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Gründerzentrum Deutsche Bahn

Der Roboter spricht, die Treppe hört

Von Inga Janović
 - 17:32
Zugewandt: Der Roboterkopf Semmi steht im 30. Stock des Silvertowers der Bahn, dem sogenannten Skydeck.

Mikrofone sind ein gutes Werkzeug, um Rolltreppen am Laufen zu halten. Virtuelle Brillen schaffen mehr Barrierefreiheit in den Zügen. Und ein sprechender Roboterkopf kann die Warteschlangen am Serviceschalter verkürzen. Wer gern über die Deutsche Bahn lästert, könnte meinen, der Konzern lasse sich vieles andrehen, um aus seiner vermeintlich endlosen Serie von Pannen herauszukommen. Aber hier ist nichts angedreht; stattdessen geht es um Ideen, die im konzerneigenen Gründerzentrum, im Frankfurter Skydeck, entwickelt wurden und die ihren Nutzen schon bewiesen haben.

Zum Beispiel die Videobrille von Johannes Hillebrenner und seinem Team. Wobei nicht die Brille ihre Erfindung ist, sondern die Software für die virtuellen Räume, die dadurch sichtbar werden. Sie sind die neuen Trainingszentren für Tausende Bahnmitarbeiter, die nun ohne Dienstreisen für die Arbeit an Stellwerken, Reparaturen an Waggons oder für den Umgang mit zusätzlichen Funktionen in den neuen ICE-Zügen geschult werden können. Bis Mitte Februar sollen an bundesweit 14 Bahnstandorten virtuelle Trainingseinheiten zum Standardprogramm gehören.

Virtuelle Lernprogramme

Mehr als 2000 Zugbegleiter haben so bereits gelernt, wie am ICE 4 der Hublift ausgefahren wird. Dabei handelt es sich um einen in die Zugwand eingebauten Minilift, mit dem Rollstuhlfahrer beim Ein- und Aussteigen die Stufen zum Zug überwinden können. Ganze 28 Handgriffe sind nötig, um die Hebebühne auszuklappen.

Nachdem die Zugbegleiter die Abläufe mehrfach virtuell durchgespielt hatten, sei ihnen die Bedienung am echten Zug deutlich leichter gefallen, erzählt Hillebrenner. Der Dreißigjährige war schon vorher begeistert von den Möglichkeiten, die sich virtuell schaffen lassen, quasi marktreif wurden seine Ideen dazu aber erst mit Hilfe des Bahn-Gründerzentrums.

Gelegen im 30. Stock des Silvertowers in der Frankfurter Innenstadt, ist das Skydeck eine Art Wolkenkuckucksheim. Im Prinzip sei jeder der rund 200 000 Mitarbeiter des Konzerns willkommen, um seine Idee zur Verbesserung des Service oder der Abläufe im Unternehmen vorzubringen, erklärt Thomas Knecht, Manager im Skydeck. Erfolgversprechende Ansätze werden so weit fortentwickelt, dass nach zehn Wochen feststeht, ob sie technisch umsetzbar sind – und ob eine der vielen Bahntöchter sie später tatsächlich nutzen möchte.

Hillebrenner war vor drei Jahren beim ersten Durchgang dabei, seitdem gab es acht dieser Innovationsrunden. 200 Mitarbeiter reichten ihre Ideen ein, 40 Ideen wurden weiter gefördert. Die vier Teams, die aktuell das Programm durchlaufen, stellen am Donnerstagabend ihre Ideen im Skydeck öffentlich vor.

Mit dabei ist dann auch Jens Glöckler. „Ich war mal mit einem Kollegen unterwegs, der konnte am Fahrgeräusch von Rolltreppen erkennen, ob Fremdkörper in der Anlage steckten oder sich eine Stufe verschoben hat“, erzählt er. Damit war seine Idee geboren, jetzt ist sie reif für den Praxistest: Gut 50 Rolltreppen, auch für Frankfurt, werden gerade mit Mikrofonen ausgestattet. Den eingefangenen Klang prüft eine mit Künstlicher Intelligenz ausgestattete Software. Erkennt sie ein Quietschen, veranlasst sie eine Fehlermeldung. „So kann man die Reparatur veranlassen, bevor die Rolltreppe stehenbleibt“, sagt Glöckner. So gut wie besagter Kollege ist die Software längst nicht, auch wenn Techniker die Künstliche Intelligenz mit ihren Erfahrungen angelernt haben. Aber das Programm lernt weiter mit all den Geräuschen, die nun eingesammelt werden.

Künstliche Intelligenz als Kundenservice

Semmi hingegen ist schon mit Daten gefüttert, er kennt den gesamten Fahrplan der Republik. Als Thomas Schiffler sich dem Roboterkopf, dessen Name die Abkürzung für „Sozioempathische Mensch-Maschine-Interaktion“ ist, zuwendet, leuchtet dieser ihm freundlich entgegen. Er bietet seine Dienste an, gibt Auskunft über Abfahrtszeiten und Pizzaläden am Berliner Hauptbahnhof. Dort tat der Roboter im Sommer neunzig Tage lang Dienst und entlastete die Mitarbeiter an den Serviceschaltern. Berühmt wurden er und Schiffler aber mit dem Moment, als Semmi schwieg, als einst etliche Kameras von Journalisten um beide herumstanden. „Es lag nicht an Semmi, am Hauptbahnhof war das Internet ausgefallen“, sagt Schiffler.

Er und seine Kollegen haben die Auskunft ohne Körper auch am Frankfurter Flughafen und in Japan getestet. An den hiesigen Bahnhöfen wird Semmi nicht aufgebaut – er ist nicht robust genug. Die Software allerdings, die ihn sechs Sprachen erkennen und sprechen lässt und die mit weiterem Wissen über Bahnhöfe, Verbindungen und Städte gefüttert wird, soll demnächst im Internet, in der Bahn-App und auf Bildschirmen am Bahnhof ansprechbar und auskunftsfreudig sein.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Janovic, Inga
Inga Janović
Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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