Wettstreit mit China

Joe Biden will Computer-Chips und Batterien für Amerika sichern

Von Winand von Petersdorff, Washington
24.02.2021
, 17:32
Amerikas Regierung und Kongress wollen technologisch aufrüsten: Es geht um Künstliche Intelligenz, seltene Erden und mehr – und um kritische Lieferketten rund um den Globus.

Die amerikanische Regierung prüft Importbeschränkungen und Subventionen, um Nachschub und die Produktion von als essentiell angesehen Gütern in den Vereinigten Staaten zu sichern. Präsident Joe Biden lässt per Dekret kritische Produktionsketten analysieren: Die Wertschöpfung von Computer-Chips, Pharmazeutika, Batterien für Elektroautos und seltene Erden stehenauf der Prüfliste des Weißen Hauses.

Biden war jüngst durch Vertreter der Autoindustrie und von Technologieunternehmen alarmiert worden, dass Lieferengpässe bei Halbleitern sie zwängen, Produktionen vorübergehend still zu legen. Die Fachleute des Marktforschers IHS schätzen, dass auf der ganzen Welt die Autoproduktion im ersten Quartal dieses Jahres um 700.000 Fahrzeuge geringer ausfällt als geplant. Deutsche Hersteller sind ebenfalls von dem Engpass betroffen.

Die amerikanischen Wirtschaftsvertreter forderten in einem Brief von der Regierung Staatshilfe für Halbleiterfabriken und für die Forschung mit dem Ziel, den Sektor global konkurrenzfähig zu halten. „Um wettbewerbsfähig zu sein und die Widerstandskraft kritischer Wertschöpfungsketten zu stärken, müssen die Vereinigten Staaten die Konstruktion neuer und modernisierter Halbleiterproduktionen durch Anreize beflügeln und in Forschung investieren“, heißt es im Schreiben. Die Zeit dränge.

Neue Laptops fürs Homeoffice

Die Durchleuchtung von Produktionsketten war schon unter Bidens Vorgänger Donald Trump auf die politische Agenda gekommen, als in der ersten Phase der Pandemie Schutzbekleidung und andere Medizingüter knapp wurden, weil China Ausfuhrbeschränkungen verfügt hatte. Der aktuelle Halbleiterengpass allerdings scheint zum Teil auch die Folge mangelnder Vorsorge von Autozulieferern und eine Veränderung der Nachfrage zu sein.

Weil viele Leute zu Hause zu arbeiten begannen, statteten sie sich mit neuen Laptops und Smartphones aus. Für die zusätzliche Nachfrage veränderten Hersteller offenbar ihr Produktionsprogramm - zu Lasten der Autoindustrie. Zudem haben amerikanische Exportbeschränkungen für Lieferungen nach China offenbar die wirtschaftlichen Erfolge der heimischen Industrie gedämpft.

Künstliche Intelligenz und Quanten-Computer

Biden verfolgt überdies wie sein Vorgänger das Ziel, Produktionsarbeitsplätze nach Amerika zurück zu holen, um gut bezahlte Jobs für die Mittelschicht zu sichern. Sein Vorstoß findet Rückhalt in beiden Parteien.

Er wird flankiert durch Gesetzesinitiativen im Kongress. Der demokratische Chef des Senats, Chuck Schumer, hat nach eigenen Angaben Senatoren mit dem Entwurf eines Gesetzes betraut, das Chinas Aufstieg kontern soll durch Förderung wichtiger Technologie.

Vorige Woche hatte er schon angeregt, 100 Milliarden Dollar in die Entwicklung von Hochtechnologie zu pumpen: Künstliche Intelligenz, Quantum Computer und Halbleiter nannte es als Beispiele. Im Frühjahr soll der Entwurf vorliegen. „Wir sehen all die geschlossenen Autofabriken weil sie nicht genügend Chips bekommen in ganz Amerika“, klagte Schumer. Amerika können sich nicht von ausländischen Herstellern der Halbleiter abhängig machen. China dürfe nicht davon ziehen in der Produktion.

Bidens Pläne sind vordergründig nicht gegen ein einzelnes Land gerichtet. Sie treffen aber China. Das fernöstliche Land spielt in den untersuchten Wertschöpfungsketten eine zentrale Rolle. Besonders stark zeigt sich diese bei der Produktion seltener Erden.

Quelle: FAZ.NET
Winand von Petersdorff-Campen - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitun
Winand von Petersdorff-Campen
Wirtschaftskorrespondent in Washington.
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