer CD oder Platte an. Im Streaming ist es mit jedem neuen Abruf ein winziger Betrag, aus dem auf kurz oder lang idealerweise auch eine stolze Summe wird.

© YouTube/KateBushMusic

Nicht zuletzt dieser Aspekt und die Aussicht auf weiteres Wachstum des Streamingmarktes macht Rechte an einmal etablierten Werken, die immer und immer wieder gehört werden, auch für Finanzinvestoren attraktiv. Alleine KKR, Apollo Global Managment oder Blackstone haben in den vergangenen Monaten zusammengekommen mehrere Milliarden Dollar für den Kauf von Rechten bereitgestellt und teils schon Kataloge erworben.

Auch Warner und Sony Music freuen sich

Vom neuerlichen Erfolg von „Running Up That Hill“ profitiert aber kein Player aus der Finanzwelt. Tatsächlich verdienen auch zwei Platzhirsche aus der Musikindustrie wohl nur vergleichsweise bedingt am zweiten Leben des Songs mit. Denn die Rechte an den Aufnahmen (und wohl auch an Text und Kompositionen) hält Kate Bush offenbar mittlerweile selbst.

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Die Branchenseite „Music Business Worldwide“ ist zuerst darauf gestoßen: Die Rechte am Album, auf dem der Song erschienen ist („Hounds Of Love“), liegen laut Angaben auf Spotify bei Noble & Brite Limited – einem Unternehmen der 63 Jahre alten Musikerin. Sie hat den Song praktischerweise auch komplett alleine geschrieben und selbst produziert.

Warner Music ist als Vertriebspartner für die Veröffentlichung mit im Boot, Sonys Verlagssparte wiederum verantwortet die Administration und die Vermarktung der Texte und Kompositionen. Das Gros der Einnahmen dürfte in dieser Konstellation aber an Bush selbst, die offenbar selbst „Stranger Things“-Fan ist. Wie die Sony Music Publishing-Managerin Wende Crowley gegenüber „Variety“ erklärte, sei Bush nämlich recht zurückhaltend, wenn es um die Lizensierung ihrer Songs geht. Das Okay für „Stranger Things“ wird sie in jedem Fall kaum bereuen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenbild/ Benjamin Fischer
Benjamin Fischer
Redakteur in der Wirtschaft.
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