Coronavirus

Dieses Kölner Start-up entwickelt mit IBM den digitalen Impfpass

Von Jonas Jansen
09.03.2021
, 15:50
So könnte es eines Tages aussehen: Die App für den digitalen Impf-Nachweis wird noch entwickelt.
Das auf Blockchain-Anwendungen spezialisierte Unternehmen Ubirch soll die digitale Erweiterung des klassischen gelben Ausweises mitentwickeln. Neben öffentlichen IT-Dienstleistern ist auch Bechtle mit von der Partie.
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Unter der Führung des amerikanischen Technologiekonzerns IBM soll ein digitaler Impfpass in Deutschland entstehen. Wie aus der Online-Ausgabe des Amtsblatts der Europäischen Union hervorgeht, soll das eine zusätzliche Möglichkeit zum gelben Imfppass sein, um Impfungen zu dokumentieren. Teil davon soll dann eine „Impfnachweis-App, eine Prüf-App und ein Backendsystem für die Integration in Arztpraxen und Impfzentren“ entwickelt werden, heißt es in der Ausschreibungen. Der Vertrag wird erst nach einer Frist von zehn Tagen abgeschlossen, er hat ein Volumen von 2,7 Millionen Euro. IBM hat sich dazu noch nicht geäußert, beworben hatte sich darum auch die Deutsche Telekom.

Gleichwohl kommen auch deutsche Unternehmen in der Entwicklung zum Zug. IBM hält 49 Prozent an dem Projekt, den Rest teilen das Kölner Start-up Ubirch, der schwäbische IT-Dienstleister Bechtle und Govdigital unter sich auf. Govidigtal ist ein genossenschaftlicher Zusammenschluss von zehn IT-Dienstleistern der öffentlichen Hand, wie etwa kommunale Rechenzentrumsbetreiber. Dass es eine digitale Impfbescheinigung geben soll, wurde im Corona-Kabinett am 22. Februar beschlossen, im Europäischen Rat wurde die Umsetzung dieses Nachweises drei Tage später besprochen. Bis eine rein digitale Impfbescheinigung auch wirklich vorhanden ist, soll es laut Amtsblatt rund 12 Wochen dauern. „Die Ursachen dafür sind die Komplexität der Lösung, die notwendigen datenschutzrechtlichen und sicherheitstechnischen Prüfungen sowie die Anbindung von circa 55.000 Praxen und von circa 410 Impfzentren“, heißt es darin.

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Reisebranche drängt auf Lösung

Weil vor allem Touristik- und Reisekonzerne große Hoffnung in Impfnachweise setzen, damit der Reiseverkehr wieder an Fahrt gewinnt, will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den digitalen Impfpass vor den deutschen Sommerferien anbieten. Wie genau das Endprodukt aussieht, ist hingegen noch offen. In Altötting in Oberbayern und im Zollernalbkreis in Baden-Württemberg haben Ubirch und Govdigital schon einmal Pilotprojekte für solche Impfausweise gestartet: Zur zweiten Corona-Impfung gibt es dann einen digitalen Impfausweis, hinter dem sich der Status versteckt, mit dem Behörden oder Zollämter den Impfstatus abfragen können. Ausgegeben wird dort auch eine Plastikkarte mit einem QR-Code, auf dem die Daten hinterlegt werden. Das hat keinen richtigen Zweck, außer dass es den Geimpften ein gutes Gefühl gibt, dass sie etwas zum Vorzeigen haben, künftig soll das jedoch auf App-Basis auf Smartphones funktionieren.

Das Kölner Start-up Ubirch hat sich auf Blockchain-Anwendungen spezialisiert und eine Art Signatur entwickelt, damit Ergebnisse fälschungssicher von überall abgerufen werden können. Das soll mittels der Blockchain-Technologie funktionieren, die öffentlich ist und deren Quellcode dadurch überprüfbar ist. Damit wird sie nicht nur einem Unternehmen zugeordnet, was eine unbefugte Übertragung ausschließen soll. Diese Infrastruktur wird dann von Govdigital gebaut. Ubirch ist wohl auch deshalb zum Zug gekommen, weil sich das Unternehmen schon vor fast einem Jahr in einem Konsortium aus Kliniken, Unternehmen, Corona-Testlaboren und öffentlichen Stellen zusammengetan hat, um Corona-Testergebnisse digital darstellbar zu machen. Mit dem Rostocker Unternehmen Centogene, das Coronatests entwickelt und dem Testlabor Dr. Wisplinghoff etwa.

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Auch die Lufthansa Industry Solutions hatte sich schon im April letzten Jahres die IT-Beratung der größten deutschen Airline diesem Konsortium angeschlossen, weil sie sich von dem digitalen Zertifikat etwa Vorteile für Zugangskontrollen verspricht, wenn es um Lockerungen für internationale Reisen geht. Um das Identitätsmanagement hatte sich die Bundesdruckerei gekümmert, die als Sicherheitsunternehmen des Bundes Ausweise und Pässe herstellt und dadurch einige Erfahrung mit sicheren Identitäten und Daten hat.

Netzwerk zahlt sich für Ubirch aus

Diese Querverbindungen dürften dabei geholfen haben, auch in dieser Ausschreibung zum digitalen Impfpass zum Zug zu kommen. „Dass der große Konzern IBM gemeinsam mit dem Kölner Startup Ubirch den Zuschlag des Bundesgesundheitsministeriums erhält, ist wirklich mustergültig und freut uns sehr“, sagt Stephan Noller, der Vorstandschef von Ubirch. „So können wir unsere Lösung tatsächlich schnell und extrem professionell skalieren. Wir sind sehr dankbar, dass wir so einen echten Mehrwert zur Bekämpfung der Pandemie leisten können.“

Gleichwohl gibt es einige Stimmen von IT-Fachleuten etwa vom Chaos-Computer-Club, die bezweifeln, dass die Blockchain-Technik in der Entwicklung überhaupt einen Mehrwert verspricht. Hauptkritikpunkt darin ist, dass die Schwierigkeit generell sei, digital nachzuweisen, dass eine Impfung stattgefunden hat – und die angebliche Fälschungssicherheit durch eine Blockchain gar nicht das Hauptproblem sei. Pavel Richter, der frühere Geschäftsführer von Wikimedia Deutschland, der inzwischen den Bundesverband Deutscher Stiftungen digitalisiert, wurde auf Twitter noch deutlicher: „Absolut unglaublich – der digitale Impfnachweis wird tatsächlich mit Blockchain-Quatsch verteuert“, schrieb Richter. „Ich fasse es nicht, dass dieses digitale Äquivalent zur Homöopathie immer und immer wieder von der Politik wiederbelebt wird.“

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Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Jansen Jonas
Jonas Jansen
Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.
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