Streaming-Dienst

Die Macht von Netflix

EIN KOMMENTAR Von Roland Lindner, New York
20.01.2021
, 17:44
Der Videodienst spielt heute selbst in einer Liga mit Unterhaltungskonzernen wie Walt Disney. Die Branchengesetze werden sich ändern.

Die Zeiten, in denen Netflix eine reine Vertriebsplattform für Fernsehserien und Filme von Hollywood-Studios war, scheinen immer mehr wie eine entfernte Erinnerung. Der Videodienst spielt heute selbst in einer Liga mit Unterhaltungskonzernen wie Walt Disney. Er hat gerade ein beeindruckendes Filmprogramm für dieses Jahr vorgestellt und tönte sogar, er könnte eines Tages Disney die Führungsposition im Zeichentrickgeschäft streitig machen.

Seine wachsende Macht hat es ihm erlaubt, die Branchengesetze umzuschreiben. Er will Filme möglichst schnell für seine Abonnenten verfügbar machen und rüttelt damit am eingespielten Modell, wonach Kinos ein längeres exklusives Zeitfenster bekommen.

Netflix hat sich damit Feinde gemacht, erweist sich nun aber als Pionier, denn inmitten der Corona-Krise überdenken auch etablierte Studios ihre Strategie. Disney bringt Filme, die fürs Kino gedacht waren, auf seinen Videodienst Disney+, Warner will in diesem Jahr sogar alle Titel gleichzeitig mit dem Kinostart auf seiner Streaming-Plattform HBO Max zeigen.

Die Dämme brechen, und für Kinobetreiber ist das alarmierend. Sie müssen um ihre Position im Machtgefüge der Branche kämpfen, selbst wenn die Pandemie vorbei ist.

Quelle: F.A.Z.
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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